Wegen diverser Straftatenserien muss ein 21-jähriger Kulmbacher für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der junge Mann hatte mehrere Schlägereien angezettelt und seine Opfer dabei teilweise heftig verletzt. In das Urteil einbezogen wurde eine Vorstrafe von zwei Jahren, ebenfalls wegen Schlägereien, aber auch wegen Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch, Beleidigungen und Bedrohungen.

In Fußfesseln vorgeführt

Diese Strafe sitzt der Angeklagte bereits in der Justizvollzugsanstalt Ebrach ab. Zum Prozess vor dem Jugendschöffengericht wurde er in Fußfesseln vorgeführt.

Ein mitangeklagter 21-jähriger Auszubildender, der bei einer der Schlägereien ebenfalls nicht gerade zimperlich zugelangt hatte, wurde zu 100 Arbeitsstunden verurteilt.

Ohne Grund Streit gesucht

Beide wollten einem anderen ohne nachvollziehbaren Grund eine heftige Abreibung verpassen. Sie trafen sich in der Wohnung des Opfers in Kulmbach, zettelten einen Streit an, ließen die Fäuste sprechen und gingen am Ende mit einem abgebrochenen Stuhlbein auf den Mann los. Er erlitt heftig blutende Verletzungen am Kopf und erhebliche Schmerzen.

Zu weiteren Schlägereien, an denen aber nur der Haupttäter beteiligt war, kam es auf dem Real-Parkplatz, in einer Wohnung in der Hans-Hacker-Straße und vor einer Kneipe in der Oberen Stadt. Dort hatte der Mann auch die Eingangstür zum Lokal "Pina" eingetreten und dabei einen Sachschaden von 2000 Euro verursacht. Bei nahezu allen Vorfällen war der Mann erheblich alkoholisiert.

13 Zeugen blieben stumm

Über seinen Verteidiger Ralph Pittroff ließ der Hauptangeklagte alles einräumen. Das war nicht selbstverständlich, hatte Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner doch insgesamt 13 Zeugen geladen. Durch das Geständnis konnte auf alle Anhörungen verzichtet werden. Bei einer Vernehmung hätte die Verhandlung wohl bis in die Abendstunden gedauert.

Der Verteidiger betonte allerdings auch, dass sämtlichen Schlägereien wechselseitige Streitgespräche, gegenseitige Beleidigungen und Streitereien vorausgegangen waren.

Ein wenig relativierte Pittroff auch den Tatbeitrag seines Mandanten. Wenn von einem Faustschlag die Rede sei, könne es auch nur eine Watsch'n gewesen sein, beim Tritt gegen die Eingangstür des Pina scheint die Tür wohl schon zuvor einen Riss gehabt zu haben, so der Anwalt. Alles in allem übernehme sein Mandant allerdings die Verantwortung.

Hitlergruß auf dem Weihnachtsmarkt

Damit wäre der 21-Jährige im Normalfall wohl locker mit einer Bewährungsstrafe aus dem Sitzungssaal gegangen, wenn da nicht seine trotz des jungen Alters so umfangreiche Vorstrafenliste wäre.

Sie reichte von Pöbeleien im "Fritz"-Einkaufszentrum bis hin zum Zeigen des Hitlergrußes auf dem Kulmbacher Weihnachtsmarkt. Immer wieder hatte er auch wehrlose Schüler am Busbahnhof provoziert und verprügelt.

Auflagen nicht erfüllt

Richter Berner sprach von einer "massiven und breitgestreuten Straffälligkeit über einen längeren Zeitraum hinweg". Deswegen war der 21-Jährige 2019 auch zu zwei Jahren verurteilt. Zunächst auf Bewährung, doch weil der junge Mann die Auflagen in keiner Weise erfüllte, wurde er im Februar festgenommen, seitdem muss er die Strafe in Ebrach absitzen.

Die letztlich auch verhängte Haftstrafe von insgesamt zweieinhalb Jahren hatte bereits Staatsanwalt Jan Köhler gefordert. Er nannte das Vorstrafenregister "beeindruckend, natürlich im negativen Sinne". Verteidiger Pittroff hielt dagegen zwei Jahre und vier Monate für ausreichend.

"Sie haben alle Chancen gehabt"

"Sie haben alle Chancen gehabt", sagte Richter Berner zum Angeklagten. Auffällig sei, dass es immer nur um Kleinkriminalität gegangen sei, jedoch sei der Angeklagte von einem straffreien Leben weit entfernt.

Der mitangeklagte Azubi kam mit 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit nach näherer Weisung der Geschwister-Gummi-Stiftung davon. Er war nur bei der ersten Schlägerei dabei und, wie es dessen Verteidiger Andreas Piel ausdrückte, "eine Randfigur des Tatgeschehens". Trotzdem hatte sich Staatsanwalt Köhler für einen Dauerarrest ausgesprochen.