Die vergangene Spielzeit werden die Bayreuth Tigers sicherlich nicht so schnell vergessen. Gleich in ihrer Premierensaison in der Oberliga spielte sich die Mannschaft von Trainer Sergej Waßmiller völlig überraschend auf den vierten Platz der Hauptrunde vor und scheiterte in den Play-offs erst im Halbfinale - das weckt neue Erwartungen, zumal der EHC mit drei Siegen nach vier Spielen erneut einen guten Start erwischt hat. Im Interview mit unserer Zeitung erzählt Waßmiller, was von seinem Team zu erwarten sein wird, was er sich vom neuen Stürmer Mitchell Theoret erhofft, und was die Regeländerungen bewirken werden.

Mit der neuen Spielzeit starten auch neue, zum Teil gravierende Regeländerungen. Unter anderem verschieben sich die blauen Linien um 1,53 Meter nach innen, wodurch sich das Drittel vergrößert. Wie haben Sie Ihre Spieler auf die neue Eis-Einteilung vorbereitet?

Sergej Waßmiller:
Natürlich haben wir da schon im Training und den Vorbereitungsspielen auf die Veränderungen hingearbeitet. Die Verteidiger haben nun mehr Fläche, Schuss- und Laufwege abzudecken und die Stürmer haben mehr Platz für ihre Kreativität. Auch im Stellungsspiel der Akteure wie beispielsweise in den "Specialteams" hat sich dadurch einiges verändert.

Das "Hybrid-Icing" ist aus der NHL bekannt und wird ab sofort auch in Deutschland angewandt. Sehen Sie Vorteile für das Spiel?

Sehr viele sogar. Durch weniger Pausen nehmen der Spielfluss und damit die Attraktivität für Spieler und Zuschauer weiter zu. Jetzt sind mögliche Lauf duelle doch für alle interessant. Für uns als ohnehin schon laufstarke Mannschaft hat es fast ausschließlich positive Aspekte.

Nach der fulminanten Premierensaison gilt Ihre Mannschaft in dieser Spielzeit bereits als Mitfavorit. Müssen Sie als Trainer jetzt auf die Euphoriebremse treten?

Wir haben hart für unseren Erfolg gearbeitet und genießen diese berechtigte Wertschätzung. Sie ist für uns mehr Bestätigung als Belastung, denn abheben wird bei uns deswegen niemand.

Wie stark sehen Sie die Spielstärke des aktuellen Kaders im Vergleich zu den Liga-Konkurrenten?

Mit unserem Kader gehören wir sicher zum Vorderfeld der Liga, doch im Sport ist manchmal nicht alles planbar. Am Ende entscheiden dann auch oft Kleinigkeiten, doch vor der Konkurrenz verstecken müssen und werden wir uns nicht.

Mitchell Theoret hat bereits in den ersten Spielen gezeigt, welche Verstärkung er für das Team sein kann. Welche Rolle gedenken Sie dem neuen Mann im Sturm zu?

Mitch ist als gelernter Mittelstürmer genau das, was wir wollten. Seine nordamerikanische Spielphilosophie, seine gute Ausbildung und auch die körperliche Präsenz helfen uns enorm weiter, um neben unserer bewährten Scoring-Line noch mehr Möglichkeiten zu haben. Genau das wird er erfüllen.

Wie einfach oder schwer ist es, Spieler dieses Kalibers für die dritte deutsche Liga zu gewinnen?

Die OHL ist eine starke Liga und seine Vita dort war auch schon richtig gut, nur darf man nicht vergessen, dass er bei der Kontaktaufnahme erst 20 Jahre alt war und man in den vordersten Profiligen überall oft noch etwas mehr auf erfahrene Spieler setzt, besonders bei den Kontingentplätzen. Wir hatten ihn aus mehreren Optionen ausgewählt, und da er Europa und speziell Deutschland für sich favorisierte, waren wir auch für ihn interessant. Mit viel Kleinarbeit hat es dann schließlich geklappt und beide Seiten fühlen sich richtig wohl damit.

Denken Sie angesichts des vielversprechenden Spielermaterials an den Aufstieg in die DEL 2?

Zum Saisonbeginn beschäftigen wir uns im sportlichen Bereich nicht mit Themen wie dem Aufstieg. Das lenkt nur ab und ist viel zu früh.

Das Geld war in Bayreuth in den vergangenen Jahren immer mal wieder Thema. Der letzte Konkurs ist vielen Fans noch sehr gegenwärtig. Wie versucht die Vereinsführung, die Balance zwischen Machbarem und den sicher gestiegenen Erwartungen der Anhänger zu finden?

Die Vergangenheit hat nichts mehr mit dem jetzigen EHC zu tun, und ich bin außerdem nur für den sportlichen Bereich verantwortlich. Da versuchen wir, das Maximale zu erreichen.

Das Gespräch führte Jochen Nützel



REGELÄNDERUNGEN FÜR DIE SAISON 2014/15

Hybrid Icing Was war: Wusste sich eine Mannschaft nur noch mit einem weiten Befreiungsschlag zu helfen, ertönte stets ein Pfiff des Schiedsrichters, wenn der Puck die rote Torlinie (Grundlinie) überquerte.

Was kommt: Erreicht ein Spieler der angreifenden Mannschaft den herausgeschlagenen Puck vor dem Gegner, läuft das Spiel weiter - andernfalls wird, wie bisher, abgepfiffen. Befinden sich zwei Spieler in einem Laufduell, muss der Linienrichter entscheiden, ob der Angreifer zuerst an die Scheibe kommen könnte.

Blaue Linie Den Mannschaften steht künftig mehr Platz in den Angriffs- beziehungsweise Verteidigungsdritteln zur Verfügung, da sich die blauen Linien um 1,53 Meter in Richtung Mitte verschieben. Die neutrale Zone schrumpft dadurch folgerichtig um 3,06 Meter.

Spin-o-rama Bei Penaltys dürfen sich die Spieler nicht mehr um 360 Grad drehen, bevor sie auf das Tor schießen. ham

DAS SAGEN DIE VEREINE

ESC Haßfurt: "Das Hybrid Icing ist eine große Veränderung. Während früher ein erreichbarer Pass gespielt werden musste, reicht es nun , einen steilen Pass zu spielen, wenn man weiß, dass ein eigener Spieler gerade schneller ist als der Gegner. Dadurch verhindert man ein Bully im eigenen Drittel. Eishockey wird so noch schneller und es gibt weniger Unterbrechungen", sagt der sportliche Leiter Martin Reichert.

Höchstadter EC: "Die neue Hybrid-Icing-Regel muss sich bei Spielern und Schiedsrichtern erst einnisten, das wird noch etwas dauern. An die größeren Angriffs- bzw. Verteidigungsflächen haben wir uns dagegen schnell gewöhnt. In Unterzahl-Situationen muss man in der Verteidigung noch mehr Laufarbeit leisten als bisher, das kostet Kraft. Umgekehrt hat man bei Überzahl-Angriffen mehr Platz für schnelle Kombinationen. Das könnte uns zupasskommen", sagt der sportliche Leiter Jörg Schobert.