In den kommenden Monaten werden wichtige Weichen gestellt für den weiteren Ausbau der Verkehrswege in Oberfranken. Der Bundesverkehrswegeplan 2015 ist die Grundlage dafür, welche Straßen- und Schienenverbindungen vor Ort gebaut werden. Bei ihrer Verkehrskonferenz im "Bräuwerck" in Neudrossenfeld unter Leitung des Bezirksvorsitzenden Hans-Peter Friedrich unterstrich die oberfränkische CSU, dass das aus ihrer Sicht wichtigste Straßenbau-Projekt der Ausbau der Bundesstraße 173 zwischen Kronach und Lichtenfels ist.
Hier, betonte der für Kronach/Lichtenfels zuständige Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner, gehe es um die Glaubwürdigkeit, hingen doch 6.000 Arbeitsplätze in Kronach davon ab, dass der Landkreis endlich einen Autobahn-Anschluss erhalte. Im Worte stehe man im Übrigen auch bei der Ortsumgehung von Untersteinach und Kauerndorf.


Den Begriff der Glaubwürdigkeit nahm hier aber auch die für Kulmbach und Lichtenfels zuständige Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner auf: Seit 40 Jahren warteten die Menschen in Untersteinach und Kauerndorf auf die Ortsumgehung, Staatssekretäre wie Peter Gauweiler und Ministerpräsidenten wie Edmund Stoiber hätten sie versprochen. Obwohl dort Baurecht bestehe und sich täglich rund 16.000 Autos und 1500 Lkw durch den Ort quälten, nach Zählungen der Bürger dort sogar 18.000, tue sich nichts. Dabei werden die Zuwachsraten bei Straßengüterverkehr bei bis zu 56 Prozent bis 2025 liegen.

Dabei sei der Charme, unterstrich Emmi Zeulner, dass man - mit Blick auf die Finanzen bei dem mit rund 80 Millionen Euro veranschlagten Projekt - zunächst mit der ersten Hälfte des Vorhabens beginnen könne.
Ihre Hofer Kollegin Silke Launert, eine gebürtige Untersteinacherin, stimmte zu und stellte die Frage in den Raum, ob es überhaupt Sinn mache, solche Vorhaben für den Bundesverkehrswegeplan anzumelden, wenn man so lange auf eine Umsetzung warten müsse.

Inständige Bitte

"Ich bitte inständig darum, dass das Projekt nicht weiter auf die lange Bank geschoben wird", sagte Emmi Zeulner auch in Richtung des bayerischen Innen- und Verkehrsministers Joachim Herrmann, der später allerdings darauf verwies, dass der Freistaat Vorschläge machen könne, der Bund aber sagen müsse, was konkret umgesetzt werde.

Wahr sei, dass man zwar aus der geplanten Autobahn-Maut Einnahmen von zwischen 600 und 650 Millionen Euro erwarte, sagte der Verkehrsminister und vernahm die Appelle, etwa von Europaabgeordneter Monika Hohlmeier und dem Vizepräsidenten der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken, Michael Möschel, die entsprechenden Gelder in den Verkehrs- und nicht den allgemeinen Haushalt fließen zu lassen. Auch hier war mit Blick auf die Lkw-Maut, bei der dies nicht so gewesen sei, wieder von Glaubwürdigkeit die Rede.

Michael Möschel, der die Verkehrsakademie in Kulmbach leitet: "Ich bin gerne bereit, die Maut für meinen gesamten Fuhrpark zu zahlen, wenn ich dafür ordentliche Straßen habe."

Dennoch brauche man noch mehr Mittel für den Straßenbau, betonte Herrmann. Eine Teilentscheidung darüber wird seinen Worten zufolge schon am kommenden Freitag bei der Konferenz der Verkehrsminister der Länder fallen, die über die Verteilung der Mittel des Bundes berät.

Ein weiteres Großprojekt in Oberfranken ist der Neubau der ICE-Strecke zwischen Ebensfeld und Erfurt. Dadurch wird die Reisezeit auf der Schiene zwischen Bamberg und Berlin auf rund zweieinhalb Stunden schrumpfen, während man mit dem Auto fast vier Stunden braucht.

Verstimmung in Coburg

Klaus-Dieter Josel, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Bayern, bat um Verständnis dafür, dass die Zahl der Haltepunkte überschaubar bleiben müsse, wenn man schnell sein wolle - angesichts von Konkurrenz auf der Straße durch Fernbusse - sogar müsse. Dies sorgt in Coburg für Verstimmung, wo der Bund eine 30 Millionen Euro teuere Einschleifung gebaut hat, wie Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach betonte, die Bahn der Vestestadt allerdings nur Halte in Tagesrandlage zugestehe. Mit Blick auf die Planungen für einen neuen Bahnhof in Coburg sprach Michelbach von einem "Desaster". Aufschluss soll nun ein Gutachten bringen.

190 Ein- und Ausstiege

Josel betonte auch, dass der Bahn-Fernverkehr die Frankenwaldrampe zwischen Lichtenfels und Saalfeld nicht mehr als Strecke ansehe, die bedient werden könne. In der kommenden Woche wird der Konzernbevollmächtigte auch entsprechende Zahlen im Lichtenfelser Kreistag vorstellen: 17 Züge seien dort durchschnittlich pro Tag unterwegs - man registriere insgesamt etwa 190 Ein- und Ausstiege in Lichtenfels. Das reiche nicht aus. Auch der Bahn-Manager schloss mit der Forderung, dass sein Unternehmen mehr Geld benötige, wenn es den Anliegen gerecht werden wolle.

Der Leiter der Grundsatzabteilung im Bundesverkehrsministerium, Veit Steinle, machte deutlich, dass im neuen Bundesverkehrswegeplan, den letztlich das Kabinett in Berlin beschließen muss, Erhalt vor Aus- und Neubau gehen werde. Wichtig sei auch, dass mit Projekten künftig eine strategische Umweltprüfung einher gehen müsse. Sein Rat an alle Planer: "Man muss bei den Projekten Betroffene zu Beteiligten machen."