Es stand am Dienstagabend nur ein Tagesordnungspunkt zur Beratung und Beschlussfassung an, aber dieser barg Gesprächsstoff für nahezu drei Sitzungen des Gemeinderates Himmelkron, und dies vor einer Zuhörerkulisse mit rund 20 Bürgern. Das Gewerbegebiet "Himmelkron Nord" scheint sich allmählich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln und erstmals ging Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) mit der Vorstellung zweier interessierter Firmen an die Öffentlichkeit.

Doreen Woller aus Lanzendorf/Himmelkron und Florian Friedel aus Bayreuth erhielten ausreichend Gelegenheit, ihre Planungen für eine Gewerbeansiedlung vorzustellen. Am Ende signalisierte das Gremium gegen die Stimmen von Wilhelmine Denk, Nicole Heydemann und Frank Günther (alle BZH) den beiden Firmen, dass bei einer Realisierung des Gewerbegebietes nördlich der B 303 grundsätzlich eine entsprechende Grundstücksfläche zugesichert wird.

Demo vor der Sitzung

Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) teilte zunächst mit, dass die Vorstellung der ersten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für das geplante Gewerbegebiet von der Tagesordnung genommen werden musste, weil das beauftragte Ingenieurbüro noch nicht alle vorliegenden Ergebnisse einarbeiten konnte. Schneider ging auch kurz auf die Demo ein, die vor der Sitzung des Gemeinderates im Pausenhof der Grundschule Himmelkron-Lanzendorf stattfand: "Die Art und Weise hat mich befremdet, aber sie ist demokratisch legitimiert. Ich freue mich aber, dass sich heute mit den Firmen Autoteile Woller und Juratherm zwei Unternehmen vorstellen, die daran interessiert sind, sich im möglichen Gewerbegebiet niederzulassen."

Das Thema Gewerbegebiet beschäftigt die Gemeinde Himmelkron schon seit vielen Jahren und der Bürgermeister ging stichpunktartig auf die Entwicklung seit der Durchführung des Bürgerentscheids ein: "Das Ratsbegehren gewann den Bürgerentscheid im Mai 2019, aber es wurde in der Vorbereitungszeit sehr deutlich, dass bei uns die Bürgerinnen und Bürger zuerst eine Regelung für die Entschärfung der Verkehrsproblematik an der B 303 wollen." Nach einem Besuch des bayerischen Verkehrsministers zeigte das Staatliche Bauamt Bayreuth im September 2020 in einer Sitzung des Gemeinderates auf, dass die Errichtung eines Verkehrsplatzes möglich ist.

Doreen Woller stellte das Unternehmen "Autoteile Woller" vor, das sie mit ihrem Ehemann in Lanzendorf betreibt. Geplant ist noch ein Wasch-Park und es soll auch ein Raum für Schulungen und Kurse angeboten werden. Die Investitionskosten bezifferte Woller auf 1,56 Millionen Euro. Was die Arbeitsplätze angeht, sind vier Vollzeit- und mehrere Teilzeitarbeitsplätze geplant.

Ein kleines Gründerzentrum

Florian Friedel stellte Juratherm GmbH vor, ein Unternehmen in der innovativen Speichertechnik, das 2001 von seinem Vater in Bayreuth gegründet wurde. Für das starke Wachstum des Unternehmens ist der Bau von drei Hallen geplant, die rund 33 000 qm beinhalten. Florian Friedel: "Neben der Firmenzentrale der Juratherm sollen auch weitere Unternehmen, an denen ich beteiligt bin, die Räumlichkeiten nutzen. Es soll eine Art kleines Gründerzentrum entstehen mit Open Work Spaces und guter Vernetzung. Wir denken, dass wir so auch den innovativen Jungunternehmern ein Stück helfen können." Seit über 20 Jahren ist das Unternehmen im regenerativen Bereich der Heizungswelt aktiv und es werden aktiv Produkte entwickelt, um den Klimawandel zu verlangsamen. Langfristig gehe es um rund 150 Arbeitsplätze und die Investitionen werden sich um 20 bis 30 Millionen Euro bewegen.

Für die CSU-FWG Fraktion freute sich Sebastian Herrmann, dass beide Unternehmen trotz der kontroversen Diskussion an ihren Planungen am Standort Himmelkron festhalten. Himmelkron sei ein Premiumstandort und die Ansiedlung auf der geplanten Fläche biete viel Perspektive für die Gemeinde: "Perspektive für einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz daheim. Und die CSU/FWG steht nicht für eine Politik der Angst, sondern dafür, dass Lösungen geschaffen werden."

Dritter Bürgermeister Peter Aßmann stellte fest, dass das Ergebnis des Bürgerentscheides mit der Weiterplanung des Gewerbegebietes Nord nach wie vor bindend ist: "Wir von der SPD standen dem geplanten Gewerbegebiet nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, aber eine Zustimmung war immer von bestimmten Voraussetzungen abhängig, daran hat sich nichts geändert." Die wichtigsten Punkte waren für die SPD eine zukunftsorientierte Verkehrsanbindung, die sich mit dem geplanten Kreisverkehrsplatz auch abzeichnet. Daneben sollte auch die Möglichkeit einer Reduzierung der 24-Hektar-Fläche angestrebt werden. Aßmann hofft, dass man über den Bebauungsplan zu einer für alle Beteiligten akzeptablen Entscheidung kommt. Denn: "Beide Firmen würden gut nach Himmelkron passen."

Für die Freien Wähler unterstrich auch Manuel Gumtow, dass die Verkehrserschließung des Gewerbegebietes mit dem geplanten Verkehrskreisel sichergestellt werden könne.

Nach Randflächen Ausschau halten

Wilhelmine Denk (BZH) räumte ein, dass die beiden Firmen aus ökologischer Sicht auch den Vorstellungen ihrer Fraktion entsprechen, nur sollte man für eine Ansiedlung Ausschau nach Randflächen im Gemeindebereich halten. Und bei einer möglichen Erschließung des Gewerbegebietes stellte Denk auch die Frage: "Wo kriegen die Bauern dann ihr Futter für die Tiere her?"

Sehr kritisch setzte sich Uwe Täuber (CSU) mit dem Flyer der BZH-Fraktion "Raubbau an der Natur" auseinander und sprach von Bürgertäuschung. Täuber: "Himmelkron ist auf dem besten Wege, das leistungsfähigste und naturverbundenste Gewerbegebiet weit über unsere Regionalgrenzen hinaus zu werden."

Eine ökologische Überlastung

Frank Günther hingegen gab für die Bürgerliste Zukunft Himmelkron zu verstehen, dass das Gewerbegebiet die Gemeinde ökologisch überbelasten wird: "Noch weniger Flächen, die Regenwasser aufnehmen, geringere Neubildung von Grundwasser, mögliche Überschwemmungen, weniger Futterflächen für die Landwirtschaft, mehr Lkws, mehr CO2, mehr Luftverschmutzung, mehr Logistik." Diese Politik ist nach den Worten von Günther ursächlich dafür, dass die Ressourcen am Ort schneller verbraucht werden, als sie sich regenerieren können.