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Kulmbach
Konzert

Petrikirche Kulmbach: So klingt der Kreuzweg

Das TonArt-Vokalensemble, Egmont Gabler und Günter Karritke interpretieren Franz Liszts "Via Crucis" in der abgedunkelten Petrikirche.
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Das TonArt-Vokalensemble, Egmont Gabler am Klavier und Günter Karittke mit seinen Bildprojektionen waren am Karfreitag die Mitwirkenden bei der Aufführung von Franz Liszts "Via crucis" in der fast ganz dunklen Petrikirche. Die Leitung hatte Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn.  Foto: Klaus Klaschka
Das TonArt-Vokalensemble, Egmont Gabler am Klavier und Günter Karittke mit seinen Bildprojektionen waren am Karfreitag die Mitwirkenden bei der Aufführung von Franz Liszts "Via crucis" in der fast ganz dunklen Petrikirche. Die Leitung hatte Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn. Foto: Klaus Klaschka
Die Kirche war fast völlig dunkel, die Musik sehr verhalten: Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn wagte am Karfreitag mit dem TonArt-Vokalensemble Kulmbach, Egmont Gabler am Klavier und Günter Karittke mit seinen Bildprojektionen ein Experiment in der Petrikirche: Sie führten Franz Liszts "Via Crucis" (Kreuzweg) auf. Musik aus der Stille, auf die man sich ganz persönlich einlassen musste.


Unikum in der Musikliteratur

Als Kreuzweg bezeichnet man einen der Via Dolorosa (schmerzensreiche Straße) in Jerusalem, dem Leidensweg Jesu Christi, nachgebildeten Wallfahrtsweg oder eine Andacht der römisch-katholischen Kirche, bei der die Gläubigen an den einzelnen Stationen dieses Weges beten. Franz Liszts "Via Crucis" für Soli und Chor aus dem Jahr 1878/79, begleitet von Orgel oder Klavier, ist eine rein musikalische Darstellung des Kreuzwegs und als solche ein Unikum in der Musikliteratur - abgesehen von Marcel Duprés "Le Chemin de la Croix" von 1932, wobei der Orgelzyklus mit Texten von Paul Claudel anderen musikalischen Intentionen folgt.

Liszts Kreuzweg ist keine musikalische Erzählung der Passionsgeschichte wie in den großen Passionsmusiken von Bach über Mendelssohn bis Penderecki. Liszt will die Empfindungen des Pilgers an den einzelnen Stationen im Sinn der Programmmusik des 19. Jahrhunderts nachzeichnen - er bietet eine reine Betrachtung der 14 Kreuzwegstationen.

Franz Liszt (1811 - 1886), einer der prominentesten Klaviervirtuosen seiner Zeit, nimmt im Alterswerk seine musikalische Sprache aber zunehmend zurück. Im "Via Crucis" folgt er in der musikalischen Faktur zudem fast einem klanglichen Abriss der Musikgeschichte; beginnt mit einem "Vexilla Regis", dem gregorianischen Choral folgenden Unisono der Sänger, das in ein "O Crux" in der Art der Ars nova endet, und steigert erst im Verlauf des gesamten Werkes die Harmonik progressiver und expressiver. Er deutet zudem künftige musikalische Entwicklungen an, die in die Richtung einer Klangwelt von Debussy und Ravel und teilweise sogar auf Messiaen weisen.
Die Hälfte der 14 Kreuzwegstationen sind reine Instrumentalsätze, technisch zwar nur mäßig anspruchsvoll, musikalisch aber höchst raffiniert. Egmont Gabler am (elektronischen) Klavier konnte sie selbst in den spartanisch notierten Passagen bestechend geschlossen und intensiv darstellen.


Jede Stimme engagiert

Das ganz exzellente TonArt-Vokalensemble - bestehend aus: Maren Hansen, Verina Reuß, Elke Höhn und Dagmar Besand, Sopran; Irmgard Seemann, Christine Punke, Elisabeth Müller-Beck, und Conny Gehringer, Alt; Heiner Beyer und Karin Reinhold, Tenor; Thomas Zapf und Christof Pöhlmann, Bass - ließ großes persönliches Engagement jeder einzelnen Stimme erkennen. Beachtlich die Text-Musik-Intensität und -Eindringlichkeit, die in einem größer besetzten Chor möglicherweise untergegangen wäre oder zumindest zu anheimelnd geklungen hätte.

Für den, der sich auf die Klangwelt des Ensembles gerade bei Liszts Kreuzweg völlig einlassen wollte, war Anselm Grün besonders hilfreich: Der Benediktinerpater aus dem Kloster Münsterschwarzach ("Durch seine Wunden sind wir geheilt") schlägt vor, die Passion Jesu als Spiegel der eigenen Leidens- und Kränkungsgeschichte zu sehen.


Intensive Erfahrung

Aus dieser Sicht war das Konzert des TonArt-Vokalensembles eine intensive persönliche Erfahrung. Eine Erfahrung, die Günter Karittke mit seinen ganz unterschiedlichen Bildprojektionen - zum Beispiel projizierte Bilder von Passionsdarstellungen, Kirchenarchitektur oder Naturaufnahmen - , die hinter dem Ensemble sichtbar waren, noch verstärken konnte.