Josef Schmidt sucht jetzt schon seit einem Jahr nach einem Nachfolger. Gefunden hat er noch keinen. Schmidt - oder besser Dr. Schmidt - ist jetzt 60 Jahre alt und Allgemeinarzt, niedergelassen in Marktleugast. "Meine Hoffnung ist, dass es jemand aus dem Ort gibt, der bleiben will", sagt Schmidt. Doch bisher habe sich relativ wenig getan - um nicht zu sagen: nichts.

Das ist keine Ausnahme. Es will kaum ein Allgemeinmediziner mehr aufs Land. Noch gibt es keinen Mangel, doch ab 2016 ist das Szenario schon gezeichnet. 150 bis 200 Ärzte dürften laut Prognosen in Oberfranken dann fehlen, gibt Ingo Rausch, vom Hausarztverband zu bedenken.

Wie dem Problem zu begegnen ist, darüber streiten sich die Experten, wie jüngst am Dienstagabend in der Alten Feuerwache in Kulmbach.
Bei dem von TV Oberfranken und der Kulmbacher Bank organisierten Gespräch diskutierten neben Rausch auch Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml (CSU), Dieter Geis, Vorsitzender des bayerischen Hausärzteverbands, Landrat Klaus Peter Söllner (FW), Sabine Steinlechner von der AOK Bayern, sowie Reinhard Baar, Allgemeinarzt aus Presseck.

Bürokratismus am Pranger

Und Baar diagnostiziert: "Der Bürokratismus hat in den letzten Jahren so enorm zugenommen - er behindert den Beruf aller Landärzte." Auch eine staatliche Förderung über 60 000 Euro für Ärzte auf dem Land, wie sie von Staatssekretärin Melanie Huml angepriesen wird, ist in den Augen von Baar nicht ausreichend. Die Voraussetzungen für eine Selbständigkeit seien vielmehr das Problem.

"Viele sagen, es sind schwierige Arbeitsbedingungen", bestätigt auch Landrat Söllner. Und der Marktleugaster Arzt Josef Schmidt kann das nur unterschreiben. Früher war Schmidt Prüfarzt, hat die Abrechnungen anderer Kollegen überwacht. Heute sagt er: "Ich verstehe meine eigenen Abrechnungen nicht mehr." Nichts sei mehr planbar, jede Woche gebe es neue Vorschriften, sagt Schmidt. Hinzu komme, dass die Krankenkassen oft zu spät bezahlten.

So wartet Schmidt immer noch darauf, dass das dritte Quartal 2012 ausbezahlt wird - das Geld komme wohl erst im Mai. "Für die jungen Kollegen ist das ein Problem, sie wissen nicht, wie sie Bankkredite finanzieren können", sagt Schmidt. Das sei das Hauptproblem, neben dem Aspekt, dass viele junge Ärzte sich nicht mehr so sehr für den ländlichen Raum inte ressierten.

Veritables Problem im Landkreis

Reinhard Baar kritisiert auch die Aufkündigung der Hausarztverträge durch die Kassen "unter Federführung der AOK". Diese sorgten lange für eine "gute Zeit" bei den Ärzten. Doch das sei vorbei. Auch wenn es inzwischen seit 2012 wieder einen Vertrag gebe, habe das keine positiven Effekte mehr. AOK Vertreterin Steinlechner verteidigt sich: "Die Kündigung des alten Hausarztvertrages hat nicht die AOK Bayern ausgelöst, sondern die Hausärzte." So geht es zwischen den Vertretern hin und her. Eine Lösung ist dabei kaum in Sicht. Und das Problem wird nicht kleiner.

In 15 Jahren rechnet Landrat Söllner auch im Landkreis Kulmbach mit einem "veritablen Problem" in der ärztlichen Versorgung. "Gerade wenn man sich das Stadtsteinacher Oberland anschaut mit Presseck, Kupferberg und Marktleugast: Da müssen wir sehen, dass wir jüngere Menschen hinbringen", sagt der Landrat über die Ecke des Landkreises, wo Reinhard Baar und Josef Schmidt praktizieren.

Ob Josef Schmidt in Marktleugast einen Nachfolger findet, ist für ihn momentan fraglich. Dennoch will er in drei Jahren kürzer treten, aber: "Man greift der Kollegin in der Gemeinschaftspraxis trotzdem weiter unter die Arme." Es bleibt also nur ein halber Ruhestand für den Allgemeinarzt.