Über einen Mangel an Auftragseingängen kann sich Thomas Voggenreiter nicht beschweren. "Wir sind auf ein bis eineinhalb Jahre ausgelastet. So viel war noch nie los", sagt der Geschäftsführer der Max Voggenreiter GmbH in Mainleus. Bei dem Maschinenbau-Unternehmen läuft es gut. So wie in der ganzen Branche, in der das Geschäft nach Corona wieder anzieht.

Corona hat seine Firma so gut wie nicht betroffen, erklärt Voggenreiter, der das Familienunternehmen in der zweiten Generation führt. Nur, dass sie wegen der Pandemie keine Monteure nach China schicken können, das belaste. China ist ein wichtiger Markt für die Mainleuser. "Das Problem haben aber viele", sagt er. Das Unternehmen, das 20 Mitarbeiter beschäftigt, hat Niederlassungen in Shanghai und Peking. Die Absatzmärkte befänden sich zu 70 Prozent im asiatischen Raum und zu 30 Prozent in Europa.

Während es in anderen Branchen Lieferschwierigkeiten gibt, ist Voggenreiter davon bisher weitgehend verschont geblieben. "Material haben wir immer bekommen." Nur bei den Steuerungselementen müsse man warten. Hier rechnet der 47-Jährige damit, dass sich die Lage noch verschärft.

Eine gewisse Exklusivität

Einen Vorteil hat das Unternehmen dabei allerdings: Es hat sich von einem Hersteller von Sondermaschinen und Automatisierungstechnik zu einem Produzenten von Hochdrucklaborpressen entwickelt. "Wir sind Weltmarktführer. Es gibt nur uns, die so etwas bauen." Verwendet werden diese Spezialpressen von Geologen und Physikern für Gesteinsforschungen. Die Firma habe unter den Wissenschaftlern einen guten Namen, sagt Voggenreiter nicht ohne Stolz. "Wir haben auch Kunden, die mit unseren Maschinen Kunst- und Schmuckdiamanten herstellen", ergänzt er. Die Pressen made in Mainleus hätten eine gewisse Exklusivität, wofür Kunden auch mal bereit seien, zu warten.

Dafür drückt ein anderer Schuh, der laut Thomas Voggenreiter ein Problem für das ganze Handwerk darstellt: der Fachkräftemangel. Das gehe schon bei den Auszubildenden los. "Hier ist es schwer, gute Leute zu finden."

Das ist bei der Künzel Maschinenbau GmbH, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Voggenreiter angesiedelt ist, ähnlich, bestätigt Geschäftsführer und Gesellschafter Clemens Thüsing. Vor allem als Anlagen-Bauer für Brauereien ist die Firma bekannt. "Der Lockdown hat sich auf Großveranstaltungen ausgewirkt - und damit auch auf den Absatz der Brauereien", erklärt Thüsing die Problematik der vergangenen Monate. Die Folge: Ein Auftragsstopp. Mit Beginn der Corona-Krise im März 2020 sei die Nachfrage schlagartig gesunken. Dank bereits voller Auftragsbücher sei die Firma aber gut durch die schwierige Zeit gekommen. "Ende 2020 haben wir dann gemerkt, dass es bei den mittelständischen Brauereien wieder anzieht. Inzwischen sind viele Projekte, die auf Eis gelegt wurden, wieder aufgetaut worden. Es läuft wieder." Vor allem Afrika ist ein wichtiger Markt für Künzel Maschinenbau, ebenso Vietnam. Amerika auch, doch das Land sei noch problematisch wegen der Corona-Regelungen dort.

Wie Andreas Weinlein, der ebenfalls Geschäftsführer bei Künzel Maschinenbau ist, ergänzt, sei man mit dem Abbau von Überstunden und Kurzarbeit gut über die Runden gekommen. Entlassungen habe es keine gegeben. "Wir bauen doch nicht ab, um dann wieder mit hohem Aufwand gute Mitarbeiter suchen zu müssen", erklärt er. Vielmehr seien sogar Leute eingestellt, eine neue Forschungs- und Entwicklungsabteilung ins Leben gerufen worden. "Wir sehen positiv in die Zukunft", sagt Weinlein. Lediglich bei den Materiallieferungen befürchtet er Engpässe.

So wie IHK-Vizepräsident Michael Möschel auch. Denn Lieferungen und Lieferketten würden zunehmend nicht mehr funktionieren. "Und das nicht nur in Deutschland oder der EU, sondern weltweit." Als einen Grund für die Lieferschwierigkeiten nennt er den Fachkräftemangel und zeigt das gleich an einem Beispiel in den USA auf: So hätten vor einigen Tagen vor der Westküste der Vereinigten Staaten 50 Containerschiffe mit jeweils rund 10 000 Containern gelegen, die nicht abgeladen werden konnten - weil es zu wenig Hafenarbeiter gibt.

Aber nicht nur das: In der Folge benötige man dann 500 000 Lastwagen (ein Lkw kann in der Regel einen Container transportieren), um das Material an seinen Bestimmungsort zu bringen. "Das macht, denke ich, die Dimension des Problems deutlich", so Möschel. Und in der EU sei die Situation ähnlich wie in den USA.