Die Familie Baptist ist vor fünf Jahren nach Presseck gekommen. Weil im Raum Nürnberg der Traum vom Eigenheim als Altersruhesitz finanziell nicht zu verwirklichen war. Und weil die Mieten in den Ballungszentren weiter steigen. Genau diese Entwicklung will der arg von Abwanderung betroffene Markt Presseck nun für sich nutzen. Hausinterner Arbeitstitel: "Immobilieninitiative 2.0". Ein Einfamilienwohnhaus samt Grundstück für 550 Euro im Monat? In Presseck machbar.

83 Quadratmeter barrierefreie Wohnfläche auf einer Ebene inklusive 600 Quadratmeter Grund für 147 000 Euro bei einer Eigenkapitaldecke von 37 000 Euro - so sieht eine Beispielrechnung aus, die Jürgen Goller vom gemeindlichen Arbeitskreis Immobilien aufgemacht hat. Monatliche Belastung für den Bauherrn: etwa 550 Euro bei einer Laufzeit von 20 Jahren.

Mieten oft höher als Raten

Ohne Zweifel eine paradiesische Vorstellung für eine Familie, die in einem Ballungsraum mit dieser monatlichen Belastung nicht einmal die Miete bestreiten kann und sich mit Blick auf die Altersrente fragen muss, ob der Wohnraum bezahlbar bleibt.

"Best Ager", also 50 Plus, so nennt sich eine der Zielgruppen, die Bürgermeister Siegfried Beyer (CSU) und Jürgen Goller mit dem Angebot ansprechen möchten. Und das Beste daran: Die Pressecker vermitteln auf Wunsch auch einen Bauträger, der schlüsselfertig baut - bezahlbar nach Fertigstellung.

Goller, Immobilienfachmann in Diensten der Raiffeisenbank, weiß, was preisgeplagte Mieter wünschen. Mieter, die in Ballungszentren oftmals erst eine Finanzierungsbestätigung einholen müssen, ehe sie überhaupt einen Termin für eine Hausbesichtigung bekommen...

Grundversorgung stimmt

Dass die Grundversorgung mit Arzt, Zahnarzt, Apotheke und Lebensmittelläden in Presseck gegeben ist, sagt Siegfried Beyer Interessenten nicht nur auf Anfrage. Und der Hinweis auf mehrere Pflegedienste im Ort (samt Tagesbetreuung) darf bei einer ehrlichen Planung der Altersvorsorge ebenso nicht fehlen.

Aber auch junge Familien können in Presseck ihr Eigenheim-Glück machen. Das "normale Haus" mit 122 Quadratmetern Wohnfläche ist für rund 170 000 Euro zu haben - inklusive Grundstück. "Ein Schnäppchen-Paradies", sagt Jürgen Goller über das Preisniveau. "Wir können unschlagbare Lösungen bieten."

Kindergarten, Krippe Hort, Grundschule und natürlich ein breitgefächertes Vereinsleben - keinen Hinweis für Interessenten haben die Konzeptmacher vergessen. Auch den nicht, der dem Einheimischen seltsam vorkommen mag: Die Marktgemeinde Presseck bietet Natur im Überfluss, Ruhe und Erholung - all das, was die Menschen in der Stadt suchen. "Wir haben hier die heile Welt", sagt Siegfried Beyer und bedauert es ein wenig, dass die Oberfranken solche Vorzüge jenseits aller Preisvorteile noch immer nicht klar sehen und deutlich benennen.

Dass man in Presseck zu weit vom Schuss wohne, das mag Immobilienfachmann Goller nicht unterschreiben. Mehrere Beispiele wie das der Familie Baptist haben bereits gezeigt, dass Entfernungen in Zeiten des Individualverkehrs kaum mehr eine Rolle spielen. "Auch in der Stadt braucht man ein Auto", sagt er und verweist darauf, dass der Weg zu Arbeit oder Einkauf in Ballungsräumen vielfach weiter ist als auf dem flachen Land.

Noch 14 Bauplätze in Presseck

14 Bauplätze im Gebiet "Am Sonnenhang" hat die Marktgemeinde derzeit zur Verfügung. Hinzu kommen noch Parzellen in Wartenfels. Wie die Vermarktung erfolgen soll? Über die Homepage der Gemeinde, über mögliche Bauträger und über Inserate, erklärt Siegfried Beyer. Und natürlich über Mund-zu-Mund-Propaganda, wie ein Beispiel am gestrigen Mittwoch zeigte: Eine Wartenfelserin sucht ein Haus für Berliner Interessenten, die den Markt Presseck bereits kennen und übersiedeln wollen ...

Auf die Gemeinde zugehen

"Immobilieninitiative 2.0" heißt der neue Vorstoß der Pressecker. Was aber nicht bedeutet, dass die "Immobilieninitiative 1.0" ad acta gelegt wäre. Will heißen: Nach wie vor ist Verwaltung, Gemeinderat und Arbeitskreis sehr daran gelegen, leerstehende Immobilien an neue Besitzer zu vermitteln. "Familien, die ein Anwesen verkaufen möchten, sollten sich bei der Gemeinde melden", sagt Goller. Erst dann könne man den Kontakt zu den Interessenten herstellen. "Wir müssen das schon professionell machen", betont Bürgermeister Siegfried Beyer und erklärt, dass die Zeit flüchtiger Notizen für die Westentasche vorbei ist.

Zwei Fliegen, eine Klappe

Gerhard und Michaela Baptist haben es nicht bereut, nach Presseck gekommen zu sein. Dass sie sich nach dem Kauf eines Eigenheimes mit dem "Pressecker Dorfladen" jetzt selbstständig machen, freut Bürgermeister Siegfried Beyer natürlich. Denn damit wird die Grundversorgung der Bevölkerung besser - und ein weiterer Leerstand beendet.