Ein freilaufender Hund treibt in Schirradorf sein Unwesen. Drei Rehe hat das Tier im Revier Schirradorf Nord bereits gerissen. Der zuständige Japdaufseher Markus Weishäupl hat die Rehe gefunden. "Es ist einfach schrecklich, was da passiert sein muss. Eines der Tiere hat sich bei der Flucht vor lauter Panik in einem Zaun das Genick gebrochen, die beiden anderen sind bis zur Erschöpfung vom Hund gehetzt worden. Der Hund hat ihnen den Bauch aufgerissen."

Sicher ein schrecklicher Tod. Der Verlust für den Jagdpächter tritt dabei in den Hintergrund. "Als Jäger sind wir der Hege verpflichtet. Wir wollen, dass es den Tieren in unserem Revier gut geht."

Kitze aus dem Bauch gerissen

Zwei der drei gehetzten Rehe waren je mit zwei Kitzen trächtig. Die Kleinen waren vom Hund aus dem Bauch des Muttertieres herausgerissen worden. "Der Hund hat nichts von dem Fleisch gegessen, er hat auch nichts angenagt, es muss sich also um ein Tier handeln, das ein Zuhause hat und regelmäßig Fressen bekommt", spekuliert Weishäupl. Einen wilden Hund oder Luchs schließt der Jagdaufseher daher ganz klar aus.

Dafür, dass es sich um ein Haustier handelt, sprechen auch die weiteren Indizien. Weishäupl hat in diesem Gebiet bereits mehrfach einen herumstreunenden grau-braun-schwarzen Hund gesehen, der ein Halsband trug. Auch einige Bauern berichten von dem Tier. Ob es sich dabei um den "Übeltäter" handelt, ist jedoch unklar.

Doch es gibt weitere Hinweise, zum Beispiel Hundepfotenspuren abseits normaler Wege, wo kein Fußgänger mit seinem Vierbeiner spazieren geht. Und nach dem dritten Riss hat Weishäupl noch etwas entdeckt: Frische Reifenspuren direkt neben dem Fund. "Es wäre theoretisch denkbar, dass jemand das Reh von weitem gesehen hat und dann hingefahren ist, um es sich anzusehen. Aber dann hätte derjenige doch Bescheid gesagt", ist sich Weishäupl sicher.

Er glaubt, dass der Hundebesitzer seinen Hund hier wieder eingefangen, ins Auto gelassen hat und nach Hause gefahren ist. Über die nahe gelegene Bundesstraße ist das unkompliziert zu bewerkstelligen. Das Auto muss dabei nicht unbedingt auffallen. Einen bösen Willen unterstellt Weishäupl dem Hundebesitzer nicht, auch wenn er sich sicher ist: Der Hundebesitzer weiß, was sein Hund getan hat. "Das Tier muss ja einen ganz blutigen Fang gehabt haben und verschwitzt gewesen sein."

Auch wenn es der Besitzer gemerkt hat: Könnte es sein, dass er dachte, es sei eine Ausnahme gewesen? Solchen Vermutungen muss Weishäupl widersprechen. "Ein Hund, der einmal Blut geleckt hat, dem kann man das nicht mehr austreiben."

"Gestörte Beziehung"

Überhaupt sieht Weishäupl in der gestörten Beziehung zwischen Mensch und Natur eines der Hauptprobleme. "Der Wald steht jedem offen, klar. Aber man muss doch auf die Tiere achten. Rehe, Hasen und all die anderen Tiere brauchen ihre Ruhe. Einen Hund durch den Wald streunen zu lassen oder selbst durchs Gebüsch zu stapfen ist da Gift", appelliert der Jagdaufseher an die Vernuft. Und schließlich sei es auch gefährlich. Nicht nur, weil ein Jäger, der einen Hund direkt beim Wildern erwischt, diesen erschießen darf, sondern auch, weil zum Beispiel Wildschweine nicht zu unterschätzen sind. "Derzeit haben viele Bachen Frischlinge. Wenn sie Gefahr wittern, greifen die Säue an." Das kann durchaus tödlich ausgehen - und zwar für Hund und Mensch.

Hundekot am Futterplatz

Wie sehr Mensch und Haustier ins Revier der Wildtiere eindringen, erläutert Weishäupl an seinen jüngsten Entdeckungen: In der Kirrung, dem Futterplatz für die Wildtiere, hat der Jagdaufseher nicht nur Fußspuren, sondern auch Hundekothaufen entdeckt. "Die Tiere sollen hier zum Fressen herkommen. Mit ihren feinen Nasen kommen sie so nicht mehr in die Nähe der Kirrung."

Im Fall der gerissenen Rehe geht Weishäupl ebenso wie bei den anderen Begebenheiten davon aus, dass die Betroffenen gar nicht wussten, was sie anrichten. Seine Bitte ergeht daher an alle Hundehalter, Spaziergänger und vor allem an den Besitzer des beschriebenen Hundes: "Achten Sie auf den Lebensraum der Wildtiere und lassen Sie Ihre Hunde nicht im Wald frei laufen. Wenn es sich bei dem Jäger um Ihr Tier handeln könnte oder Sie Hinweise auf den möglichen Übeltäter haben, melden Sie sich entweder bei der Kulmbacher Polizei unter der Nummer 09221/6090 oder wenden Sie sich direkt an mich."