Der neugestaltete Untersteinacher Bahnhof sorgte in den letzten Jahren bei den Reisenden immer wieder für Ärger. Junge Mütter mussten ihren Kinderwagen über die hohe Überführung transportieren. Allein funktionierte dies nicht. Sie waren auf Hilfe anderer angewiesen.

Rollstuhlfahrern wurde sogar empfohlen, bis zu einer anderen Station weiterzufahren, weil es keine vernünftige Idee gab, wie sie die neue Überführung überqueren sollten. Und auch begeisterte Radfahrer, die in Untersteinach aussteigen wollten, ließen dies lieber bleiben, weil sie sonst ihren fahrbaren Untersatz treppauf, treppab tragen mussten. Mit einem schweren Pedelec war dieses Unterfangen nahezu nicht zu bewerkstelligen.

Wie ein Schildbürgerstreich

"Nur die Jugendlichen haben sich einen Spaß daraus gemacht. Sie sind mit ihren Mountainbikes einfach die Treppen hinuntergefahren. Zum Glück ist nichts passiert", sagte der Untersteinacher Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD).

Jahrelang mutete die Lücke, die in dem Geländer der Überführung klaffte, wie ein Schildbürgerstreich an. Und so mancher Untersteinacher hatte schon den Glauben an die Politik und an die Versprechen verloren. Denn der Aufzug kam und kam nicht, obwohl doch seit Jahren die Förderzusage bestanden hatte.

Dem Untersteinacher Bürgermeister fällt jetzt ein echter Stein von Herzen. Für ihn mutet das fast schon wie ein kleines Weihnachtswunder an. Aktuell installiert eine Metallbaufirma das Glasgehäuse für die beiden Aufzüge. "Ich bin jetzt wirklich froh, dass sich was tut und dass man dies auch sehen kann."

Weihnachten wird geschweißt

Allerdings werde der Aufzug nicht schnell in Betrieb genommen werden, relativiert Schmiechen die Begeisterung gleich wieder. Denn in den ersten Dezembertagen würden erst einmal nur die Gehäuse für die Aufzüge installiert. Die Arbeiter schweißen und installieren die Plattformen, die die Überführung mit den Glaskästen verbinden. Dann geht die Baustelle in die Weihnachtspause.

"Wir haben die Zusage, dass die Aufzüge dann in der zweiten Januarwoche eingebaut werden. Bis zur Abnahme wird es dann noch weitere Wochen dauern", so der Bürgermeister. Doch die Deutsche Bahn habe die Zusage gemacht, dass die Anlage bis Ostern voll funktionsfähig sein wird. Dass dies so lange dauert, liege am umfangreichen Sicherheitscheck, der nach dem Einbau vonstatten gehen müsse.

Langes Warten hat ein Ende

Einen wesentlichen Anteil, dass die beiden Aufzüge jetzt eingebaut werden können, hat die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. "Ich habe in den letzten Jahren gemeinsam mit Bürgermeister Volker Schmiechen dafür gekämpft. Ich bin froh, dass das lange Warten jetzt endlich ein Ende hat und dass der Bahnhof endlich barrierefrei wird", sagt die Abgeordnete und fügt noch hinzu: "Ich kann mich für die lange Dauer bei den Untersteinachern und bei den Pendlern nur im Namen der Deutschen Bahn entschuldigen."

Eigentlich hatte alles gut angefangen. Der Bahnhof Untersteinach wurde erweitert, bekam ein zweites Gleis. Damit konnte die Taktung der Züge verbessert werden. Die Züge müssen fortan nicht mehr rangieren.

Der Bahnhof wurde modernisiert. Außerdem sollte er als einer von insgesamt nur 13 Stationen bundesweit als kleiner Bahnhof mit Aufzügen ausgestattet werden. Das Zukunftsinvestitionsprogramm "Barrierefreiheit kleiner Schienenverkehrsstationen" des Bundesverkehrsministeriums (damals hatte dies noch Alexander Dobrindt inne) förderte die Maßnahme. "Aber aufgrund von Schwierigkeiten bei der Entwässerung kam es zu Verzögerungen", erklärte Zeulner.

MdB Zeulner: "Schwer erklärbar"

Immer wieder kämpfte sie für die Realisierung, trat mit dem Eisenbahnbundesamt, mit dem Landratsamt Kulmbach und mit dem Wasserwirtschaftsamt in Verbindung, um die Genehmigung zu beschleunigen. "Es ist wirklich schwer erklärbar und nachvollziehbar, warum sich der Einbau der Aufzüge so lange verzögert hat", sagt sie.

Die Bundestagsabgeordnete ist zuversichtlich, dass auch für den Bahnhof Marktschorgast eine Lösung gefunden werden kann.

Die Ausstattung des Untersteinacher Bahnhofes mit den beiden Aufzügen soll übrigens 870 000 Euro kosten.