Drei Schlaganfälle kurz hintereinander haben Edeltraud Endesfelders Leben aus der Bahn geworfen. "Ich bin nicht mehr die, die ich einmal war", sagt sie. Doch die Bayreutherin gibt sich nicht auf. Gemeinsam mit ihrem Mann Jochen besucht sie die Treffen der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Bayreuth. "Das bedeuten mir viel, denn es hat mir geholfen, in ein normales Lebens zurückzufinden."

Diese Unterstützung sollen auch Kulmbacher Betroffene bekommen. Die Bayreuther Gruppe mit ihrer Vorsitzenden Brigitte Hohlbach-Jentzen unterstützte Ende vergangenen Jahres den Chef der Klinik für Neurologie am Klinikum Kulmbach, Christian Konhäuser, bei seinem Bemühen, eine eigene Gruppe aufzubauen.


Hilfe über die Therapie hinaus


"Als Neurologen sehen wir, dass viele unserer Schlaganfall-Patienten nach Krankenhaus und Rehabilitation mit ihren Problemen allein dastehen", bedauert der
Chefarzt. Eine Selbsthilfegruppe sei ungeheuer wertvoll für die Betroffenen und ihre Angehörigen, denn sie biete Hilfe über die Therapie hinaus.

Bislang ist die Kulmbacher Gruppe, die sich an jedem ersten Mittwoch im Monat um 17.30 Uhr im Klinikum trifft, noch recht klein: "Wir würden uns freuen, wenn sich uns noch mehr Betroffene anschließen würden", sagt Gründungsmitglied Eckhard Symalla. "Der Austausch ist sehr positiv", findet der 79-Jährige. Profitiert hat er auch von einen Computerkurs im Kloster Banz, den Bayreuther und Kulmbacher gemeinsam besucht haben. "Das hat mir viel Freude gemacht."

Die Selbsthilfegruppe tut der Seele gut, weiß Brigitte Hohlbach-Jentzen. "Ich habe durch den Schlaganfall meines Mannes erlebt, wo Hilfe nötig wäre, aber schwer zu finden ist. Diese Lücke haben wir durch unsere Gruppe geschlossen."

Die Bayreuther beschäftigen sich bei ihren Treffen aber nicht nur mit der Krankheit, sondern werden regelmäßig in Workshops selbst kreativ. Auch hier dürfen sich Kulmbacher beteiligen. Derzeit bereitet die Gruppe ein ganz besonderes Kunstprojekt vor: Gemeinsam mit dem Bildhauer Peter May aus Heiligenstadt, in Kulmbach bekannt als Dozent der Sommerkunstwochen, soll eine mehrteilige Skulptur entstehen, die für Vorplatz und Eingang der Klinik "Hohe Warte" konzipiert ist.


Chaos im Kopf


"Patienten haben mir erzählt, dass für sie die Welt seit dem Schlaganfall kopfsteht", sagt May. Was das bedeutet, soll in dem Kunstobjekt sichtbar und erfahrbar werden: Ein etwa 2,70 Meter großer Kopf aus Sandstein zeigt den Kontrast zwischen dem normalen Alltagsleben und dem plötzlichen Chaos im Kopf. Die Gruppenmitglieder steuern dazu weitere, ihren Fähigkeiten entsprechend behauene Steine bei, in denen sie ein Stück ihrer veränderten Alltagswelt darstellen.

Bis zur Realisierung der Skulptur wird es noch ein wenig dauern, denn noch steht die Finanzierung nicht endgültig. Aber im Rahmen eines Modellierkurses auf dem Anwesen von Anita Hofmann im Thurnauer Ortsteil Partenfeld haben die Schlaganfall-Patienten bereits Entwürfe angefertigt. Edeltraud Endesfelder hat sich für einen Baum entschieden - ein Motiv, das für sie große Symbolkraft hat: "Die Äste stehen für verschiedene Wege, die ich gehen muss oder gehen kann."

Anita Hofmann, die die Kulmbacher Gruppe seit dem ersten Treffen begleitet, möchte die kreative Ader der Betroffenen weiter fördern. "Ich fände es schön, wenn wir eigene Kunstprojekte auf die Beine stellen könnten, zum Beispiel einen Malkurs: "Ich stelle dafür gerne meinen Innenhof als Veranstaltungsort zur Verfügung."


Termine und Kontakte


Treffen Die Selbsthilfegruppe Kulmbach trifft sich das nächste Mal am 2. September um 17.30 Uhr im Klinikum.

Infos Interessierte können sich an Gruppensprecher Reinhold Marlok, Telefon 09227/5968, oder Anita Hofmann, Telefon 0176/23742385, wenden.

Kunstprojekt Mehr zum geplanten Kunstprojekt und zu den Beteiligungsmöglichkeiten für Betroffene erfahren Interessierte bei Birgitte Hohlbach-Jentzen, Leiterin der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Bayreuth, Gerhart-Hauptmannstr. 16, 95447 Bayreuth, Telefon 0921/511019, hohlbach-jenzen@t-online.de