Seit einem Interview in der Zeitung New York Times steht Altkanzler Gerhard Schröder wegen seiner moskaufreundlichen Haltung wieder in der Kritik. Viele Genossen fordern deshalb einen Parteiausschluss des früheren Kanzlers aus der SPD. Eine Forderung, die der Mainleuser Ortsverein schon vor Wochen erhoben hat - als wohl bislang einziger in Oberfranken. Wir sprachen mit Vorsitzendem Peter Wiesenmüller über Schröders Verhalten und die Entscheidung seiner Ortsvereins.

Warum fordert der SPD-Ortsverein Mainleus den Ausschluss von Gerhard Schröder?

Peter Wiesenmüller: Ganz einfach: Als Putin die Ukraine überfallen hat, hat Gerhard Schröder an seinen Geschäftsbeziehungen zu Nordstream eins und Nordstream zwei sowie Rosneft festgehalten. Zu diesem Zeitpunkt hätte er die sofort beenden müssen. Als ehemaliger Bundeskanzler und Alt-Kanzler wird sein Verhalten in der ganzen Welt wahrgenommen. Ich hätte mir gewünscht, dass er eine Rolle einnimmt wie einst Helmut Schmidt. Der ist als moralische Instanz aufgetreten. Das hätte ich mir auch von Schröder erhofft. Hier sehe ich einen sehr großen Unterschied.

Warum haben Sie den Partei-Ausschluss schon so früh, bereits im März, gefordert?

Ich weiß noch genau, es war an einem Samstagabend. Ich war erschüttert von Schröders Verhalten. Es hat in der Partei die ganze Zeit schon gegrummelt. Da habe ich bei unseren Mitgliedern einen Rundruf gestartet. Wir haben einstimmig beschlossen, den Partei-Ausschluss zu fordern. Das habe ich auch mit unserer Landtagsabgeordneten Inge Aures abgestimmt. Sie sieht es genauso. Wir waren alle dafür. Das Verhalten von Gerhard Schröder war nicht mehr tragbar. Es geht auch um die Folgen: die Flüchtlingsströme, die weinenden Kinder. Wir sind zwar nur ein kleiner Ortsverein, trotzdem haben wir das Partei-Ausschlussverfahren angestoßen. Man muss seinen Überzeugungen folgen.

Warum, glauben Sie, ist die SPD Mainleus der bisher einzige Ortsverein in Oberfranken, der diese Forderung gestellt hat?

Es vergeht eine gewisse Zeit, bis der Antrag bei den richtigen Stellen gelandet ist. Daher kann es natürlich sein, dass auch andere Ortsvereine so einen Antrag auf den Weg gebracht haben, er nur noch nicht offiziell bearbeitet worden ist.

Wie sehr schadet Schröder der Partei?

Ich glaube, nicht mehr so sehr. Denn die Leute haben wahrgenommen, dass sich die SPD-Spitze von ihm distanziert. Er schadet mehr unserem Land, weil er über Jahre die wichtigste Position in Deutschland eingenommen hat. Er hat einiges geleistet, wofür er Respekt verdient. Deshalb verstehe ich sein Verhalten umso weniger.

Meinen Sie, es geht ihm nur ums Geld?

Davon müsste er eigentlich genug haben. Aber wenn man immer noch mehr bekommen kann... Ich verstehe manchmal die Welt nicht mehr.

Schröder hat sich zur Vermittlung im Ukraine-Krieg bereit erklärt. Ist das nicht eine Chance, die man nutzen sollte?

Das hat er schon ganz am Anfang der Krise versucht. Es kam aber nichts dabei heraus. Ich frage mich, ob er der richtige Mann dafür ist und habe leider keine Hoffnung mehr. Wenn es aber so wäre und er etwas erreichen könnte, wäre es schön. Wenn er tatsächlich eine Männer-Freundschaft mit Putin pflegen würde, würde er ihm sagen, dass das nicht geht, was er macht.

Eine Frage noch zum aktuellen Bundeskanzler Olaf Scholz: Er hält sich bei der Lieferung von schweren Waffen in das Krisengebiet zurück. Er befürchtet einen dritten Weltkrieg. Wie stehen sie zu seiner Position?

In der jetzigen Zeit einen vernünftigen Spagat hinzubekommen, grenzt an die Quadratur des Kreises. Wir haben Wirtschaftsbeziehungen mit Russland. Auf politischer Ebene muss man sich daher eine Hintertür offen halten. Ich bin jedenfalls froh, dass ich diese Entscheidungen nicht treffen muss. Jeder ist unter Druck. Man kann nicht alles richtig machen, Olaf Scholz macht aber auch nicht alles falsch.