Nieselregen, Kälte - die äußeren Bedingungen waren alles andere als einladend. Trotzdem strömten die Menschen am Samstagabend in Kulmbachs Innenstadt. Der Grund: Die Vereinigung "Eure Kulmbacher Landwirte" hatten eine spektakuläre Weihnachtsparade angekündigt.

"Noch leuchten wir für euch - lasst unsere Lichter auch weiter brennen", so lautete das Motto der ungewöhnlichen Sternfahrt. In erster Linie ging es den Landwirten darum, auf die schwierigen Bedingungen kleinbäuerlicher Familienbetriebe aufmerksam zu machen. In der extra abgesperrten Oberen Stadt wollten die Initiatoren das Gespräch mit Passanten suchen.

"Eine durch und durch gelungene Aktion"

Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Schöffel mischte sich unters erwartungsfrohe Volk. "Das ist eine durch und durch gelungene Aktion", urteilte er. Schöffel hat die Sorgen der Landwirte im Blick und kennt die Probleme wie den gesunkenen Preis für Schweinefleisch.

"Als Nebeneffekt" wollten die Landwirte in der durch Corona geprägten Zeit mit der Veranstaltung all den Menschen, die Weihnachten lieben, ein bisschen Freude schenken. Jeder einzelne Traktorbesitzer hatte sich riesige Mühe gegeben, seinen Schlepper weihnachtlich auszustatten. Manche hatten Sterne oder Weihnachtsbäume aus Holz ausgesägt und diese dann illuminiert. Einige hatten leuchtende Kühlerfiguren an die Trecker montiert, andere führten geschmückte und glitzernde Weihnachtsbäume mit.

"Einfach cool"

Die Traktoren waren blitzeblank geputzt und mit Hunderten Lichterketten illuminiert. Tagelang waren die Landwirte beschäftigt, um Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. "Mir gefällt der weiß-rote Trecker am besten", sagte die kleine Leonnie. Felix votierte für den Unimog: "Der ist einfach cool." Und wieder andere brachten die riesigen grünen Traktoren mit den Holzfiguren zum Staunen.

In der Oberen Stadt stellten die Landwirte eine Spendenbox für das Bayerische Rote Kreuz auf. Obwohl die Spenden noch nicht auf den letzten Cent ausgezählt waren, stand gestern schon fest, dass ein hoher dreistelliger Betrag eingenommen wurde.

Einen Zwischenstopp machten die Landwirte vor dem Heim der Geschwister-Gummi-Stiftung im Schießgraben. Dort überreichten sie den Kindern Schokoladennikoläuse. Was übrig war, wurde in der Oberen Stadt verteilt. "Wir hatten 150 Nikoläuse. Ich hätte angesichts des Wetters nicht gedacht, dass wir alle loskriegen. Aber wir hätten noch viel mehr verteilen können", sagte Initiator Stefan Seidel.

Viele Schaulustige

Nicht nur in Kulmbachs Innenstadt gab es Schaulustige für die außergewöhnliche Weihnachtsparade, sondern auch entlang des Weges von Melkendorf nach Kulmbach. "Es war wirklich alles zugeparkt", freute sich Seidel über den Anklang der Aktion.

Polizei und Feuerwehr sicherten den Konvoi ab. Die Polizei hatte ihr Augenmerk darauf gelegt, die Veranstaltung verkehrsrechtlich zu überwachen. "Alles verlief ordnungsgemäß, es gab keine Störungen", teilte Martin Schütz von der Polizei Kulmbach mit. Nicht ganz so unproblematisch wertete die Polizei dagegen die Einhaltung der Corona-Sicherheitsvorschriften. Festgelegt war, dass auf jedem Schlepper nur Mitglieder eines Haushalts sitzen dürfen. Doch in der Oberen Stadt mischten sich die Landwirte unters Volk. Es kam zu Begegnungen - ohne Masken, ohne Überprüfung des Impfstatus.

Einzelne Verstöße gegen Alkoholverbot

"Aber wir haben keine allgemeine Maskenpflicht im Freien. Wir haben natürlich dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten wurde, die Leute darauf aufmerksam gemacht", sagte der Polizist auf Nachfrage. Generell kam es jedoch immer nur zu kurzen Begegnungen zwischen den Passanten. "Das Geschehen war so wie an einem Samstag in der Münchner Fußgängerzone", so der Beamte.

Ein weiteres Einschreiten wurde deshalb als nicht erforderlich erachtet - zumal die Veranstaltung seitens des Landratsamts genehmigt worden war. "Das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut", betonte Schütz. Dass einige während der Parade in der Oberen Stadt mitgebrachtes Bier tranken, widersprach klar den Vorgaben in der Oberen Stadt, denn dort gilt ein Alkoholverbot außerhalb der Gastronomie. Doch dabei handelte es sich um Einzelfälle, die ein Einschreiten ebenfalls nicht nötig machten.