18.20 Uhr: Die Besprechung in der Polizeiinspektion Kulmbach ist beendet, der Einsatz kann beginnen: Polizeikommissar Thomas Müller macht sich mit drei Kollegen und einem Mitarbeiter des Landratsamts in zwei Streifenwagen auf den Weg. Die kommenden zwei Stunden werden sie Gaststätten und Sportstudios überprüfen. Haben die Betreiber kontrolliert, dass Gäste und Besucher die Corona-Vorgaben erfüllen? In der Gastronomie gilt 2G, in den Sportstätten 2G plus. Ob sich alle an die Vorschriften gehalten haben?

Erste Station: McDonald's

Erste Station ist der McDonalds in Brücklein. Viel ist an diesem Abend nicht los. Nur sieben Gäste sitzen an den Tischen und lassen sich Burger & Co schmecken. Ihre Kontrolle geht schnell über die Bühne: Die jungen Leute haben den Impfnachweis auf dem Handy abgespeichert, in fünf Minuten ist alles erledigt.

Etwas länger nimmt die Überprüfung der Mitarbeiter in Anspruch. Aber Schichtführerin Heidrun Arndt-Stadthaus kann den Beamten alle benötigten Unterlagen vorlegen. Eine Mitarbeiterin wird gerade getestet. Sie findet solche Kontrollen richtig, sagt Arndt-Stadthaus, auch wenn sie aufwendig und schwer umzusetzen sind. Egal: "Die Gäste müssen den Impfnachweis vorlegen und sich ausweisen, wenn sie hier essen wollen".

Also alles ok im Schnellimbiss. Es geht zurück nach Kulmbach - ins Fitnessstudio "NXT Level by Poja" von Poja Mahdiyeh im Goldenen Feld. Dort wird gerade hart trainiert, es läuft der Schweiß, als Thomas Müller und seine Kollegen die Halle betreten. Die Musik wird runtergedreht, Zwangspause.

Wird hier die strengere 2G-plus-Regel eingehalten? Die Beamten stellen schnell fest: Drei Frauen können keinen Impf- oder Genesenen-Nachweis vorlegen. Ihre Personalien werden aufgenommen. Ob sie gegen die Corona-Auflagen verstoßen haben, wird das Landratsamt prüfen. Bis zu 250 Euro Bußgeld können ihnen drohen. Sollte sich der Betreiber nicht korrekt verhalten und gegen seine Kontrollpflicht verstoßen haben, sind sogar bis 5000 Euro fällig.

Doch Poja Mahdiyeh ist ganz entspannt: "Wir sind ein kleines Studio mit zuverlässigen Leuten, die verantwortungsbewusst handeln", sagt er.

Zu den Trainierenden gehört auch Angelika Göhl. Sie spricht ein Problem an, dass den Beamten und dem Landratsamt durchaus bekannt ist. In der ganzen Informationsflut wisse man schon gar nicht mehr, was genau gilt. "Bisher hat mein Schnelltest von der Arbeit immer gereicht", sagt sie. Wie dem auch sei: Sie und die zwei anderen Frauen sowie Poja Mahdiyeh werden vom Landratsamt einen Anhörungsbogen erhalten, auf dem sie sich zu der Kontrolle äußern können.

Nächste Station: ein weiteres Fitnessstudio. Diesmal das Clever fit über dem Media Markt. Dort haben Lea Schneider und Khalid Kazar die Schichtleitung. Für Lea Schneider ist es schon die zweite Kontrolle, sie kennt das Prozedere.

In dicken Ordnern sind alle nötigen Unterlagen samt Schnelltests hinterlegt. Für die Mitarbeiter, für die Mitglieder. "Ohne Impfnachweis und Test kommt keiner rein", sagt sie. Auch Schnelltests vor Ort unter Aufsicht sind möglich. Wie vorgeschrieben wird alles 14 Tage aufbewahrt. "Absolut vorbildlich", befindet Einsatzleiter Thomas Müller. Die stichprobenartige Kontrolle der Studiomitglieder an den Geräten und Gewichten bestätigt: Alles ist so, wie es sein soll.

Vor verschlossener Tür

An der nächsten Station ist die Tür zunächst verschlossen: Um Einlass zu bekommen, muss am Fenster geklopft werden. Es dauert ein wenig, dann öffnet Wirt Gerhard Apel die Tür der "Bürgerstube". Die Beamten betreten die Gaststube. Nur zwei Männer sitzen dort an einem runden Tisch vor ihrem Bier. Man kennt sich. "Es kommen immer die Gleichen", sagt der Wirt. Er weiß, wer geimpft ist. "Ich hab nur 2G-Gäste." Deshalb findet er die Kontrolle der Polizei auch in Ordnung. "Ich hab nichts zu verbergen." Einen Verstoß gegen die Bestimmungen will er sich mit Blick auf die Bußgelder nicht erlauben. "Das wird zu teuer." Zumal er ohnehin schon wegen der Sperrstunde um 22 Uhr zu kämpfen hat.

Auch hier müssen der Wirt und seine Gäste Impfnachweis und Personalausweis vorlegen. Bei einem Besucher fällt den Beamten auf, dass ein Aufkleber im Impfbuch bei den Corona-Vakzinen fehlt. Warum das so ist, ist aber schnell geklärt: Der Mann hatte bei der Erstimpfung das gelbe Heft nicht dabei. Der Stempel der Arztpraxis ist aber vorhanden, seine Erklärung ist glaubhaft. "Bitte nachkleben lassen", empfehlen ihm die Polizisten.

Zurück an den Dienstwagen wird kurz beraten, wo die nächste Kontrolle stattfinden soll: Die Wahl fällt aufs "Patchwork". Die Gaststätte am Eku-Parkplatz ist für ihre vegane und vegetarische Küche in Kulmbach und darüber hinaus bekannt und beliebt. Das sieht man auch an diesem Abend. Kein Tisch ist mehr frei, als die Beamten das Lokal betreten.

Die überwiegend jungen Gäste haben den Impfnachweis auf ihren Handy gespeichert - die Überprüfung geht trotz des Betriebs schnell.

Wirt Oliver Weschenfelder hat mit der Kontrolle kein Problem, im Gegenteil: "Es gut, dass man da hinterher ist. Sonst macht jeder, was er will", sagt er. Aber so würden sich die Leute an die Regeln halten. Er hat, so Weschenfelder, auch schon Gäste wegschicken müssen, die ohne Impfnachweis ins Lokal wollten. Das sei aber immer ohne Ärger abgegangen. "Die Leute haben Verständnis, dass kontrolliert wird." Bei Reservierungen weise er stets darauf hin, welche Unterlagen für den Gaststättenbesuch nötig sind.

Die nächste und letzte Station ist nur einen Steinwurf weit entfernt: ein Asia-Imbiss. Auch dort passt alles.

Einsatzleiter Thomas Müller ist an dem Abend zufrieden: "Es ist gut, dass sich der überwiegende Teil an die Vorgaben gehalten hat und sie sehr gewissenhaft umsetzt. Und so seinen Teil dazu beiträgt, das Pandemiegeschehen so weit wie möglich einzuschränken."

Wie der Leiter der Polizeiinspektion, Peter Hübner, ergänzt, wird es weiterhin fast jeden Tag Kontrollen geben, um die wenigen schwarzen Schafe zu ertappen. "Die Zahl der Anzeigen ist verschwindend gering", erklärt Hübner. Die Mehrheit halte sich an die Vorgaben.