Zu Bewährungsstrafen von jeweils zwei Jahren hat das Amtsgericht zwei 26 und 27 Jahre alte Männer aus Kulmbach und aus dem Landkreis Lichtenfels verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass beide zwischen März und August 2015 fünf Mal jeweils zwischen sieben und zehn Gramm der Teufelsdroge Crystal aus Tschechien nach Deutschland eingeführt hatten. Ursprünglich hatte die Anklage elf Fahrten mit zusammen über 80 Gramm Crystal aufgelistet. Davon war das Gericht nach sechs Verhandlungstagen und der Vernehmung einer Vielzahl von Zeugen abgerückt.
"Klar ist aber auch: wir reden hier von der Spitze des Eisbergs", sagte die Vorsitzende Richterin Nicole Allstadt in der Urteilsbegründung. Die fünf festgestellten Drogenfahrten seien der kleinste gemeinsame Nenner. Anhaltspunkte für weitere Fahrten gebe es durchaus. Allerdings seien die Aussagen der Hauptbelastungszeugin mit Vorsicht zu genießen. Dabei geht es um eine 24-jährige Frau, die das Verfahren ins Rollen gebracht hatte und die nicht nur mit einem der beiden Männer befreundet, sondern zeitweise auch als Vertrauensperson für die Polizei tätig war.
Als Motiv für einen der beiden Angeklagten nannte die Richterin dessen eigene Drogenabhängigkeit und die Abhängigkeit seiner Ehefrau. Der andere Angeklagte habe ausnahmslos auf Druck seiner Freundin gehandelt, die sich später als die Hauptbelastungszeugin herausstellen sollte.
"Die große Kohle haben beide Angeklagten mit ihren Rauschgiftgeschäften nicht gemacht", sagte die Vorsitzende, noch in der Anklage sei das so angeklungen. Größtes Einzelgeschäft sei die letzte Drogenfahrt im August 2015 gewesen, die allerdings komplett von der Polizei überwacht war. Das Rauschgift hätte deshalb auch niemals in Umlauf gelangen können.
Wenn beide Angeklagten mit einer Bewährungsstrafe davon kamen, dann vor allem deshalb, weil das Gericht beiden eine günstige Sozialprognose ausstellen konnte. Beide lebten sozial eingeordnet, und gingen einer geregelten Arbeit nach. Keine Rolle bei der Urteilsfindung spielte für das Gericht die Tätigkeit der Hauptbelastungszeugin als Vertrauensperson der Polizei, da diese Tätigkeit bereits vor den Taten im Großen und Ganzen beendet worden sei.
Verteidiger Alexander Schmidtgall übte zuvor in seinem Plädoyer trotzdem heftige Kritik an der polizeilichen Ermittlungsarbeit. Eine drogenabhängige Frau als Vertrauensperson einzusetzen sei rechtswidrig, auf so jemanden könne die Polizei keine Ermittlungen stützen. Schmidtgall: "Der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel." Weil sein Mandant bereits erheblich unter dem Verfahren gelitten habe, seien Führerschein und auch sein Auto eingezogen wurden, hielt er eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren für ausreichend.


Aus Hörigkeit gehandelt

Der Verteidiger des anderen Angeklagten, Johannes Driendl aus Bayreuth, hatte auf die letztlich auch verhängte Bewährungsstrafe von zwei Jahren plädiert. Motiv seines nicht drogenabhängigen Mandanten sei allein die Beziehung zu der Zeugin gewesen. Der Verteidiger sprach von "Nachgiebigkeit bis zur Hörigkeit". Er habe die Frau geliebt und sie glücklich machen wollen, deshalb sei es zu den fünf Drogenfahrten gekommen. Seinem Mandanten sei aber mittlerweile klar geworden, dass mit harten Drogen nicht zu spaßen ist, sagte Driendl.
Schwere Geschütze hatte zuvor Staatsanwalt Julius Klug aufgefahren. Er hatte auf Gefängnisstrafen in Höhe von drei Jahren und zwei Monaten sowie in Höhe von drei Jahren plädiert. Der Anklagevertreter war dabei von neun Fällen mit jeweils acht bis zehn Gramm Crystal ausgegangen.
Neben der verhängten Bewährungsstrafe von zwei Jahren müssen beide Angeklagte als Auflage jeweils 200 Stunden gemeinnützige und unentgeltliche Arbeit leisten. Dem Angeklagten, der die Drogen auch zum Eigenkonsum erworben hatte, gab das Gericht außerdem auf, dass er sich künftig jeglichen Drogenkonsums enthalten muss, was die nächsten zwei Jahre lang auch durch regelmäßige Drogenscreenings nachgewiesen werden muss. Der Mann muss außerdem zur Suchtberatungsstelle.