Die Senioren, die normalerweise an den Nachmittagen im Caritas Alten- und Pflegeheim St. Marien in Stadtsteinach auf den gemeinsamen Kaffee warten, sind schon fix und fertig gestiefelt und gespornt. Sie haben sich Caps und Mützen aufgesetzt, die dicken Winterjacken angezogen und vorsorglich eine Decke über die Beine gelegt. Viele stehen schon im Flur.
Jetzt kann es losgehen. "Soll ich die Mütze aufsetzen?", fragt die 93 Jahre alte Hilde noch einmal sicherheitshalber und lacht. Denn sie kennt "ihren Betreuer" David Buß schon. David ist 14 Jahre alt, er geht normalerweise in die achte Klasse der Mittelschule Stadtsteinach. "Ich habe die Hilde schon zwei Mal gefahren", sagt er.

"Das ist klasse", sagt die 93-Jährige resolut. "Anfangs hatte sie noch ein bisschen Angst, vor allem, wenn es leicht bergab ging - aber inzwischen vertraut sie mir.
Sie weiß, dass nichts passiert", erzählt David Buß. Persönlich würde er seiner Hilde ja raten, das Cap verkehrt herum aufzusetzen: "So sieht es cooler aus." Doch dazu kann er Hilde dann doch nicht verleiten.

Denn eigentlich gehört doch das Schild nach vorn, findet die 93-Jährige. Und eigentlich muss man mit 93 auch nicht "cool" aussehen.

Schon geht die Ausfahrt los. Die Seniorin freut sich, der Schüler hat richtig Spaß an der Aktion. Unter der Regie von Förderlehrerin Brigitte Salhöfer gehen insgesamt elf Schüler der siebten bis neunten Klassen regelmäßig in das Caritas Alten- und Pflegeheim. Seit Januar tun sie das jede Woche einmal.

"Am ersten Nachmittag haben wir von der Betreuerin Iris Berger, der Leiterin des Sozialen Dienstes, erklärt bekommen, was man alles mit den Senioren unternehmen kann", so Salhöfer. In zwangloser Kaffeerunde freundeten sich die Schüler mit den Senioren an.



Aktionen sind wetterabhängig

Die Schüler wurden über Hygienevorschriften unterrichtet, haben in der kalten Jahreszeit "Mensch ärgere dich nicht" oder Bingo mit den Senioren gespielt. Inzwischen haben sich Luca Marckmann, Bastian Wendicke, Leonie Knörrer, Celina Maier, Lukas Luse, David Buß, Christian Wenig, Celine Ciesla und Vanessa Schöttner mit den betagten Menschen angefreundet.

"Meine Uroma ist 80, ich komme richtig gut mit den Menschen klar", sagt Leonie Knörrer. Auch Lukas Luse lässt sich nicht lange bitten. "Ich gehe nicht spazieren, aber ich spiele was mit den Senioren", sagt der ebenfalls 14-Jährige.

Lukas Luse will zwar keinen Beruf im sozialen Bereich ergreifen, trotzdem hilft er gern mit. "Ich will lieber Kfz-Mechatroniker werden", sagt Lukas Luse.

Charlotte Klötzer vom Caritas-Seniorenheim erklärt den Schülern das Lieblingsspiel für ältere Menschen: Vertelleskes. "Das ist ein Ratespiel, bei dem es darum geht, Gedichte oder Lieder oder andere Fragen zu beantworten", erklärt die Betreuerin. Und die Schüler lassen sich nicht lange bitten. "Ist es richtig, dass es heißt im Spätfrost zu Berge?", fragt Celina Maier.

"Ihr müsst die Senioren direkt ansprechen", erklärt Charlotte Klötzer. Noch einmal liest Celina Maier die Frage vor. Etwas lauter. Und noch ehe sie sich versieht, stimmt die ganze Seniorenrunde das bekannte Volkslied "Im Frühtau zu Berge an". Die Schüler staunen nicht schlecht, denn sie selbst hätten den Text nicht parat gehabt.



Konzept geht auf

"Wir machen diese Aktion schon zum zweiten Mal. Das schult einfach die Sozialkompetenz", sagt Schulleiter Michael Pfitzner und staunt auch darüber staunen, wie gut Jung und Alt harmonieren können.
Natürlich sind die Schüler nicht nur im Seniorenheim zu Gange, es gibt auch Kooperationen mit der Altenpflegeschule, Kunst- und Erste-Hilfe-Projekte. Und natürlich bleibt auch noch genug Zeit für die Qualivorbereitung, für Duathlon-Training, für YouTube-Filme oder zum Anfertigen von Kunstwerken in Holz. Denn jeder Schüler soll im Lauf des Schuljahrs in mehrere Projekte hineinschnuppern.
Die Senioren freuen sich immer sehr, wenn die "Junga" ein bisschen Abwechslung in den Alltag bringen. Dass die Schüler ausgerechnet an einem der ersten schönen Frühlingstage kamen, war für die Senioren schon ein vorgezogenes Ostergeschenk, das sie in vollen Zügen genossen.