"Ich bin eine waschechte Kulmbacherin", antwortet Pelin Apari auf die Frage nach ihrer Herkunft und lacht. Die 17-jährige Schülerin ist in Kulmbach geboren und stammt aus einer türkischen Gastarbeiterfamilie. Ihre Großeltern sind vor vielen Jahren nach Kulmbach gekommen - Kinder, Enkel und Urenkel komplettieren mittlerweile die türkisch-fränkische Großfamilie.

Am Dienstag geht es für Pelin, die derzeit ein Praktikum bei der Bayerischen Rundschau absolviert, nach München. Bei einem Festakt wird sie gemeinsam mit 49 neuen Stipendiaten in das Förderprogramm "Talent im Land" aufgenommen.Einen Grund zum Feiern gibt es nach dem umfangreichen Bewerbungsverfahren mit Sicherheit. Neben einer ausführlichen schriftlichen Bewerbung mit Empfehlungsschreiben musste sich die Schülerin in München einer Jury stellen. Schon die Einladung hat sie mehr als gefreut: "Es war einfach ein unglaubliches Gefühl zu merken, dass die Interesse an mir, an meiner Person haben."

Zum Gespräch geladen hatte das bayerische Kultusministerium zusammen mit der Robert-Bosch-Stiftung. Ziel von "Talent im Land" ist, besonders begabte Schüler zu unterstützen, die nicht die idealen Voraussetzungen haben, um problemlos durch die Schulzeit zu kommen. Gründe können finanzielle Engpässe oder fehlende Ansprechpartner in Bildungsfragen sein.

Wichtig ist nur: Die Schüler müssen mit hervorragenden schulischen Leistungen überzeugen und darüber hinaus mit besonderem Engagement und Motivation herausstechen. Und das hat die Kulmbacherin geschafft. "Die Bewerbung war ein langer Prozess, aber das Warten hat sich am Ende ausgezahlt", erzählt sie.

Vielseitige Unterstützung

Das Stipendium bietet ihr zum einen natürlich finanzielle Unterstützung. Nachhilfestunden, Lernmittel, wie ein neuer Laptop, und Zuschüsse bei Klassenfahrten sind vorgesehen. Doch etwas anderes ist viel wichtiger für die FOS-Schülerin: "Das Programm versucht, die Persönlichkeit und den Charakter der Stipendiaten zu fördern."
Dazu gehören verschiedene Aktionen und Ausflüge.

Pelin konnte zum Beispiel einen Blick in die Welt der Oper werfen. "Ich dachte am Anfang nur: ich und Oper? Nein!", erzählt die Schülerin. Jetzt ist sie total begeistert. Bei theaterpädagogischen Übungen an der Bayerischen Staatsoper habe sie in andere Rollen schlüpfen können - und sei überrascht von sich selbst gewesen. Der nächste Höhepunkt steht bald an: Eine Studienfahrt nach Madrid in den Osterferien. "Das Programm ermöglicht mir so viele Sachen, die ich sonst womöglich nie erlebt hätte", berichtet sie begeistert.

Bewerben können sich Schüler aller Schularten ab der siebten Klasse, die Abitur oder Fachhochschulreife anstreben. Pelin empfiehlt jedem, es zu versuchen. "Die Organisatoren machen so viel für die Schüler und helfen, dass man sich persönlich entwickeln kann."

Teilnehmer aus der ganzen Welt

Ihr Jahrgang sei eine bunte Mischung aus verschiedenen Persönlichkeiten. "Man lernt Menschen aus der ganzen Welt kennen, mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Geschichten", erklärt sie.
Sie sei immer wieder überwältigt, was die anderen Stipendiaten in ihrem Leben schon erreicht haben, trotz oder vielleicht gerade wegen ihres Migrationshintergrunds.