Die letzte Mieterin ist ausgezogen. Nach langem Rechtsstreit räumte die 73-jährige Frau ihre Wohnung im städtischen Mehrfamilienhaus Petzmannsberg 27. Die Kündigung war rechtmäßig, so die Gerichtsentscheidung. Im Oktober, so die Stadt Kulmbach, will man mit dem Abbruch des Laubenganghauses aus den sechziger Jahren beginnen. Aber was kommt danach? Ein Flachdach mit Konfliktpotenzial?

Abriss und Neubau waren bereits vor zwei Jahren beschlossen worden. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 3,6 Millionen Euro. Aus dem Kommunalen Wohnraumförderprogramm gibt es über eine Million Euro. Im modernen Neubau soll die Wohnfläche mehr als verdoppelt werden: 500 Quadratmeter im Altgebäude mit zehn Wohnungen - künftig 1170 Quadratmeter mit 13 Wohnungen, barrierefrei oder sogar rollstuhlgerecht.

"Gewinn für das Ortsbild"

Wie berichtet, hält sich in Petzmannsberg allerdings die Begeisterung über die Schuhschachtel-Architektur in Grenzen. In der Nachbarschaft wurden 128 Unterschriften gesammelt. Die Planung mit dem Flachdach passe nicht zum dörflichen Charakter des Stadtteils, hieß es. Die Unterzeichner forderten von der Stadt eine Nachbesserung der Dachgestaltung.

Im Rathaus nahm man die Bedenken der Anwohner ernst. Der Architekt wurde beauftragt, in Abstimmung mit Stadtbauamt und Städtebau ein alternatives Erscheinungsbild zu erarbeiten, das der Umgebung mehr angepasst sei.

Der neue Entwurf liegt nun vor. Der Neubau bekäme ein Mansarddach und wirkt - ohne Flachdach - nicht mehr so wuchtig.

Was sagt man in Petzmannsberg? "Damit kann man leben. Im Vergleich zum Flachdach ein Gewinn für das Ortsbild", erklärt Gerhard Fröba. "Ich hoffe, dass der Stadtrat der neuen Planung zustimmt."

Ralf Kneitz meint: "Eine sehr gelungene, ansehnliche Alternative, die beispielgebend für den künftigen Wohnungsbau in Kulmbach sein sollte." Kulmbach sei nun einmal ländlich geprägt. Dies und der Geschmack der Anwohner müsse bei der Genehmigung neuer Gebäude unbedingt berücksichtigt werden, "was sich vor allem auch die Mitglieder des Stadtrates zu Herzen nehmen sollten".

Ortstermin am Montag

Der veränderte Entwurf wird der Bevölkerung am Montag bei einem Ortstermin in Petzmannsberg vorgestellt; Beginn 17 Uhr. Dort können die Nachbarn mit Oberbürgermeister, Stadträten und Bauverwaltung diskutieren. "Wir wollen die Meinung der Leute hören", so Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD).

Die Variante mit Mansarddach kommt am Donnerstag, 24. September, in den Stadtrat. In der Sitzung wird entschieden, ob man an der genehmigten Planung mit Flachdach festhalten will oder ob das äußere Erscheinungsbild modifiziert wird.

Eine Frage der Kosten

OB Lehmann befürwortet die Planänderung: "So fügt sich der Neubau besser in die Umgebung ein." Das Projekt der Stadt habe Vorbildcharakter. Die Bauweise mit reinem Flachdach ist nach seiner Ansicht nicht beispielgebend.

Der Alternativentwurf, so Lehmann weiter, ist mit Mehrkosten verbunden. Letztlich sei es eine politische Entscheidung, ob man die eine oder die andere Bauweise haben will".

Zweiter Bürgermeister Frank Wilzok (CSU) sagt: "Ich könnte mit beiden Varianten leben." Eine "Totalveränderung zum ursprünglichen Baukörper" sei nicht zu erkennen - außer das um zehn Grad geneigte Dach. "Den ländlichen Charakter erreiche ich mit keiner der beiden Varianten", glaubt Wilzok.

WGK wartet Ortstermin ab

Aber hier komme es vor allem auf "die maximale Ausnutzung der Wohnfläche" an, deswegen der erste Entwurf. Im Vordergrund stehen für ihn die Kosten der Umplanung: "150 000 bis 200 000 Euro wären's mir nicht wert."

Die WGK will sich am Montag zunächst die Argumente der Flachdachgegner anhören. Im Anschluss werde sich die Fraktion Gedanken machen, wie eine Lösung ausschauen kann, so Dritter Bürgermeister Ralf Hartnack.

"Es ist allerdings schon zu bedenken, dass der Stadtrat in der vergangenen Wahlperiode zweimal einstimmig für die Maßnahme, wie sie jetzt geplant ist, gestimmt hat."

Bei Änderungen müsse man auch die Mehrkosten im Blick haben.