Zunächst einmal: In unserer Redaktion hier in Kulmbach arbeiten fünf Reporter, die recherchieren, fotografieren und Texte verfassen. Um welche Inhalte sie sich kümmern, worüber sie schreiben, entscheiden sie gemeinsam mit mir als ihrem Redaktionsleiter in Konferenzen, die einmal in der Woche und als tägliches, kürzeres Update stattfinden.

Die Themen kommen aus unserer Leserschaft, ergeben sich aus Presseterminen, aus unserer eigenen Erfahrungswelt oder werden uns von der Chefredaktion der Mediengruppe Oberfranken, zu der die Rundschau ja gehört, vorgeschlagen.

Nicht ein Verleger, die Politik, die Wirtschaft oder andere Einflussnehmer schreiben uns Themen vor oder lenken uns in unserer Berichterstattung.

Alle Kolleginnen und Kollegen bemühen sich um Wahrheit in ihren Geschichten. Sie sprechen mit mindestens zwei Quellen für ihre Information (etwa einem Betroffenen, einer Fachstelle etc.). Damit ist sichergestellt, dass wir nicht "einseitig" berichten. Für Kollegen oder die Redaktionsleitung muss nachvollziehbar sein, woher die Rechercheergebnisse rühren - daher wird zuvor auch genau besprochen, wer sinnvollerweise zu einer Geschichte gehört werden sollte.

Dazu gibt es jeden Tag eine Abnahme der Artikel, in deren Verlauf das gesamte Redaktionsteam die Beiträge anschaut, liest - es ist dadurch also sichergestellt, dass immer mehr als zwei Augen auf eine Geschichte schauen - Fehler entdecken, Ungereimtheiten ansprechen, sich mit dem Autor oder der Autorin um Klarheit bemühen.

Viele Sachverhalte, die wir schildern, spielen sich vor der Haustür unserer Leser ab - wir müssen also alleine schon aus dem Grund sicherstellen, dass das, was wir schreiben, passt, weil das für unsere Kunden oft einfach überprüfbar ist.

Natürlich kommen trotzdem ab und an Fehler vor - sofern wir sie bemerken oder darauf hingewiesen werden, korrigieren wir sie auch.

Was steht aber der Wahrheit nun entgegen? - Ein Medium wie die Bayerische Rundschau kann immer nur einen Teil der Lebenswirklichkeit abbilden. Vielleicht fehlen also wichtige Themen. Hier gibt es das essenzielle Korrektiv unserer Leser, die uns mitunter auf fehlende Informationen aufmerksam machen.

Natürlich gibt es weitere Probleme, die der Wahrheit nicht zuträglich sind. Gesprächspartner, die wir haben, stellen Sachverhalte natürlich aus ihrer Sicht dar - versuchen vielleicht, sofern sie eine Organisation, eine Firma, eine Verwaltung, einen Verein vertreten, den, für den sie sprechen, in einem möglichst positiven Licht erscheinen lassen. Sofern es möglich ist, lassen wir daher Betroffene oder andere Seiten zu Wort kommen. Die Arbeitgeber und die Gewerkschaft, die Verwaltung und den betroffenen Bürger etc. Der Leser muss sich auf Grund der Aussagen dann sein eigenes Bild machen (können) - das im Idealfall möglichst nahe an die Wahrheit herankommen kann.

Schwieriger wird es, wenn Angefragte nicht mitspielen, etwa gar nichts sagen. Öffentliche Stellen müssen Auskunft geben (das schreibt das Pressegesetz vor), Privatleute, Firmen und Organisationen müssen nicht. Oder sie gehen nicht auf die Kritik ein, sondern versuchen, abzulenken. Einen in meinen Augen schon fast dreisten Versuch in diese Richtung hatten wir in diesem Jahr schon. Das macht uns die Arbeit schwer - dennoch versuchen wir, auch an solchen Themen dranzubleiben.

Unser Anspruch, aber auch unser Problem ist stets, dass wir nicht ungefiltert "das Dorfgespräch" aus der Gerüchteküche weitergeben dürfen. Wir brauchen immer jemand, der das zu uns auch sagt, letztlich mit seinem Namen dafür steht (wenigstens uns gegenüber, im Artikel muss er nicht zwingend auftauchen). Nur so können wir gewährleisten, dass wir nicht auf Lügen hereinfallen und die auch noch weitergeben.

Schwierig wird's auch, wenn Gesprächspartner uns etwas sagen (damit wir Sachverhalte einordnen können), aber nicht wollen, dass das dann in der Zeitung steht - etwas, was am nächsten Tag fast 30.000 Leser sehen, hat ja auch etwas "Offizielles". Das aber bringt uns in die Zwickmühle - lassen wir uns darauf ein, "retten" wir vielleicht eine Geschichte (andernfalls könnten wir möglicherweise gar nichts schreiben). Schreiben wir das, was uns der Gesprächspartner im Vertrauen gesagt hat doch, wird der uns künftig wahrscheinlich nie mehr etwas sagen. Hier muss der Autor abwägen. Das bedeutet aber auch, dass das, was "doch jeder im Dorf weiß", nicht zwingend auch 1:1 in einem Zeitungsartikel stehen muss.

Und natürlich hat jeder von uns (auch Sie) seine eigene Lebenserfahrung, seine Vorlieben und Lieblingsthemen. Daher kann journalistische Arbeit nie absolut objektiv sein. Weil wir aber in einem freien Land mit freien Medien leben, werden Themen und ihre Aufarbeitung in Redaktionen diskutiert - oft auch kontrovers. Insoweit ist sichergestellt, dass sich die Meinungsvielfalt in Medien widerspiegelt und nicht die Einheitsmeinung dominiert. Und: Jeder Reporter hat auch eine Familie, einen Freundeskreis, ein Umfeld, aus dem vielleicht auch der eine oder andere bestätigende oder kritische Impuls zu seinen Artikeln kommt - was auch gewährleistet, dass "die Redaktion" nicht dauerhaft nur im eigenen Saft schwimmt.

Ein letzter Punkt: Warum ähneln sich Berichterstattungen im Überregionalen oder Lokalen in unterschiedlichen Medien oft? - Im Überregionalen hat die Deutsche Presse-Agentur (dpa) nach wie vor eine starke Rolle, weil sie deutschlandweit Medien mit ihren Informationen versorgt, die sie von eigenen Korrespondenten oder Mitarbeitern erhält und weitergibt. Der Sinn dahinter: die dpa wird von den Medien finanziert, um Mehrfachrecherchen zu vermeiden und Personal zu sparen - der Nachteil freilich ist, dass auch hier nur ein Ausschnitt der Wahrheit geliefert wird. Auf regionaler/lokaler Ebene gibt es freie Mitarbeiter, die für mehrere Medien tätig sind und von einem Ereignis demzufolge auch für mehrere Medien berichten.

Wahrheit - können wir sie also anbieten in der BR? - Wir tun jedenfalls unser Möglichstes und versuchen, so viel Wahrheit wie wir schaffen können, im Blatt zu haben. Das ist unser Anspruch und dafür stehen wir - alle, mit unseren Namen.