Für die Eltern des kleinen Paul (2), der im Juli 2021 unbeobachtet das Gelände der Ludwigschorgaster Kindertagesstätte verlassen konnte und in der Folge auf dem Nachbargrundstück in einem Wasserbecken ertrunken ist, war es ein Schock: Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen die Erzieherinnen wegen versuchter Tötung eingestellt. Gegen den Träger der Einrichtung, die Kirchenstiftung St. Bartholomäus in Ludwigschorgast, wurde gar kein Verfahren eingeleitet. Die Aufsicht über die Stiftung obliegt dem Erzbistum beziehungsweise dem Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg. Wie das Erzbistum den Ermittlungsausgang bewertet und welche Folgen aus der Tragödie gezogen wurden? Wir haben dazu Pressesprecher Harry Luck befragt.

Die Ermittlungen gegen die drei Beschäftigten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung sind eingestellt worden, gegen den Träger wurde nach der ersten Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft gar kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie froh sind Sie, dass kein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden konnte?

Harry Luck: Träger der Einrichtung ist die Kirchenstiftung St. Bartholomäus in Ludwigschorgast. Dem Erzbistum beziehungsweise dem Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg obliegt die Aufsicht über die Kirchenstiftungen hauptsächlich im Sinne einer Beratung und Unterstützung. Auch ein Jahr später sind wir immer noch erschüttert und traurig über das schreckliche Unglück. Unabhängig davon sind wir erleichtert, dass im Ermittlungsverfahren kein schuldhaftes Verhalten festgestellt wurde.

Sind die Erzieherinnen weiterhin in der Tagesstätte beschäftigt?

Die drei Beschäftigten, gegen die Ermittlungen aufgenommen wurden, sind noch in der Kindertageseinrichtung tätig.

Die Eltern, die ihren Sohn durch ein tragisches Unglück verloren haben, macht die Entscheidung der Staatsanwaltschaft fassungslos. Können Sie das nachvollziehen?

Der Tod eines Kindes hat tiefe Auswirkungen auf das Leben der Eltern und reißt ihnen den Boden unter den Füßen weg. Kommt dann hinzu, dass sich kein Verantwortlicher benennen lässt, ist Fassungslosigkeit auf der Seite der Eltern nur zu gut nachvollziehbar.

Wie der Junge aus der Tagesstätte gelangen konnte, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Nach den Zeugenvernehmungen steht aber fest, dass schon vorher immer wieder Kinder unter dem Maschendrahtzaun hindurchgekrabbelt und so aus dem Gelände der Kindertagesstätte gelangt sind, wenn sie etwa einen Fußball über den Zaun geschossen hatten. Waren Ihnen das bekannt?

Wir haben keinen Einblick in die Ermittlungsakte. Welche Zeugen vernommen wurden und was sie ausgesagt haben, wissen wir nicht. Weder dem Träger noch den Beschäftigten war und ist bekannt, dass Kinder das Gelände der Kindertagesstätte verlassen konnten, indem sie unter den Maschendrahtzaun gekrabbelt sind. Wir weisen darauf hin, dass die Polizei im Zaun kein Loch gefunden hat, durch das ein Kind hätte entwischen können.

Wurden die Sicherheitsvorkehrungen nach dem tragischen Unglück verstärkt? Es heißt, im Frühjahr sei der alte durch einen neuen Zaun ersetzt worden.

Die vorgeschriebenen jährlichen Prüfungen und Begehungen der Außenanlagen durch einen externen Spielplatzprüfer finden regelmäßig statt. Zusätzlich zu diesen vorgeschriebenen Prüfungen finden alle drei Jahre Begehungen durch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit des Erzbischöflichen Ordinariats statt. Diese Fachkraft ist beratend tätig. Der Maschendrahtzaun wurde ersetzt.

Die Eltern des Jungen bedauern es, dass nach dem tragischen Unglück von Seiten des Kindergartens niemand auf sie zugekommen sei und das Gespräch gesucht habe. Warum hat man gerade als christlich geprägte Einrichtung davon Abstand genommen?

Sowohl die Leitung der Kindertageseinrichtung als auch der örtliche Pfarrer hatten Kontakt zu den Eltern des Kindes. Der Pfarrer führte das Trauergespräch für die Beerdigung und hielt auch die Beerdigung.