Im vollen Circus-Krone-Bau haben sie vergangenes Jahr ihr 15-Jähriges gefeiert. Mit einem Testlauf im Kulmbacher Kleinkunstbrettla gingen sie jetzt in die nächste Saison: "Zeit is a Matz" ist der Titel des ganz neuen Programms des niederbayerisch-oberpfälzer Trios "Da Huawa, da Meier und I".
Wer Alpen-Rock mag, der kam beim Gastspiel in Untersteinach ebenso auf seine Kosten wie all diejenigen , die hintersinniges Kabarett mögen. "Da Huawa" und seine Kumpane schaffen boten bei ihrem Auftritt Unterhaltung mit Hirn.
 


Ein Oberpfälzer trommelt

Christian (Maier) ist "da Huawa". Als er mit seiner Gitarre zum Trio stieß, stand der Name schon so fest, und "der Meier" war schon Matthias Meier: Bass, Trompete, Tenorhorn und Pustekeyboard (Melodika). Beide hat Siegi Mühlbauer (der "I") zusammengesteckt. Der Oberpfälzer trommelt, und das hat er ganz ordentlich im Wiener Konservatorium studiert.

Musikalisch fehlt bei den Dreien absolut nichts. Auch nicht beim Gesang. Der erinnert stark an den traditionellen bayerischen Dreigesang - gerade heraus, fast inbrünstig. Auch wenn der Text dann mal recht deftig ist, wird überhaupt keine Miene verzogen. Irgendwo steht da der Roider Jackl Pate, der mit seinen Gstanzln an so manches Eck stieß, ohne direkt anzuecken.
 


Am Vietnamesen-Markt

In erster Linie unterhalten wollen die Drei "Da Huawa, da Meier und I" - das aber mit Hirn und Witz. Sie schwimmen zwischen politischem Kabarett und der Beschreibung des ganz Alltäglichen.

Da geht es um die Leidenschaft zum Schnupftabak, und beim Hymnus auf 500 Jahre Reinheitsgebot auch schon mal darum, dass man vorher durchaus verpilzte Gerste (Mutterkorn) gebraut hat - später LSD genannt. Oder um eine lustige Ausflugsfahrt in die tschechische Nachbarschaft, bei der man nebenbei "Christal" schmuggeln und "billiges Graffl" am Vietnamesen-Markt kaufen könne. Freilich auch mit einem Lob auf die sehr bemühte Grenzpolizei, die aber nur 30 von 3800 Grenzgängern am Tag kontrollieren könne - die restlichen 3770 "probieren es halt", Illegales zu schmuggeln.
 


Mit Sombreros

Weltgewandt, wie der Bayer nun mal ist, aber ohne die bayerischen Spuren zu verwischen, gehen "Da Huawa, da Meier und I" auch auf musikalische Weltreise: Mit riesigen Sombreros besingen sie mexikanische Korruption und mit Affenkostüm das Naturgesetz der afrikanischen Savanne ("Der Stärkere frisst, die anderen schauen zu") nicht ohne Seitenhieb auf manche Machenschaften großer Konzerne, die selbst knappe Wasserressourcen in Plastikflaschen füllen, um daran zu verdienen ("Der Stärkere säuft, die anderen schauen zu").
 


Mit der Zeichensprache

Und sogar ganz unbayerisch - in Englisch - erklären die Drei die Welt - natürlich für Fremdsprachen-Unkundige in Zeichensprache übersetzt: "Bayern" mit dem Wedeln einer weiß-blauen Rautenflagge oder "Deutschland" mit dem anmutigen Zeigen der Kanzlerinnen-Raute.

Matthias Meier ist bei diesen Einlagen ganz in seinem komödiantischen Element: Nicht gerade gertenschlank präsentiert er sich sexy in Leggings oder bindet den Strick seiner Mönchskutte ("Sängerknabenfänger") demonstrativ unterhalb der Wampe.

"Da Huawa, da Meier und I" präsentierten sich in Untersteinach als unterhaltsames Trio, das sein Publikum von Anfang an mitreißen konnte: mit Texten, die vordergründig unverfänglich scheinen, manchmal aber recht heftige Seitenhiebe verteilen. Dabei zeigten Maier, Meier und Mühlbauer allerhöchstes musikalisches Niveau.
 


Das Schnapserl

Auch Unterhaltung muss halt gekonnt sein. Und so kamen nach dem vermeintlichen Schluss der Vorstellung im Kulmbacher Kleinkunstbrettla aus dem Dunkel der Bühne im düsteren Licht Theaternebel und die urbayerische Figur des Boandlkramers, der um den Preis für die Zugabe feilscht - a Schnapserl.