Der Oberbürgermeister lächelt auf dem Foto so, wie der Smiley auf dem Geschwindigkeitsdisplay vor der Pestalozzischule den Autofahrern bei passendem Tempo entgegenlächeln wird und ihnen so signalisiert, dass sie wie vorgeschrieben unterwegs sind. Auch Polizeichef Peter Hübner und die Mitarbeiter von Tiefbau-Abteilung und Bauhof freuen sich auf dem Foto über ein Stück mehr Sicherheit für die Schulkinder. Nur der Jungen Union Kulmbach ist das Lachen vergangen. Denn die, so erklärt Vorsitzender Frederik Barth, habe die Tempoanzeigen schon länger gefordert - und der OB schmücke sich nun mit fremden Federn.

An der Pestalozzischule hat die Stadt Kulmbach dauerhaft die sogenannten Geschwindigkeitsdisplays angebracht. "Diese Anzeigen haben sich an vielen Standorten bereits bestens bewährt. Auch von Seiten unserer Polizei wird das Anbringen solcher Geräte nachdrücklich befürwortet, um am Ende vor allem eines zu erzielen: dass unsere Kinder sicher zur Schule und wieder nach Hause kommen", erklärt Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) die Hintergründe für die Anschaffung.

Anzeige von Montag bis Freitag

Entlang der Pestalozzischule gilt zeitabhängig (montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr) maximal Tempo 30. Die Anzeigetafeln sind im direkten Umfeld der Schule stationiert, um den fahrenden Verkehrsteilnehmern zu zeigen, ob sie die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhalten. Dann ist auf der digitalen Tafel ein "Smiley", also ein lächelndes Gesicht, zu sehen. Wird dagegen die Marke von 30 km/h überschritten, wird ein trauriges Gesicht angezeigt. Auf diese Weise sollen die vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmer auf das Einhalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit hingewiesen werden.

Neben der Pestalozzischule wurden bereits die Meußdoerffer Schule, die Realschule sowie der Bereich MGF/Obere Schule vom städtischen Bauhof mit je zwei Geschwindigkeitsdisplays ausgestattet. "Die Gesamtkosten für alle Anlagen belaufen sich auf circa 21.000 Euro", so OB Ingo Lehmann. "Aber dieses Geld ist gut angelegt, um für unsere Kindern den Schulweg sicherer zu machen."

Das ist auch so in den sozialen Netzwerken der Stadt im Internet zu lesen. Gelesen hat das auch die Junge Union Kulmbach, der das sauer aufgestoßen ist. Denn, so teilt uns JU-Vorsitzender Frederik Barth mit, die Installation der Anlagen sei eine Idee der Jungen Union gewesen. Und die werde mit keinem Wort vom OB erwähnt.

Bereits im November 2021 habe die Junge Union Kulmbach eine Forderung ans Rathaus gesendet, durch die die Sicherheit der Schüler in Kulmbach nachhaltig verbessert werden sollte. "Nach langem Warten und mehrmaligem Nachfragen wurden die geforderten Temposmileys nun endlich vor den Schulen in Kulmbach installiert", teilt uns Barth mit.

"Kürzlich posiert Ingo Lehmann, wie in sozialen Netzwerken zu sehen, nun vor den Anzeigetafeln und freut sichtlich sich über deren Erfolg! Natürlich freuen wir uns ebenfalls, dass dieser Antrag umgesetzt wurde, auch wenn die Junge Union, welche diese Idee hervorbrachte, in der Mitteilung seitens der Stadt keine Erwähnung fand oder Ingo Lehmann wohl einfach ignorierte, wer ihm den Anstoß für dieses Projekt lieferte."

"Lieber Ingo Lehmann, die Junge Union bedankt sich herzlich für die Umsetzung unserer Idee und die gute Zusammenarbeit, dennoch möchten wir Sie bitten, sich in der Zukunft nicht mit fremden Federn zu schmücken", schreibt uns Barth.

"Es gibt viele Anträge"

Der Oberbürgermeister sieht die Mitteilung der Stadt nicht als Affront gegen die JU. "Es gibt viele, die Anträge an die Stadt stellen und die wir versuchen umzusetzen", erklärte gestern Ingo Lehmann zu den Aussagen der Jungen Union. Die Verwaltung prüfe die Vorschläge und realisiere sie, wo es möglich ist. "Das hat nichts mit dem Schmücken mit fremden Federn zu tun", stellt er klar.

Zudem verweist der OB darauf, dass es bereits in seiner Zeit als SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat von den Sozialdemokraten vor drei, vier Jahren den Vorschlag mit den Temposmileys gab. In Kirchleus beispielsweise sei das umgesetzt worden.