Wieder mal ein Winter, dem das Wesentliche fehlt - der Schnee. Ärgerlich für die Kinder, die nicht Schlitten fahren können. Aber vor allem für Skirennfahrer wie Jacob Schramm. Denn der Klimawandel bringt den jungen Eppenreuther um seine erste internationale Rennerfahrung.

Der 16-Jährige war vom Bayerischen Skiverband (BSV) für den Arge-Alp-Cup nominiert worden. "Da war ich schon stolz", sagt Jacob, denn diese Ehre wird nur den jeweils vier besten jeder Altersklasse zuteil. Doch er freut sich zu früh. Der Vergleich der besten Nachwuchstalente der Alpenländer Bayern, Österreich, Schweiz und Südtirol muss Mitte Dezember abgesagt werden - in der Wildschönau (Tirol) liegt noch kein Schnee.
"Ärgerlich", meint Jacob, der zwischen Herbst und Frühjahr nahezu jedes Wochenende mit seinem Vater in die Alpenregion reist, um zu trainieren. Seit zwei Jahren fährt Jacob für den SC Bad Aibling im Skiverband Inngau. In Stefan Vogel hat Jacob seit diesem Winter einen neuen, "sehr guten" Trainer, wie er sagt. Unter Vogel hat sich der 16-Jährige noch einmal erheblich verbessert, vor allem in den schnellen Disziplinen. "Es geht aufwärts", meint Jacob.

Das merkt man vor allem am vergangenen Wochenende, als Jacob in Garmisch-Partenkirchen bei Punkterennen zum DSV-Schüler-Cup startet. Auf der vom Weltcup berühmten Kandahar-Strecke mit Start am Tröglhang belegt der Oberfranke in der Klasse U16 im ersten Super-G-Lauf Platz 4 ("Ich lag nur eine Zehntel Sekunde hinter dem Dritten").

Auf dem Podest

Im zweiten Durchgang schafft er als Dritter sogar den Sprung auf das Podest. Sieger Jonas Stockinger (SC Herzogsgreuth) ist nach einem fast einminütigen Ritt über die Kandahar-Piste nur vier Zehntelsekunden schneller. "Ich war voll motiviert und habe den Lauf perfekt erwischt", sagt der talentierte Frankenwälder.

Auch im Slalom, normalerweise seine Lieblingsdisziplin, geht der MGF-Schüler an den Start, muss sich aber hier mit Platz 8 begnügen. Jacob ist aber froh, überhaupt ins Ziel gekommen zu sein. Denn das schafften auf dem anspruchsvollen Gudiberg-Hang von insgesamt 105 Jungen und Mädchen nur etwa 40!
Dank der Punkte von Garmisch-Partenkirchen verbessert sich Jacob in der Gesamtwertung des DSV-Schüler-Cups der U16 auf Platz 4 - seine bislang beste Notierung.

Das starke Super-G-Resultat kommt allerdings nicht von ungefähr. "Wir haben in der Vorbereitung im Kaunertal viel Super G trainiert, seitdem läuft es da besser." Dafür fehlt ihm nun im Slalom die Konstanz, was sich Jacob auch etwas mit dem Wechsel der Skimarke (von Völkl zu Nordica) erklärt. Der Super G bei der Jugend ist noch nicht so schnell wie der bei den Profis. "Unser Super G geht nicht in Richtung Abfahrt, sondern die Läufe drehen mehr", sagt Jacob.

Pech bei der "Bayerischen"

Weniger gut läuft es für den Eppenreuther bei der Bayerischen Meisterschaft in Lenggries. Im Riesenslalom der U16 liegt er nach dem ersten Durchgang als Fünfter in Medaillennähe, leistet sich aber im zweiten Lauf im Steilhang zwei Fehler und rutscht noch auf Rang 8 zurück. Und im Slalom geht ihm schon im ersten Lauf die Skibindung auf - Sportlerpech.

Noch drei Renn-Wochenenden warten in dieser Saison auf Jacob Schramm. Höhepunkt ist Ende März die Deutsche Jugendmeisterschaft am Sudelfeld - wenn bis dahin noch Schnee liegt...