Der Prozess gegen einen Mann, dem vorgeworfen wird, seine Tochter, seine beiden Enkelinnen und seine Ex-Frau missbraucht und vergewaltigt und zu haben, wurde am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth fortgesetzt. Am dritten Verhandlungstag setzte die Strafkammer die Befragung der Hauptbelastungszeugin, der Tochter (47), fort.

Auf Nachfrage des Verteidigers Johann Schwenn, der auch Wettermoderator Jörg Kachelmann in dem spektakulären Vergewaltigungsprozess vertreten hat, wiederholte die Frau die Vorwürfe gegen ihren Mann, von dem sie inzwischen getrennt lebt. "Sie müssen ihren Mann nicht belasten", belehrte sie der Vorsitzende Richter Michael Eckstein. Doch die Zeugin erklärte: "Ich werde nichts mehr verschweigen."

Der Ehemann habe sie dreimal vergewaltigt, sagte die Frau. Sie schilderte einen Vorfall aus dem Jahr 2010, war dann jedoch offenbar nicht in der Lage, weitere Angaben zu machen. Sie machte Übelkeit und Kreislaufprobleme geltend. "Mir geht es nicht gut. Ich habe das Bild vor mir, dass er mir wehtut." Das Gericht unterbrach mehrfach die Verhandlung - und Verteidiger Schwenn stellte in den Raum, dass es sich auch um einen Inszenierung handeln könnte.

Die Kammer beendete die Vernehmung der Zeugin. Sie soll nächsten Dienstag weiter befragt werden. Dass sich am Montag ihr Mann, der selbst kein Prozessbeteiligter ist, vor der Presse zu Wort gemeldet und alle Vorwürfe zurückgewiesen hat, spielte vor Gericht keine Rolle.

Schwer belastet wurde der Angeklagte von seiner Ex-Frau. Die 69-Jährige, die dem Prozess als Nebenklägerin beigetreten ist, beschrieb deutlich und klar einen Übergriff ihres Ex-Mannes aus dem Jahr 2010. "Ich habe ihn beschimpft, aber mir fehlte die Kraft, mich zu wehren." Dieses Mal verzichtete Verteidiger Schwenn auf Fragen "zu diesem angeblichen Geschehen". Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen.

Der Prozess wird am Nachmittag fortgesetzt (Bericht folgt). Für das Verfahren ist eine Vielzahl weiterer Verhandlungstage bis in den Dezember geplant.