01 - eine Zahlenkombination, die Eisenbahnkenner mit der Zunge schnalzen lässt. Sieben "Nulleinser" gibt es, die noch unter Dampf stehen. Es sind die glorreichen Sieben der Schiene - und sechs davon finden sich am Wochenende in Neuenmarkt (Landkreis Kulmbach) ein zum "01er Dampf-Festival" im Deutschen Dampflokmuseum (DDM). Die Stargäste dieser Parade sind betagt. Viele ihrer Stahlbrüder haben die Zeiten gar nicht oder nicht unbeschadet respektive am Stück überdauert; manche fristen ein Schattendasein in einem Schuppen, weit davon entfernt, die Ära der Dampfrösser wiederaufleben zu lassen.

Doch es gibt auch sie noch: die Menschen, die die schwarzen Giganten dem Vergessen entrissen haben. Dazu zählen die Mitglieder des Schweizer Clubs "Pacific 01 202" und ihr Prachtstück. Eingeweihte wissen sofort, was es mit der Bezeichnung "Pacific" auf sich hat: Es ist die besondere Achsfolge der Baureihe.
Der "Rheingold" gehört zu dieser Fraktion, ebenso der "Orient-Express": Diese Züge wurden gezogen von Schnellzug-Dampflokomotiven mit einem vorauslaufenden zweiachsigen Drehgestell, drei Kuppel- und einer Nachlaufachse. In den USA wurde dieser Typus von der Missouri Pacific Railroad in großer Zahl in Dienst gestellt. Und weil die Loks auf den Strecken vom Osten des Kontinents in Richtung Pazifik unterwegs waren, bürgerte sich als Identifikation das Kürzel "Pacific" ein.

130 Stundenkilometer schnell

Hier zu Lande standen die Fahrzeuge mit den typischen Windleitblechen zunächst in Diensten der Deutschen Reichsbahn und erreichten Höchstgeschwindigkeiten bis 130 Stundenkilometern. Der Kreis zu Franken schließt sich übrigens, weil die letzten Exemplare im Besitz der Deutschen Bundesbahn ab Ende der 1960er Jahre allesamt beim Betriebswerk in Hof beheimatet waren. Die Einsätze über die Steilstrecke "Schiefe Ebene" waren legendär und traurig zugleich, denn das Ende der Dampfloks war unweigerlich eingeläutet. Die letzten acht Maschinen, die noch fahrtüchtig waren, ließen im Juni 1973 bei ihrer Abschiedsfahrt und einer Parade vor dem Hofer Lokschuppen nochmals Dampf ab. Dann war Ruhe im Kessel.

Letzte Fahrt ins Museum

Morgen und übermorgen aber, im DDM in Neuenmarkt, werden die Freunde der Dampfrösser Feuer und Flamme sein beim Stelldichein der 01. Museumleiter Volker Dietel parkt zu den betriebsbereiten Gästen (die weiteste Anreise hat die 01 1075 aus Rotterdam) noch zwei unbewegliche aus DDM-Beständen: die 01 164, die ein Vereinsmitglied aus Lichtenfels als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt, und eine 01 1061. "Am 15. Juni 1975 zog diese Lok einen Sonderzug durch Westdeutschland bis nach Neuenmarkt. Am selben Tag ging sie bei uns im Museum in Rente", sagt Dietel.

Die Geschichte der Baureihe reicht fast ein Jahrhundert zurück. 1920 wird die Deutsche Reichsbahn gegründet - damit endet zugleich die Zeit der diversen Länderbahnen. "Bayern, Schleswig, Preußen: Jeder hatte seine eigenen Züge und musste diese aufwändig warten. Daher gab es die Idee zur so genannten Einheitslokomotive", weiß Dietel. In Deutschland bauen Firmen wie AEG, Borsig und Krupp zwischen 1926 und 1938 insgesamt 231 Exemplare für den schnellen Reisezugverkehr. Die Route Bamberg-Hof ist die letzte, auf der die "Nulleinser" im täglichen Einsatz sind; in der DDR wird ihnen noch eine Restlaufzeit gewährt, ehe auch dort die Räder stillstehen.
Auch wenn es noch einige wenige fahrbereite Exemplare gibt: Die DB hatte bisweilen für ihre Strecken ein Dampflokverbot ausgesprochen. So verkehrte mancher der restaurierten Oldtimer lediglich einige wenige Male auf Privat-Trassen oder durfte angespannt vorm Sonderzug mal wieder ordentlich Dampf ablassen.