Die Anwohner und Geschäftsleute in der Weiherer Straße können aufatmen. Die langwierige Großbaustelle, die mit Straßensperrungen und Umleitungen einhergeht, wird Ende August abgeschlossen. "Gott sei Dank", sagt Bäckermeister Sebastian Groß, der über ein Jahr unter den Bauarbeiten gelitten hat. "Der Umsatz in meinem Laden ist um 50 Prozent eingebrochen", sagt Groß, der weiß, dass viele Kunden wegen der Bauarbeiten ihr Brot und ihre Brötchen woanders gekauft haben.

Das Radwegeverkehrskonzept

Der Kulmbacher Stadtrat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend seine letzte Entscheidung zur Weiherer Straße getroffen. "Vorfahrt Rad oder Auto-Stellflächen für Anwohner?" lautete die Frage, die das Gremium zu beantworten hatte und bei der das neue Radwegekonzept eine entscheidende Rolle spielte. Zur Vorgeschichte: Im Dezember vergangenen Jahres hatten sich die Stadträte darauf verständigt, als Provisorium zunächst die Gehsteig-Parkplätze zwischen den Einmündungen Jeans-Paul-Straße und Gabelsberger Straße zu belassen und über die endgültige Markierung erst nach dem Vorliegen des Radverkehrskonzeptes zu entscheiden. Letzteres ist im Mai als städtebauliches Entwicklungskonzept verabschiedet worden.

1,50 Meter breit

Über die konkrete Umsetzung soll jeweils im Einzelfall entschieden werden. Das Fachbüro R+T und die Verwaltung hatten für die Weiherer Straße einen Vorschlag unterbreitet, der sowohl bergauf als auch bergab einen 1,50 Meter breiten Schutzstreifen für Radfahrer vorsieht. Bei der Alternativvariante wird zwar bergauf Radfahrern Platz eingeräumt, auf der Strecke bergab in Richtung Wilhelm-Meußdoerffer-Straße werden aber Gehsteig-Parkplätze für die Anwohner geschaffen, die es dort auch schon vor dem Baustellenbeginn gab.

"Die Straße gehört allen"

Die Mehrheit des Gremiums sprach sich für die Variante 2 aus. Kein Verständnis zeigte dafür Ralf Baumann (SPD). Er beklagte, dass der Stadtrat zwar grundsätzlich das Ziel verfolge, etwas für Radfahrer zu tun, bei der ersten Maßnahme nun aber eine Kehrtwende einlege. "Wollen wir nun dem Konzept folgen oder nicht?", fragte auch Dagmar Keis-Lechner (Grüne), die sich wunderte, dass man einer Empfehlung der Fachleute nicht folge. "Die Straße gehört allen und nicht nur wenigen, die dort parken wollen."

Aures: "Ein Witz"

Dass manche Stadtratskollegen die Weiherer Straße als ein Muster für die Umsetzung des Radwegekonzeptes sehen, sei "ein Witz", stellte indes Ralf Baumanns Fraktionskollegin Inge Aures fest. Die Straße sei viel zu breit angelegt, verleite zum Rasen. Die Stellflächen für Anwohner führten zur Verkehrsberuhigung.

"Parkplätze sind wichtig"

"Ich verstehe die ganze Aufregung nicht", meinte Michael Pfitzner (CSU). Man habe sich darauf geeinigt, bei der Umsetzung des Radwegeverkehrskonzeptes Einzelfallentscheidungen zu treffen. "Und hier sind Parkplätze für die Anwohner eben wichtig."

Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) hatte für diese Argumentation wiederum kein Verständnis. "Ich sehe die große Gefahr, dass dann jeder einen Parkplatz vor der eigenen Tür will." Lehmann gehörte zu denen, die die Markierung für Autos ablehnten, die bei der Abstimmung allerdings in der Minderheit waren.

Wie Bäckermeister Sebastian Groß die Entscheidung für die Parkplätze wertet? "Das ist absolut richtig und wichtig", sagt der Geschäftsmann, der die Hoffnung hat, dass durch die abgestellten Autos am Straßenrand die Raser zumindest etwas ausgebremst werden.