Mit dem Haarausfall begann für Jürgen Mayer auch die optische Angleichung an sein Idol Phil Collins. Nahezu genauso singen wie der britische Musiker kann der 50-Jährige aus Sulzfeld schon länger - und er tut es mit frappierender Authentizität. Wer am Mittwochabend im Schönen Hof der Plassenburg die Augen schloss und des Meisters Stimme lauschte bei "In the air tonight": Dem wurde bewusst, warum es genau jener Titel aus dem Collin'schen Oeuvre war, der 1998 den Grundstein legte für jene Tribute-Band namens "PHIL".

Dieser lang gezogene, wimmernde Anfangston aus der E-Gitarre, er kroch die Arkaden im Schönen Hof hoch und vermählte sich mit der ersten Zeile: "I can feel it coming in the air tonight". Jürgen Mayer tauchte ein in diese Hymne aus dem Jahr 1981, die sich chromatisch in die Höhe schraubt und kulminiert in jener Eruption des Schlagzeugs. Ein Fest für den gelernten Drummer Collins und sein Pendant am Mittwochabend, Bernd Schubach. Ein Fest aber auch für Jürgen Mayer, der sein Faible für die Schießbude an drei Überkopf-Toms ausleben durfte.

Mächtiges Bläser-Dreigestirn

War diese Nummer eher etwas fürs Mitwippen im Sitzen, so schnellte die Mehrheit der 900 Zuhörer hoch bei Uptempo-Songs wie "Easy lover" und "Something happend on the way to heaven." Das Dreigestirn aus Posaune, Trompete und Saxofon blies die Kulmbacher regelrecht von den Stühlen. Tanzende und Schwofende in den Reihen und an allen Ecken und Enden des Platzes wiegten sich im Takt zu "Dance into the light", "Don't lose my number" und dem Samba-lastigen "Wear my hat".

Doch nicht nur die Popklassiker hatte die elfköpfige Formation im Repertoire, sondern auch manch psychedelische Tonfolge aus seligen Genesis-Zeiten: "Mama" etwa, jene gesungene Klagemauer von 1983, und als finale Zugabe "Carpet Crawlers", das bereits 40 Jahre auf der Rille hat. Ein ungewöhnlicher Schlussakkord unter einen zweieinhalbstündigen Parforceritt durch den Hit-Vorrat des Briten Collins, der mit geschätzten 250 Millionen verkauften Tonträgern in der allerersten Musikerliga spielt.

Der heute 62-Jährige hatte übrigens höchstselbst der Formation um Jürgen Mayer die Erlaubnis erteilt, die Lieder zu präsentieren. Nicht nur, dass er - was einem Ritterschlag gleichkommt - auf seiner offiziellen Homepage zur Webseite von "PHIL" verlinkte; er gratulierte zum zehnjährigen Bandbestehen 2008 persönlich und drückte seine Bewunderung aus, wie exakt und mitunter detailversessen Jürgen Mayer & Co. sich des Liedguts annehmen.

Auch Kulmbach konnte sich ein Hörbild machen. Aber nicht nur davon. Die Show war superb: vom Zug durch die Fangmeinde bei "I can't dance" bis hin zum Ständchen anlässlich des 50. Geburtstags von Frontmann Mayer, kredenzt von einem Dudelsackspieler. Britischer Humor und Musiker in bester Spiellaune - ein starker Auftakt des Open-Air-Reigens.