Wie konnte der Brand in der Garage überhaupt entstehen? Und: Ist die erste Aussage der Zeugin unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln entstanden oder ist sie glaubhaft? Auf beide Fragen in einem Verfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung und Körperverletzung gegen einen 41-Jährigen gab es im Sitzungssaal 17 des Amtsgerichts Kulmbach am Freitag keine konkreten Antworten. Die Folge: Gutachter müssen dem Fall auf den Grund gehen.

Einem Fall, der durchaus tragische Züge hat. So soll es am 25. November 2013 in einem Anwesen im Landkreis zu einer Auseinandersetzung zwischen dem inzwischen 41-jährigen Angeklagten und seiner heute 31 Jahre alten Freundin gekommen sein. Die verhängnisvollen Zutaten: Drogen und Alkohol.

Im Verlauf des Streits soll sich der 41-Jährige in der Garage entkleidet, mit Benzin übergossen und selbst in Brand gesetzt haben. So zumindest die erste Aussage der 31-Jährigen.

Das Resultat: Zwei Personen mit schweren Brandverletzungen, eine zum Tatzeitpunkt 92-jährige und inzwischen verstorbene Mitbewohnerin in dem Zweifamilienhaus, die eine Rauchgasvergiftung erlitt, und rund 30.000 Gebäudeschaden. Die medizinischen Folgekosten - unter anderem für Hauttransplantationen bei dem Paar - sind noch nicht einmal eingerechnet.

"Ein veränderter Tatort"
Wie genau es zu dem Feuer kam, eine Antwort auf diese Frage erhoffte sich am gestrigen zweiten Verhandlungstag das Gericht vom einem Kriminalbeamten, der den Brandort mehrmals untersucht hat. Und zwar auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch den Feuerwehreinsatz "ein veränderter Tatort" vorgefunden wurde.

Der 41-jährige Angeklagte selbst sagte schon am ersten Verhandlungstag in der vergangenen Woche aus, dass er sich an die entscheidenden Minuten jener verhängnisvollen Nacht nicht mehr erinnern könne. Gestern schwieg der Mann, der einschlägig aktenkundig ist, vor Gericht.

Im Wohnhaus, so der Hauptkommissar, lagen auf dem Wohnzimmertisch "Zettel mit Abschiedsgedanken" des Angeklagten, Rauschgiftutensilien und ein gelbes Feuerzeug.

Das Feuer in der Garage muss wohl in der Nähe des Tores entstanden sein. Die Brandspuren an einem dort abgestellten Opel weisen darauf hin. Der Kripobeamte stellte außerdem einen verschmorten Benzinkanister, ein schwarzes Einwegfeuerzeug und einen verbrannten Birkenstock-Schuh sicher.

Was er nicht fand, war verbrannte Kleidung. Auch die Tatsache, dass der 41-Jährige am Oberkörper keine Verbrennungen aufwies, passe nicht zur Aussage der 31-Jährigen. Die hatte angegeben, dass sich ihr Freund im Brustbereich mit Benzin übergossen habe. Später sagte sie aus, sie habe ihm das brennende Feuerzeug aus der Hand geschlagen. Dadurch sei es zu der Verpuffung und dem Brand gekommen.

Angaben nochmals korrigiert
Und schließlich korrigierte sie die Angaben nochmals: Im Streit hätten beide den Benzinkanister hin- und hergeworfen. Ihr Freund, der in der Garage angeblich schmutzige Kleidung wechseln wollte, habe dann ein Feuerzeug zu Boden geschleudert - und das habe den Brand ausgelöst. Kommentar des Kriminalers: "Das kann ich nicht nach vollziehen."

Obwohl nach Ansicht von Richterin Sieglinde Tettmann schon einiges für die Theorie der Drohung mit Kanister und Feuerzeug spreche und man von Glück reden müsse, dass nicht noch mehr passiert sei, war das Gericht an diesem Punkt mit seinem Latein am Ende.

Gutachter sollen klären, ob die Zeugenaussagen der 31-Jährigen technisch überhaupt nachvollziehbar sind und wie es zu dem Brand kam. Und außerdem wird es um die Fragen gehen, inwieweit die Aussagen der Frau unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln und anderer Medikamente gestanden haben können.

Den Drogen haben der 41-Jährige und die 31-Jährige inzwischen abgeschworen, wie sie schon am ersten Verhandlungstag angegeben hatten. Das Gericht verließen sie am Freitag so, wie sie gekommen waren: Hand in Hand. Nach eigenen Angaben wollen sie heiraten.