Sie sehen aus wie richtige Rennwagen und werden per Fernsteuerung auf die Reise geschickt. Sind in den verschiedensten Farben lackiert, von schwarz, gelb und orange bis pink. Und alle haben ein spezielles Tuning. "RC-Cars", diese Mini-Rennautos, sind seit 1999 das große Hobby des Unterbrückleiners Klaus Waldmann, die er im Maßstab 1:10 aus einem Bausatz selbst anfertigt. Die Vehikel sind 37 Zentimeter lang und 19 Zentimeter breit.

Elektrisch angetrieben

Unter der Karosserie liegen ein Elektromotor und eine Batterie. "Ich setze das alles möglichst detailgetreu zusammen, das verlangt oft schon viel Arbeit, denn vor allem die Lackierung und das Tuning kosten Zeit", sagt der 31-jährige Baumaschinenmechaniker, der bei der Neudrossenfelder Niederlassung der Firma Strabag beschäftigt ist.

Waldmann kam durch seinen Vater zu seinem eher ungewöhnlichen Hobby. "Er war lange in der Modellbaubranche beschäftigt - und ich habe mich schon immer für Technik interessiert."

110 Pokale im Regal

Seine Autos stehen natürlich nicht nur zum Ansehen da, sie sind alle rennerprobt. Nicht weniger als 110 Pokale sind sichtbares Zeichen der Erfolge. Klaus Waldmann, dessen Heimatverein der MCC Bad Berneck ist, kennt sich auf den Rennstrecken in Deutschland und im benachbarten Ausland aus. Einsätze hatte er unter anderem im schwäbischen Harburg, in Andernach, Sonneberg und selbstverständlich auf der Heimbahn in Bad Berneck. Auch in Wien, in der Slowakei oder in Riccione an der italienischen Adria war er schon am Start.

"Früher in der Hardcore-Phase war ich fast 30 Wochenenden im Jahr unterwegs und überall zu finden, jetzt trete ich etwas kürzer, weil ich mehr Zeit mit meiner viermonatigen Tochter Anni und meiner Frau verbringen will", so der Unterbrückleiner.

Talent ist hilfreich

"Wie geht Racing-Fahren?", fragt der Reporter, und der Modellbauer lacht ein bisschen. "Man steht mit der Fernsteuerung auf einem erhöhten Stand, um den Überblick über die Bahn zu haben, die etwa 100 bis 300 Meter lang sein kann, schickt den Wagen auf die Strecke und versucht, der Beste zu sein. Mit bis zu zehn Konkurrenten muss man sich messen", so Waldmann. Es gehörten eine gute Reaktionsfähigkeit, Konzentration und ein gewisses Talent dazu.

In der Outdoor-Saison im Sommer dienen eine Glattbahn auf Asphalt, im Winter eine Indoor-Halle mit speziellem Teppichboden als Unterlage. Mit "richtig geilen Kurven" und langen Geraden, die eine Geschwindigkeit von mehr als 70 Stundenkilometern zulassen.

Dass Klaus Waldmann zu den Stars in der Szene zählt, sieht man, wenn man sich seine Pokale anschaut: Er war 2015 Deutscher Meister, 2017 Deutscher Vizemeister und als Krönung 2014 Vize-Europameister in Steyregg in Oberösterreich. "Man muss schon anpassungsfähig sein und die ständig neue Technik beim Zusammenbauen beherrschen", blickt der "Rennfahrer" auf die zwei Jahrzehnte zurück.

"Es prickelt"

Es habe sich viel verändert, das Hobby sei wie auch im richtigen Leben mit immer schnelleren Runden verbunden. Trotz der langjährigen Renneinsätze sei er vor dem Start immer noch ein bisschen nervös. "Es prickelt, wird dann aber rasch von Coolness abgelöst." Und billig ist das Hobby auch nicht, er zeigt auf ein Renn-Car, das immerhin 1000 Euro wert ist.

"Wen einmal die Leidenschaft für Racing-Cars ergriffen hat, den lässt sie nicht mehr los", sagt Klaus Waldmann und will auch weiterhin Bausätze zusammenstellen und auf den Rennbahnen präsent sein. Ehefrau Jasmin nickt dazu verständnisvoll.