Ein entscheidendes Kriterium bei der Errichtung einer Burg war die Versorgung mit Trinkwasser. Besonders in kriegerischen Zeiten brauchte man für eine größere Anzahl an Menschen und Tieren ausreichend Wasser, um auch für einen Belagerungsfall gerüstet zu sein.

Auf der Plassenburg finden sich unterschiedliche Formen der Bevorratung. Die Eigenart des Bundsandsteins, schichtenweise grundwasserführend zu sein, bedingt, dass im Bereich der Burg an mehreren Stellen Wasseradern zutage treten. Es gab neun gefasste Quellen und kleinere Teiche. Ferner wurden Zisternen angelegt, um Regenwasser aufzufangen. Gerade das Zisternenwasser war aber abgestanden und allenfalls für Löschzwecke geeignet.

800 Holzröhren

Als durchaus sinnvolle Anlage für die Versorgung mit Frischwasser erwiesen sich 800 etwa vier Meter lange Holzröhren, die das kostbare Nass aus dem höher gelegenen Bereich um Zettmeisel und Maierhof durch den Buchwald leiteten.

Der Nachteil war, dass der Feind die Wasserleitung leicht abgraben konnte, wenn er erst einmal ihren Verlauf kannte. Dies geschah zum Beispiel im Bundesständigen Krieg 1553. Der Brunnenwart wurde gefangen genommen und verriet unter Folter, woher das Wasser kam. Die Belagerer gruben die Röhren aus und zerstörten die unter Georg dem Frommen im Jahre 1530 erbaute Leitung.

Eine der ältesten Möglichkeiten zur Wasserversorgung einer Burg war der Bau eines Grundwasserbrunnens, sorgte dieser doch auch bei Belagerung für einen sicheren Vorrat. Der Bau eines solchen Schachtes war kostspielig und schwierig. Die erste archivalische Nachricht von einem tiefen Brunnen auf der Plassenburg stammt aus dem Jahr 1448. Er befindet sich in der nordöstlichen Ecke des Schönen Hofs.

Eine schier unglaubliche Leistung

Damals verpflichtete sich Meister Conrad Brunnmeister zur Fertigstellung einer komplizierten Schöpfvorrichtung, mit der es gelingen sollte, jeden Tag acht Kulmbacher Fuder Wasser (das entspricht einer Menge von über 9000 Litern täglich) aus dem Schacht zu ziehen. Eine schier unglaubliche Leistung.

Aus der Bestallung geht hervor, dass es sich bei diesem Bauwerk um einen Rollenbrunnen gehandelt haben muss, der im Gegensatz zum alten Ziehbrunnen mittels eines Rades das Schöpfen am laufenden Band ermöglichte. Es war offensichtlich ein größeres Projekt, so dass man wohl ziemlich sicher von einer Neuanlage ausgehen kann. Meister Conrad bekam als Lohn freie Verpflegung im Schloss und nach Abschluss und Gutheißen seiner Arbeit durch Hauptmann und Vogt die Summe von 160 Gulden.

Die List des Feindes

Im Bundesständigen Krieg versuchten die Belagerer, den Brunnen abzugraben. Bergleute trieben einen Gang von Kulmbach aus in Richtung des Brunnenschachtes. Nachdem 1554 die Plassenburg in Brand gesteckt worden war, wurde auch der Brunnen vergiftet. Niemals wieder sollte nach dem Willen des Feindes eine Burg auf diesem Berg stehen. Doch Markgraf Georg Friedrich baute ab 1559 die Plassenburg wieder auf und sicherte auch die Trinkwasserversorgung, indem er das Brunnenwasser wieder trinkbar machen ließ.

Seine makabre Anordnung aus dem Jahr 1562 lautete: "den Prunnen uff solchem Schloß fürderlich wider räumen und fegen und das wasser, das noch vergifftet, an liderlichen diern prowiern und sofern es sich noch vergifftet erzaigen wurdet, den prunnen desto offter gar anschörfftn und das wasser offt prowirn lassen." Sinngemäß besagt die Anordnung, dass der Unrat ausgeräumt und das Wasser lange abgeschöpft werden solle. Zum Probieren sollte "liederliches Weibszeug" kommen.

Gemeint waren damit die Schnall'n, Metzen und Hübschlerinnen, also die Huren. Leider ist nicht überliefert, ob die Frauen Schaden genommen haben. Aber seit diesem "Umtrunk" gibt es in Kulmbach nur noch anständige Frauen.

Steinernes Brunnenhaus

Bis 1845 stand über dem Schacht ein steinernes Brunnenhaus. Es hatte einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 7,15 Metern. Seit der Errichtung der Strafanstalt auf der Burg wurde der Brunnen nur noch als Kloake und Müllplatz genutzt und das Brunnengebäude sollte abgebrochen werden. Als Begründung für den Abbruch des Häuschens führte man unter anderem an, dass dann die Kontrolle des Umfelds besser gewährleistet werden könne.

Untersuchungen des Brunnenschachtes durch das THW mit Beleuchtung und Videokamera folgte 1994 eine Befahrung des Schachts durch die "Forschergruppe Höhle und Karst". Zunächst baute diese vier Meter unterhalb der Einstiegsöffnung eine hölzerne Plattform, um von dort aus mit Transportkorb, Motorwinde und Stahlseil die Erkundung nach unten zu beginnen. Ein Test auf Brunnengas mittels brennender Kerzen war vorher negativ verlaufen.

Pakete mit durchgeweichten Nazidruckschriften

Die Messung ergab eine Tiefe von 83 Metern, was auch heute noch beachtlich ist. Der Fels besteht bis in die Tiefe aus Buntsandstein, oben ist der Schacht fast rechteckig, ändert sich aber weiter unten in eine eher runde, ovale Form. Der Durchmesser im oberen Bereich liegt bei knapp fünf Metern, nach rund 30 Metern verringert er sich auf etwa 3,5 Meter. Der Brunnengrund war mit schwarzem Schlamm bedeckt und man hat Pakete mit durchgeweichten Nazidruckschriften gefunden.

In einem Bericht zu Reparaturarbeiten aus dem Jahr 1735 wird erwähnt, dass dazu ein 138,5 Meter langes Seil nötig war. Damit ging der Brunnen ursprünglich bis in den Grundwasser Pegel des Weißen Mains und es lagen mittlerweile etwa 55 Meter dicker Schutt darin.

Bei der Schachtbefahrung 1994 wurden auch Schäden am Brunnenkopf festgestellt, die obere Abdeckung bestand nur aus einem hölzernen Deckel und einem Eisenkäfig. So begann man 1996 mit dem Bau einer neuen Brunneneinfassung aus Sandstein.

Ein schmiedeeisernes vierteiliges Gitter deckt nun den Brunnen ab und eine Beleuchtung macht ihn für Besucher "sichtbar". Diese sind immer wieder überrascht, wie lange es dauert, bis das Wasser hörbar den Boden erreicht, wenn ein Burgführer einen Eimer in den Schacht geschüttet hat. Wir bedanken uns herzlichst für die fachliche Beratung durch den Kastellan der Plassenburg, Harald Stark.