Die Natur: ein kompliziertes System. Alles hängt mit allem zusammen, und wenn man eines der zahllosen kleinen Puzzlesteinchen, die zusammen ein Ökosystem ergeben, dreht oder wegnimmt, verschiebt sich womöglich das ganze Bild.

Noch komplizierter wird es, wenn der Mensch auf den Plan tritt. Der will die Natur nutzen. Er will Sport treiben und entspannen, sich erholen, Blumen pflücken, den Hund Gassi führen, seine Zigarettenkippe einfach auf den Boden schmeißen und eine schöne Aussicht genießen. Auch dort, wo die Natur eigentlich am liebsten in Ruhe gelassen werden will.

Am Görauer Anger zum Beispiel. Der ist ein wertvolles, schutzwürdiges Gebiet, in dem seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten leben. Der Görauer Anger ist aber auch ein zu jeder Jahreszeit stark frequentierter Erholungsbereich - mit Folgen.

Was tun? Einfach aussperren aus der Natur kann man den Menschen nicht. Aber man kann versuchen, Verständnis dafür zu wecken, dass Tiere und Pflanzen Rücksicht verdienen. "Besucherlenkung" ist das Stichwort. Ob Hinweistafeln allein die Unverbesserlichen zur Vernunft bringen, ist freilich fraglich.

Vielleicht hilft denen, die sich mit Schutzmaßnahmen für den Görauer Anger befassen müssen, ein Blick in die ganz großen Schutzgebiete unseres Landes: In allen Nationalparks sind sogenannte Nationalpark-Ranger unterwegs, die uneinsichtigen Besuchern freundlich aber nachdrücklich im wahrsten Sinne des Wortes den rechten Weg weisen.

Für einen "Anger-Ranger" wird es im Landkreis Kulmbach nicht reichen. Aber wieder eine ehrenamtliche Naturschutzwacht zu etablieren, wie es sie dort vor vielen, vielen Jahren schon einmal gab, das wäre durchaus einen Versuch wert.