Wie soll man den Auftritt dieses Mannes am Montag vor der Presse bewerten? Was will er erreichen? Geht es nur darum, dass er um seinen Ruf kämpfen und seine Ehre retten will? Alles Fragen, die sich nicht beantworten lassen. Spekulationen sind hier nicht erlaubt - bleiben wir also bei den Fakten.


Die Fakten

Erstens: In Bayreuth findet ein Strafprozess statt, in dem sich ein Angeklagter wegen Vergewaltigung seiner Tochter verantworten muss. Er hat einen prominenten Verteidiger: den früheren Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn.

Zweitens: Das mutmaßliche Opfer (47) hat bereits vor der Strafkammer ausgesagt und den Vater belastet. Dabei ist auch der Ehemann der Frau schlecht weggekommen - was sich der Mann, selbst nicht Prozessbeteiligter, nicht gefallen lassen will. Er soll, so die Vorwürfe seiner Frau, ihr nicht geholfen und sie sogar ausgelacht haben.

Die Pressekonferenz findet in Himmelkron statt. Im "Fichtelgebirshof" ist ein Nebenzimmer reserviert. Dort finden sonst wohl Familienfeiern oder Geschäftsessen statt. Der Mann sitzt - äußerlich ruhig und gelassen - neben seinem Anwalt Malte Magold aus Nürnberg. Beide machen nicht den Eindruck, dass sie unerfahren im Umgang mit Medien seien.


"Hat mich sehr getroffen"

"Leider Gottes hat es sich schnell herumgesprochen, was da läuft. Daher sehe ich mich gezwungen, vor die Presse zu gehen", sagt der Ehemann, der von seiner Frau getrennt lebt. Durch die Berichterstattung sei seine Anonymität faktisch schon aufgehoben worden. Er wolle falsche Behauptungen seiner Frau richtigstellen. "Es hat mich sehr getroffen, was da alles erzählt und geschrieben wird", sagt der Mann, als er auf seine Gemüts lage angesprochen wird.

Der Rechtsanwalt kündigt an, dass sich sein Mandant zur Sache - also zu den Vergewaltigungsvorwürfen - nicht äußern wird. "Schon aus Respekt vor dem Gericht." Er würde auch, falls er noch als Zeuge geladen werden sollte, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. "Das bedeutet allerdings nicht, dass er gewillt ist, seine Person betreffende medienwirksame Verleumdungen durch seine Frau einfach hinzunehmen. Vielmehr wird er im Wege der strafrechtlichen Privatklage gegen jene verleumderischen Behauptungen vorgehen."


"Ehrenrührig und falsch"

In der Erklärung, die der Anwalt verliest, heißt es, dass die in der Presse wiedergegebenen Äußerungen der Frau, soweit sie ihren Ehemann betreffen, "ehrenrührig und falsch" sind. Sein Mandant, so Magold, sei zutiefst bestürzt. Er habe von den angeblichen sexuellen Übergriffen weder gewusst, noch habe er irgendetwas geduldet.

Auf Nachfrage, ob der Mann damit meint, dass seine Frau vor Gericht eine erfundene Geschichte erzählt hat, grätscht Magold dazwischen: "Zum Verfahren treffen wir keine Aus sagen."

Wie der Nürnberger Rechtsanwalt betont, beabsichtige sein Mandant keinesfalls, "eine Schlammschlacht zu schlagen". Doch im Hintergrund scheint bereits eine heftige Auseinandersetzung zu toben. Oder wie soll man es bezeichnen, dass die Frau ihren Mann mehrfach angezeigt hat? Darunter auch eine Strafanzeige wegen angeblicher mehrfacher Vergewaltigung.

Hier handelt es sich, so Magold, "um frei erfundene und absurde Vorwürfe gegen meinen Mandanten ohne jeglichen Realitätsbezug". Laut Anwalt sind "sämtliche auf diese abstrusen Beschuldigungen eingeleiteten Strafverfahren gegen meinen Mandanten" von der Staatsanwaltschaft Bayreuth bereits eingestellt worden - Magold spricht von einem "Freispruch im Ermittlungsverfahren".

Eine Erklärung für das Verhalten der Frau liefert er auch gleich mit: Offenbar, so der Anwalt, dienen ihre Beschuldigungen dazu, "Verhandlungsmasse" im Rahmen einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung beider Parteien zu schaffen.


Auf Anzeige folgt Gegenanzeige

Der Mann hat mit einer Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung reagiert. Allerdings sind die Ermittlungen gegen die Frau ebenfalls eingestellt worden. Was laut Magold nicht nachvollziehbar ist. Aber die Staatsanwaltschaft habe wohl ihre Hauptzeugin im Vergewaltigungsprozess "nicht verbrennen wollen".

Damit endet eine ungewöhnliche Pressekonferenz - doch der Prozess in Bayreuth geht weiter. Es soll bis Dezember verhandelt werden. Am Dienstag ist die Frau des Angeklagten als Zeugin geladen.