Spaß und Leistungswille müssen sich nicht ausschließen. Schon Sepp Herberger hat gesagt, die Spieler müssen lachend umfallen - vor Erschöpfung. Ein abwechslungsreiches Training, immer wieder neue Impulse und natürlich ein immer respektvoller Umgangston sind Voraussetzungen, um Spieler an ihre Leistungsgrenze zu bringen, egal in welcher Klasse. Das war auch der Grund für mich, eine fundierte Ausbildung zum B-Lizenztrainer zu machen. So absolvierte ich bereits im Dezember 1969 meinen ersten Lehrgang für die B-Lizenz.
Können Sie die ein oder andere lustige Episode beim FC Neuenmarkt erzählen?
Bei einem Heimspiel gegen eine Mannschaft aus dem Stadtsteinacher Oberland fragte mich ein Mitspieler in der Halbzeit: "Trainer, gegen wen spielen wir denn überhaupt?" Ein anderer packte beim Auswärtsspiel seine Sporttasche aus und fluchte: "Verdammt, zwei linke Fußballschuhe." Ich muss heute noch lachen, wenn ich an die Szene denke, als mich ein Mitspieler nach einem Heimspiel zu einem Laufduell aufforderte. Wir saßen in gemütlicher Runde, hatten schon das eine oder andere Bier intus, er die dritte Zigarre. Unter den Anfeuerungsrufen unserer Mannschaftskameraden sprinteten wir in Sandalen von 16er zu 16er. Es ging um einen Kasten Bier. Er musste zahlen.
Sie waren auch sehr ehrgeizig.
Als ich 1973 die B-Lizenz erwarb, hatte ich natürlich schon den Gedanken, einmal höherklassig zu trainieren. Dass das so schnell ging, konnte keiner ahnen. Schon im Januar 74 hatte ich eine Anfrage des SV Neuses/Kronach, ob ich die Landesligamannschaft übernehmen würde. Sie befand sich im Abstiegskampf. Also Zusage und Klassenerhalt geschafft! Als Spieler bin ich dem FC Neuenmarkt allerdings treu geblieben. Wir spielten damals im Katzbachtal gegen Ludwigschorgast um den Aufstieg. Meine gesamte Neuseser Landesligamannschaft war unter den Zuschauern. Und ihr Trainer stand auf dem Rasen. Wir gewannen, und der SV Neuses machte mir ein Angebot als Spielertrainer, das ich allerdings ablehnte. Auch im folgenden Jahr konnten wir den Klassenerhalt sichern.
Wo hatten Sie die schönsten Zeiten als Trainer?
Ich hatte bei allen Vereinen unvergessene Momente. Fast überall stand ich vor einem Neuaufbau, musste das System umstellen oder junge Spieler auf- und einbauen. Dabei waren die Klassenerhalte wie beim SV Neuses oder TSV Trebgast genauso wertvoll wie die Meisterschaften und Aufstiege. Das erste Trainerjahr beim FC Neuenmarkt gehörte aber zu den schönsten. Es war ein unglaublicher Zusammenhalt. Es gab ja noch kein Sportheim. Wir kamen bereits umgezogen zum Spiel, mussten anschließend zu Hause duschen, um uns dann wieder im Nebenzimmer der Vereinsgaststätte "Zur Stadt Bayreuth" zu treffen. Um 20 Uhr gab es keinen freien Platz mehr. Und dann war Singstunde. Das gibt es heute nicht mehr.
Welche Rolle spielt der Fußball heute noch für Sie?
Nicht mehr die Hauptrolle. Natürlich interessieren mich die Ergebnisse, vor allem die meiner Ex-Vereine. Die Bundesliga und den internationalen Fußball verfolge ich natürlich im Fernsehen. Ansonsten erfreue ich mich an der sportlichen Entwicklung meiner Enkel in Oberbayern, die ich leider auf dem Rasen kaum sehe. Aber es gibt ja WhatsApp.
Das Gespräch führte unser
Mitarbeiter Werner Reißaus