Für Wilfried Löwinger war es ein Traumergebnis: Der seit zehn Jahren amtierende Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) erhielt bei der Neuwahl des Kreisvorstands alle 46 abgegebenen Stimmen. Der Harsdorfer wird damit weitere fünf Jahre an der Spitze des BBV-Kreisverbands Kulmbach stehen.

Eine Überraschung gab es allerdings bei der Wahl seines Stellvertreters. Nachdem der bisherige Stellvertreter Gerhard Reif auf eine erneute Kandidatur verzichtete hatte, wählten die Ortsobmänner am Mittwochabend den zweiten Bürgermeister von Himmelkron, Harald Peetz, zum neuen stellvertretenden Kreisobmann.


Ackerbau und Bullenmast


Der 50-Jährige ist bereits seit 15 Jahren Ortsobmann von Himmelkron und seit zehn Jahren Beisitzer im Kreisvorstand. Peetz bewirtschaftet einen Ackerbaubetrieb mit Bullenmast, er erhielt 44 von 46 möglichen Stimmen.
Die Bereitschaft, in den Dörfern Verantwortung zu übernehmen, sei die große Stärke des Bauernverbandes, sagte Kreisobmann Wilfried Löwinger. Damit trage der Verband in ganz erheblichem Maße zur Stärkung des ländlichen Raumes bei. Nach den Worten Löwingers wurde in zwölf der insgesamt 93 Ortsverbänden im Landkreis Kulmbach ein neuer Obmann gewählt. Auch zwei Frauen hätten dabei das Vertrauen erhalten. Das zeige, dass der Bauernverband Emanzipation ernst nehme.

Lediglich drei Ortsverbände seien vorerst unbesetzt geblieben. Löwinger zeigte sich aber durchaus zuversichtlich, auch dort etwa durch Zusammenlegung entsprechende Lösungen zu finden. Zwei Ortsverbände hätten bereits fusioniert, der Ortsverband Leuchau sei dagegen in die zwei neuen Verbände Leuchau und Buch am Sand geteilt worden.

Kreisobmann Löwinger appellierte auch weiterhin an die Einigkeit und an die Geschlossenheit innerhalb des Verbandes. Nur so könne man die großen Herausforderungen der Zukunft meistern.


Von Skandalen überlagert


Auch die zurückliegenden fünf Jahre seien von Skandalen und Problemstellungen überlagert worden. Darüber hinaus seien "die Preise bei Fleisch, Ferkeln und Getreide in den Keller, bei der Milch sogar unter das Existenzminimum gerutscht". Es werde immer schwieriger, sagte Löwinger.

Am schlimmsten aber seien für die Bauernfamilien die ständigen Angriffe und die Dauerkritik von Tierschutzverbänden in Sachen Nutztierhaltung. Diese regelrechten Kampagnen fänden in vielen überregionalen Medien große Resonanz und forderten die Politik heraus.

BBV-Direktor Wilhelm Böhmer ging unter anderem auf den Bau der Stromtrasse ein, die wahrscheinlich auch das Kulmbacher Land tangieren werde. Als zentrale Forderung des Verbandes bezeichnete er es, den Netzausbau nicht auf dem Rücken der Bauern auszutragen. Nachdem die unterirdische Verkabelung für die Landwirtschaft eindeutig die schlechtere Lösung sei, weil sie bevorzugt Acker- und Grünland betreffe, fordere der Bauernverband wiederkehrende Leistungen, also eine Art Miete für die Benutzung von Grund und Boden der Landwirte.

Als Beiräte wurden in ihren Ämtern bestätigt: Harald Unger (46) aus Leesau bei Thurnau, Wolfgang Goller (55) aus Elbersreuth bei Presseck und Christian Schneider (36) aus Mainleus. Neu in den Kreisvorstand gewählt wurden Jochen Bär (23) aus Buch am Sand und der Landesvorsitzende der Bayerischen Jungbauernschaft, Martin Baumgärtner (33) aus Zaubach.