22 Stunden lang ging in der letzten Woche in der Notaufnahme am Klinikum Kulmbach fast gar nichts mehr: Wegen Überlastung konnten dort keine Patienten mehr aufgenommen werden. "Das ist aber nicht gleichzusetzen mit einer kompletten Schließung, denn für dringende und lebensbedrohliche Fälle stehen alle Stationen weiterhin zu jeder Zeit bereit", erklärt Brigitte Angermann, Geschäftsführerin des Klinikums Kulmbach den Umstand.

Häufig sind Grippewellen und dadurch eine hohe Anzahl gleichzeitig zu behandelnder Patienten ein Auslöser für Engpässe. Grund für die jüngste Abmeldung: Die Bettenkapazität des Klinikums war ausgelastet, wie die Geschäftsführerin erläutert. Eine Abmeldung der Notaufnahme sei in diesem Fall keine überstürzte Reaktion, sondern eine verantwortungsvolle Entscheidung, die das Wohl aller Patienten berücksichtigt.

Durch die aktuellen Bauprojekte am Klinikum stünden zurzeit weniger Betten zur Verfügung, was auch mit eine Rolle spiele. In Kürze werde aber die neue Station, die in Modulbauweise entsteht, eröffnet. Dann könnten 34 Betten zusätzlich belegt werden.

Eine Abmeldung der Notaufnahme bei der Integrierten Leitstelle müsse laut Angermann höchstens fünfmal im Jahr vorgenommen werden. Angermann betont aber, dass das Klinikum Kulmbach im Rettungsgebiet Bayreuth/Kulmbach mit weitem Abstand die wenigsten Abmeldungen im Jahr aufzuweisen hätte. "Wir versuchen, unseren Versorgungsauftrag stets voll auszufüllen."

Auch Landrat Klaus Peter Söllner betont, dass andere Häuser höhere Abmeldezahlen aufzuweisen haben. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayreuth/Kulmbach. "Eine Abmeldung einzelner Teilbereiche kommt hin und wieder vor. Ich verstehe aber nicht, wenn es dann in anderen Kliniken Unverständnis gibt", so Söllner.

Der Zweckverband, zu dem die Stadt Bayreuth sowie die Landkreise Bayreuth und Kulmbach gehören, sei dafür zuständig, sogenannte Integrierte Leitstellen im eigenen Einzugsgebiet einzurichten. Kliniken melden Teilstationen im Falle einer Überbelastung bei dieser ab. Die jeweilige Leitstelle eines Gebietes koordiniert alle dortigen Einsätze und informiert die einzelnen Rettungsdienste.

Ist eine Notaufnahme abgemeldet, werden die umliegenden Kliniken angefahren. Sechs Kliniken gibt es im Gebiet. Drei davon befinden sich in Bayreuth, die weiteren in Kulmbach, Pegnitz und Stadtsteinach. Ein Einsatz sei abhängig vom Krankheitsbild. Je nach Einzelfall wird entschieden, welche Klinik angesteuert wird. Eine Erstversorgung bei dringenden Fällen sei aber immer gegeben, sagt auch Michael Martin, Leiter des Rettungsdienstes Kulmbach. "Für Patienten in kritischer Situation ist die Versorgung immer gewährleistet."