Nicht zum ersten Mal ist das Thema in Kupferberg aktuell. Schon vor Jahren gab es Überlegungen in diese Richtung. Die verliefen aber im Sande. Der Stiftungsrat - er besteht aus Mitgliedern des Kupferberger Stadtrats - unternimmt nun aber einen neuen Vorstoß. Wie einer Pressemeldung zu entnehmen ist, werden in den nächsten Wochen Gespräche mit möglichen Betriebsträgern geführt. Interessierte Betriebsträger können sich aber auch direkt bei der Hospitalstiftung melden. Ansprechpartner ist der Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft in Untersteinach, Martin Betz.

Vor allem ein Grund ist es, der die neuerliche Prüfung bewirkt hat, wie stellvertretender Bürgermeister Alfred Kolenda (UKW) unterstreicht: der finanzielle Aspekt.

Laut Kolenda ist es in der Satzung der Hospitalstiftung als Aufgabe festgelegt, das Stiftungsvermögen - neben dem Hospitalgebäude und dem Kindergarten zählen auch Grundstücke und Wald dazu - zu vermehren. "Aber die Kindertagesstätte macht Defizit, was von der Rechtsaufsicht am Landratsamt immer wieder moniert wird."
In den zurückliegenden beiden Jahren, so Kolenda, ist dieses Defizit besonders deutlich geworden, weil der Stiftung Einnahmen aus dem Steinbruchbetrieb fehlen, der derzeit nicht auf Hospitalgrund abbaut.

Stadt trägt jetzt Defizit mit

Das hat letztlich auch dazu geführt, dass der Kupferberger Stadtrat heuer erstmals den Beschluss gefasst hat, das Betriebskostendefizit aus der Kindertagesstätte mitzutragen.

Ein anderer Beweggrund, nach einem neuen Träger zu suchen, ist die Größe von Kindergarten und -krippe. Für die 24 beziehungsweise zwölf Plätze stehen insgesamt vier Mitarbeiterinnen zur Verfügung. "Und das macht immer wieder Probleme, vor allem bei Krankheit oder im Mutterschutz", betont der stellvertretende Bürgermeister dazu. "Dann muss schnell Ersatz gefunden werden."

Elisabeth Michel bestätigt das. "Größere Verbände wie beispielsweise die Awo oder die Kita haben für solche Fälle Springer", sagt die Leiterin der Kindertagesstätte. "Wir haben das nicht."

Und schließlich sind die Kupferger Erzieherinnen, die vom Stiftungsrat in fachlicher Hinsicht hoch geschätzt werden, auch im Bezug auf die Verwaltung und die pädagogischen Neukonzepte Einzelkämpfer. "Selbstverständlich arbeiten wir nach dem bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan", sagt Elisabeth Michel. Aber neue Konzepte müssten eben "nebenbei" erarbeitet werden, damit die Mädchen und Jungen nicht zu kurz kommen. In einem Kindergartenverbund hingegen könne man ein Konzept auch einmal übernehmen.

Dass der Stiftungsrat nun erneut einen Wechsel in der Betriebsträgerschaft prüft, darüber ist Elisabeth Michel nicht verärgert. "Ich verstehe die Stadt. Wir alle wollen das Beste für die Kinder", sagt sie.

Was der Stadt für einen möglichen Wechsel auch wichtig ist, ist die Übernahme der Kupferberger Kindergartenpersonals. "Darauf legen wir natürlich Wert", betont stellvertretender Bürgermeister Alfred Kolenda, der sich der Tragweite der Entscheidung sehr wohl bewusst ist und durchaus Schwierigkeiten sieht, der Bevölkerung die Zusammenhänge zu erklären. Trotzdem sei es an der Zeit, die Möglichkeiten für einen Trägerwechsel abzuklären.

Sein Stadtratskollege Volker Matysiak (SPD), als Postzusteller fast täglich in der Kupferberger Kindertagesstätte anzutreffen, sieht es ähnlich. Für ihn ist eine ergebnisoffene Prüfung ohne jeglichen Zwang wichtig. Und darin ist er sich mit allen Stiftungs- und Stadträten einig: "Der Kindergarten ist ein wichtiges Stück Lebensqualität in Kupferberg. Und das muss erhalten werden."

Die Hospitalstiftung

Gründung Die Hospitalstiftung Kupferberg wurde 1327 durch Thomas Kürschner errichtet. Sie ist eine örtliche Stiftung des öffentlichen Rechts.

Zweck Gemäß dem Stiftungszweck verfolgt die Hospitalstiftung Kupferberg ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke durch die Gewährung von Unterstützungen an ältere, hilfsbedürftige und gebrechliche Einwohner der Stadt Kupferberg sowie aus der näheren Umgebung. Die Unterstützung kann durch Bereitstellung von Wohnungen im Stiftungsgebäude oder durch Geldzuwendungen erfolgen. Der Stiftung obliegt es weiter, einen Kindergarten zu betreiben und zu unterhalten.

Verwaltung Die Hospitalstiftung wird von der Stadt verwaltet.
Quelle: Stadt Kupferberg