Edina Thern sträubt sich gegen Fragen zu sich selbst und will nur etwas über "Frau Loths Kampf gegen die Engel" erzählen. "Nein, es geht nur um das Stück. Ich habe mich da nur im Hintergrund, ganz im Hintergrund, beteiligt." Das afrikanische Tanztheater wird am Freitag im Rahmen des Fränkischen Theatersommers in der (evangelischen) Dreifaltigkeitskirche in Presseck zu sehen sein - Ausstattung: Edina Thern.

Die gebürtige Oberstdorferin lebt seit 25 Jahren im Pressecker Ortsteil Elbersreuth. Ihr Weg führte sie zunächst nach Hagen, wo sie aufgewachsen ist. Sie studierte Germanistik in Aachen und vor allem Textilgestaltung in Köln. Im Zug von Hagen nach Aachen traf sie zufällig Robert Thern, einen Amerikaner, "seitdem sind wir zusammen". Mit ihm zog sie in die USA, wo sie weiter Textilgestaltung studierte und sich künstlerisch betätigte.

Vielfältiges Engagement

1989 gingen beide zurück nach Deutschland, zunächst nach Hof, schließlich nach Presseck. Die drei Kinder sind inzwischen erwachsen. Edina Thern schreibt Gedichte, hat ein Buch veröffentlicht, engagiert sich in mehreren Kunst- und Kulturvereinen.
In ihrem weitläufigen Atelier über der Raiffeisenbank in Presseck sammelt sie Materialien, fertige und halbfertige Objekte - bis hinauf in den Spitzgiebel aufgehängt, auf mehreren Tischen zusammengestellt, in Kartons, Kisten und Koffern verstaut. Um Kleiderständer sind Stoffe drapiert und oben drauf: Hüte mit Federn besetzt oder unerwarteten Materialen dekorativ aufgeputzt. Es riecht nach Kreativität.

Manchmal schlicht, oft barock

Edina Therns Textilarbeiten sind keine landläufigen Roben, Abendkleider oder sonstwie übliche festliche Gewänder. Sie versieht die Grundidee eines Kleidungsstücks mit völlig unüblichen und unerwarteten Materialen wie Drahtgitter oder Korken-Reihen, PVC-Bändern, Ketten aus Kastanien, durchsichtigen Plastik-Blasen oder Folien. Am Ende sind es eher Kostüme von theatralischer Wirkung, teils schlichte aber oft barock anmutende äußere Darstellungen einer Frau.

Als Edina Thern den Text zum Stück "Frau Loth" bekam, musste sie in erster Linie im Auge behalten, dass sich die Frauen, für die sie die Kostüme anfertigen sollte, gut bewegen konnten und auch ekstatisch tanzen werden. Mit steifen dekorativen Elementen war also nichts zu machen. Die wären nur hinderlich. Gleichzeitig mussten die Kostüme zur jeweiligen Szene passen: kämpferische Massen andeuten oder verzweifelte Situationen unterstreichen.

Wie zieht man zum Beispiel eine Salzsäule an? Nach der biblischen Geschichte wird ja die Familie des Loth von Engeln aus Sodom vertrieben bevor die Stadt durch Feuer unter ging. Dabei ist es ausdrücklich verboten, sich auf der Flucht noch einmal umzudrehen. Das befolgt die Frau des Loth (sie hat keinen eigenen Namen) allerdings nicht. Als sie sich dennoch umdreht erstarrt sie zur Salzsäule.

Frau Loth begehrt auf

Im Stück von Sénouvo Agbota Zinsou verharrt Frau Loth allerdings nicht wie ein Stein sondern wehrt sich, bewegt sich (tänzerisch). Edina Thern steckt deshalb Frau Loth in einen weißen hochflexiblen Ganzkörper-Schlauch, in dem sich die Tänzerin ungehindert bewegen kann und sich das Material den Körperkonturen in jeder Haltung anschmiegt.

Edina Thern ist von dem Stück begeistert - vor allem von den beiden Darstellerinnen und der Choreographie und Umsetzung von Jana Schmück. Das Tanztheater erzählt nicht die biblische Geschichte nach. Es blickt auf Vorgeschichte und Hintergründe, weiß sie, und stellt die Klage der Frau des Loth über ganze Situation überhaupt dar.

Die Frau des Loth bleibt nicht die zur Salzsäule erstarrte Bestrafte; sie wehrt sich gegen die ganze Situation. Sie befolgt nicht willenlos die Anweisungen. Sie beklagt den Verlust des bisherigen familiären Lebens und der Kultur. Sie sieht auch die Mühen und Gefahren einer Flucht und beklagt die gewaltsame Vertreibung (womit der Autor ganz aktuell auf die gegenwärtige Flüchtlingswelle anspielt).