Am härtesten betroffen ist der Sonderpreis-Baumarkt. Leiterin Sandra Schimann beziffert dem Umsatzrückgang auf drastische 50 Prozent: Der Bereich Rugendorf und das gesamte Oberland im Bereich Presseck bricht weg. "Es ist doch klar, dass die Leute wegen ein paar Schrauben keine solch langen Umwege in Kauf nehmen", sagt die 34-Jährige.

Für den Bau der Ortsumgehung ist die Bundesstraße 303 seit dem 16. August und noch bis zum 3. September zwischen der Einmündung zur Staatsstraße 2195 und der Zufahrt zum Rewe-Markt komplett gesperrt. Sandra Schimann kennt das Dilemma aus eigener Anschauung, da sie im Kreis Kronach wohnt und jeden Tag gleich zweimal die lange Umleitung fahren muss.

Faktisch eine Sackgasse

Die Totalsperrung stellt den Markt aber auch noch vor ganz andere Probleme. Da Stadtsteinach faktisch zur Sackgasse geworden ist, haben Lastzüge große Schwierigkeiten - Wendemanöver sind schlecht möglich. Der Markt platzt aus allen Nähten: Da der Umsatz deutlich zurückgegangen ist, kann das angelieferte Material kaum mehr abgesetzt und muss eingelagert werden. "Ich habe erst jetzt eine Lieferung von 46 Paletten mit Weichholz-Briketts bekommen. Und weiß so langsam nicht mehr, wohin mit der Ware." Deshalb hätte sich Sandra Schimann eine andere Lösung als die Vollsperrung gewünscht. Sie meint, es müsste doch technisch möglich sein, wenigstens eine Fahrspur offen zu halten und einen Ampelbetrieb einzurichten.

Eine solche Lösung würde auch Olga Pauls das Leben erleichtern. Die Apothekerin wohnt in Zaubach und muss mehrmals täglich von dort aus in die Apotheke nach Stadtsteinach fahren. Die kürzeste Umleitung bedeutet einen Umweg von zehn Kilometern - pro Fahrtstrecke. Eine Alternative bietet sich nicht an: Zu Fuß ist es zu weit, und Fahrradfahren scheidet für sie aus gesundheitlichen Gründen aus.

Deshalb hat sie bei der Stadt eine Ausnahmegenehmigung beantragt - allerdings ohne Erfolg. Die Stadt will keine Ausnahmen zulassen. "Das hat mich sehr enttäuscht, denn wenn ich eine 24-Stunden-Rufbereitschaft habe, muss ich oft mehrmals in die Apotheke fahren - zu den unterschiedlichsten Zeiten sagt die 61-Jährige.

Entspannter sieht die Lage in der Nachbarschaft aus. Wenige Meter entfernt betreibt Birgit Riemer das gleichnamige Blumenhaus. "Im August und September ist es ohnehin eine ruhige Zeit", sagt die Inhaberin. "Wer kommen will, der kommt trotz der Baustelle. Ich habe weiterhin Kunden aus Presseck." Ganz zufrieden ist sie dennoch nicht. Sie hätte sich eine bessere Informationspolitik der Ämter und Behörden gewünscht.

Schräg gegenüber befindet sich die Pizzeria San. Sie liegt direkt an der Hauptstraße und verfügt über einen gemütlichen Biergarten. Der gastronomische Betrieb wurde vor zwölf Jahren von Vorgänger Bruno Santoro übernommen und profitiert aufgrund seiner Lage nicht nur von den Einheimischen, sondern auch von Urlaubern. Dieser Kundenkreise ist nun teilweise weggebrochen.

Inhaberin Daniela Böhner (45) hatte zufälligerweise ihren Betriebsurlaub so gelegt, dass sie die Hälfte der Durststrecke überbrückt hat. Und sie ist zuversichtlich: "Glücklicherweise halten mir meine Stadtsteinacher die Treue. Sie haben sich gefreut,als ich wieder geöffnet habe und für sie da sein kann."

Nachgelassen hat die Kundenfrequenz auch bei der Landmetzgerei Schüßler. Inhaber Frank Schüßler steht auch in organisatorischer Hinsicht vor Herausforderungen. Zulieferer aus dem nördlichen Landkreis können nun den Laden in Stadtsteinach nicht mehr direkt anfahren, sondern bringen ihre Ware nach Vorderreuth, zur Produktionsstätte der Metzgerei. Dort muss dann Schüßler die Sachen in einen kleineren Wagen umladen und nach Stadtsteinach transportieren. Schnell kommen seine Frau Sabine und er auf sechs bis acht Fahrten am Tag. Der Umweg über die offizielle Umleitung via Grafendobrach, Kulmbach und Untersteinach summiert sich auf eine Fahrzeit von 1,5 Stunden für die Hin- und Rückfahrt. Und die örtlich bekannten Abkürzungen sind keine echte Alternative. Die Strecke über Frankenreuth und Römersreuth ist wegen ihrer engen Fahrbahn gefährlich, die Bankette sind schadhaft, sodass das Ausweichen zum Risiko-Manöver werden kann - gerade bei größeren Fahrzeugen.

40 Prozent weniger Umsatz

"Wir haben 40 Prozent weniger Umsatz", konstatiert Sonja Müller vom Rewemarkt-Team. Da weniger Ware umgesetzt wird, müssen leicht verderbliche Lebensmittel im Preis reduziert oder ganz aus dem Sortiment genommen werden. Auf die Situation einstellen konnte sich der Markt nicht. Denn die Lieferungen werden üblicherweise bereits sechs Wochen zuvor geordert - also lange vor Bekanntgabe der Totalsperre. Bei einer neuerlichen Sperrung wollen die Gewerbetreibenden frühzeitig informiert werden.

Das wird schon im kommenden Jahr der Fall sein, wenn die Brücke über den Schindelbach nahe dem Rewe-Einkaufsmarkt abgerissen und mit einer Neukonstruktion ersetzt werden. Was sicher länger als die Bauarbeiten diesmal dauern wird.