Vom Konto in den Mund

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Foto: Tim Schamberger/dapd
Foto: Tim Schamberger/dapd

Es ist Ende des Monats und wie viele andere, vor allem junge Menschen frage ich mich, wo das Geld, das am Anfang des Monats noch auf meinem Konto war, hin ist. Na klar, da ist der neue Pullover, den man sich gekauft hat und dann war da der Kino-Abend letztes Wochenende, aber das hat zusammen ganz sicher nicht so viel gekostet. Also was ist passiert?

Die Lösung des Rätsels ist schon längst geschluckt und verdaut. Jeden Morgen die gleiche Frage: Schmier' ich mir eine Semmel und nehme sie zur Arbeit mit, oder laufe ich schnell in der Mittagspause zum Bäcker? Ein Blick in den Kühlschrank macht die Entscheidung leicht. Es geht zum Bäcker. Ist ja optisch auch viel ansprechender, was der so in der Auslage präsentiert.

Gegen die mit Tomate-Mozarella oder Camembert und Serrano-Schinken belegten Ciabattas sieht so ein hausgemachtes Brötchen ziemlich alt aus. Nur dumm, dass so eine professionelle Semmel locker drei Euro kostet. "Ist ja nur dieses eine Mal", denkt man sich dann - und schon ist das Gewissen beruhigt.

Natürlich gibt es noch viele andere Gelegenheiten, um sich den ein oder anderen Leckerbissen zu gönnen, oder auch einfach nur ein McMenü. Vor allem Fast-Food-Ketten locken mit angeblich billigen Preisen, die es aber eigentlich gar nicht sind. Außerdem, was gibt es Schöneres als mit Freunden essen zu gehen? Wo kann man besser mal wieder über Gott und die Welt plaudern und den neusten Klatsch austauschen, als im Café oder Restaurant? Hier werden zwei grundlegende menschliche Bedürfnisse, nämlich Essen und soziale Kontakte pflegen, gleichzeitig befriedigt.

Da denkt man nicht lange darüber nach, dass es viel günstiger gewesen wäre, sich zu Hause zu treffen und selbst etwas zu kochen. Und wie sagt man so schön: Geld allein macht auch nicht glücklich. Und so bin ich lieber am Ende eines tollen Monats pleite, als traurig auf einem Haufen Geld zu sitzen. Silvia Vießmann