Schnell noch die Luft im Reifen kontrollieren, Helm auf - Janis ist mit seinem Fahrrad startklar. Er hat der Rundschau-Redaktion einen Brief geschrieben, in dem er sich den Bau eines Radwegs entlang der Staatsstraße nach Melkendorf wünscht. Der Schüler radelt gerne vom Wohnhaus seiner Familie in der Stettiner Straße nach Katschenreuth, Win dischenhaig, Thurnau, Kasendorf und an die Kieswäsch. "Dabei fahre ich immer über Melkendorf. Aber weil es keinen Radweg gibt, ist das oft gefährlich für mich", schreibt Janis.

Wir haben uns mit dem Elfjährigen seine Radelstrecke genauer angesehen und bei der Stadt Kulmbach nachgefragt, ob sich das Problem, das in den vergangenen Jahren auch Thema im Stadtrat war, lösen lässt.

Nur ein kurzes Teilstück

Konkret geht es eigentlich nur um ein kurzes, dafür aber wirklich gefährliches Teilstück der Strecke, nämlich den wenig mehr als 300 Meter langen Abschnitt zwischen der Gärtnerei Herzog und dem Ortseingang Melkendorf.
Von der Stettiner Straße fährt Janis in die Straße Am Galgenberg bis zur Einmündung in die Staatsstraße. Hier gibt es einen perfekten Radweg. Auch parallel zur Staatsstraße ist der Junge noch ein Stück weit sicher unterwegs - auf einem Splitt-Fußweg. Doch dieser endet kurz vor der Gärtnerei Herzog, genau in der recht unübersichtlichen Kurve,. Hier muss Janis die Straße überqueren und das letzte Stück am Straßenrand fahren. "Da sind viele Autos und Laster unterwegs, die sehr nah an mir vorbeifahren. Da bekomme ich dann schon manchmal Angst und werde etwas wacklig auf dem Rad."

Mutter Ramona Kaas fährt deshalb ihren Sohn, so oft sie es einrichten kann, mit dem Auto zu seinen Freunden. Und auch deren Eltern spielen lieber Chauffeur als ihre Kinder mit dem Rad loszuschicken.

Der Wunsch nach einer Radweg-Verbindung von Kulmbach nach Melkendorf wäre vor ein paar Jahren beinahe erfüllt worden. Damals gab es ein Sonderförderungsprogramm für selbstständig geführte Geh- und Radwege entlang von Staatsstraßen, so Ingo Wolfgramm, Leiter der Tiefbauabteilung der Stadt Kulmbach. 75 Prozent der Kosten wären durch die Förderung gedeckt gewesen.

Seit 2009 gab es deshalb Überlegungen, unterhalb von St. Hedwig beginnend bis nach Melkendorf einen 1,6 Kilometer langen Radweg zu bauen. Ein umsetzungsreifer Entwurf wurde 2010 beim Staatlichen Bauamt zur Prüfung eingereicht. "Die Förderung wurde jedoch abgelehnt, da man seitens der Regierung keine Notwendigkeit für diesen Weg sah", so Wolfgramm. Vielmehr wurde darauf hingewiesen, dass es von der Schauer-Kreuzung aus eine Radwegverbindung durchs Goldene Feld und von dort weiter nach Melkendorf gibt. "Allein hätte die Stadt das Vorhaben nicht finanzieren können. Der Bau des Radwegs hätte rund 600 000 Euro gekostet. So wurde das Projekt auf Eis gelegt." Die Strecke durchs Goldene Feld kennt auch Janis, doch sie wäre für ihn ein Riesen-Umweg und von seiner Wohnstraße aus ebenfalls nicht ungefährlich.

Es ist nicht aussichtslos

Ob der Wunsch des Elfjährigen nach einer sicheren Verbindung nach Melkendorf in Erfüllung geht, ist ungewiss. Ganz aussichtslos ist er aber nicht: Wenn das geplante neue Gewerbegebiet in Melkendorf realisiert wird, werden dort auch Erschließungswege gebaut, bei denen die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern berücksichtigt werden könnten. "Das Planungsverfahren steht noch am Anfang. Aber wenn es soweit ist, können Janis und seine Eltern im Rahmen der Bürgerbeteiligung ihre Wünsche anmelden. Dann wird sich der Stadtrat damit beschäftigen", so Wolfgramm. Ein bis zwei Jahre wird das aber wohl noch dauern, schätzt er.

Selbst wenn kein Radweg möglich werden sollte, wird es für Radler auf dieser Strecke künftig einfacher. Sobald die Umgehungsstraße fertig ist, wird der Hauptverkehr um Melkendorf herumgeleitet, und die derzeitige Staatsstraße wird zur Gemeindeverbindungsstraße - mit deutlich weniger Verkehr.