Vor der idyllischen Kulisse des Goldbergsees, eins Schauplatz der legendären Serenaden, interpretierte ein erstklassiges 45-köpfiges Bayreuther Festspielorchester Höhepunkte aus den Opern Richard Wagners. Angereichert war der Abend im Stile der rauschenden Renaissance-Feste mit Darbietungen einzigartiger Solisten und ein bisschen fränkischer Unterhaltung. Martin Rassau von der Komödie Fürth war in das Kostüm von Albrecht Dürer geschlüpft und unterhielt eingefleischte Wagner-Fans ebenso wie Neulinge.

Der große Bär

Die musikalische Leitung der Best-of-Nacht der Opern lag in den Händen von Daniel Geiss, Regie führte der junge José Cortes aus Puerto Rico. Er hatte Festspielleiterin Katharina Wagner einst bei Regie-Workshops kennengelernt.

Eine zentrale Rolle spielte ein großer Bär. "Siegfried ist den Bären im dritten Teil des Rings der Nibelungen doch nicht losgeworden, jetzt schlendern die beiden so durch die Weltgeschichte. Der Bär hat die Oberhand gewonnen", erklärte Cortes seine eigenwillige Inszenierung. Cortes stellte Bilder aus der Historie nach: Plötzlich tauchte Siegfried Wagner auf - samt seinen Kindern. "Das ist Siegfried Wagner.

"Es ist ein Mysterium"

"Es ist ein Mysterium", kommentierte Zuschauer Bernd Stein die Inszenierung und merkte an, dass auch für ihn als eingefleischtem Wagner-Fan vieles rätselhaft bleibe. Doch Siegfried Wagner habe er auf Anhieb erkannt, weil er so wie auf alten Fotografien dargestellt worden sei.

Das Schauspiel war allerdings nur Beiwerk, für das Mitglieder der Statisterie gewonnen werden konnten. Mancher aus dem Publikum hätte darauf verzichten können. Viele fanden es unterhaltsam genau wie Martin Rassaus fränkische Einlagen und Frotzeleien.

Künstlerisch überzeugend

Im Mittelpunkt des Goldbergsee-Festes stand eindeutig die Musik. Typisch Wagner: einzigartig und einfach herrlich. Das Team aktiver Festspielförderer (Taff) hatte Höhepunkte aus den berühmten Opern gewählt. Die Meistersinger waren vertreten, der Fliegende Holländer ebenso. Isoldes Liebestod, Walther von Stolzings Preislied oder Hans Sachs' Wahnmonolog überzeugten künstlerisch.

Zum absoluten Publikumsliebling avancierte Startenor Klaus Florian Vogt. Bereits seit 2007, als Vogt in der Inszenierung von Katharina Wagner seinen Durchbruch feierte, ist er Dauergast und Liebling auf dem grünen Hügel. In diesem Jahr ist er in seiner Paraderolle als "Stolzing" zu sehen.

Aber auch Daniela Köhler (Sopran), Armin Kolarczyk (Bariton), Jens-Erika Aasbø (Bass) und Attilo Glaser (Tenor) überzeugten das Publikum mit ihren einzigartigen Stimmen. Aasbø wird allerdings erst im nächsten Jahr sein ganzes Repertoire entfalten können - im Ring.

Am Ufer des Goldbergsees herrschte während der Festspielnacht geradezu mondäne Stimmung. Einige kamen im Ascot-Style - mit Fest-Garderobe und Hüten.

"Ich bin fast ein bisschen over-dressed"

Begeistert zeigte sich Festspielintendantin Katharina Wagner. "Ich bin fast ein bisschen over-dressed", sagte sie. Denn natürlich erschien die Intendantin in schwarzer, langer Abendrobe. Katharina Wagner gab unumwunden zu, dass sie gerne an den Goldbergsee gekommen war und sich sichtlich über die Kombination aus Musik, Schauspiel und Essen freute. Sie nahm aus den Händen von Bürgermeister Marc Benker gerne Blumen entgegen und plauderte am späten Abend. "Ja, es könnte eine schöne neue Tradition vor magischer Kulisse werden", sagte Katharina Wagner zufrieden.

Einen fulminanten Schlusspunkt setzte ein Feuerwerk, das das Publikum mit tosendem Applaus belohnte.

Nur ein Wermutstropfen blieb bei der Veranstaltung: Das Catering und das Essen waren schlichtweg indiskutabel angesichts von Veranstaltungspreisen in dreistelliger Höhe.