Wenn Werner Großkop aus dem harten Leben der Grubenleute berichtet, dann wird es im Kupferberger Besucher-Bergwerk noch einen Tick frostiger. Unter für heutige Zeiten unvorstellbaren Bedingungen wurde dort Eisenerz abgebaut - manchmal mit tödlichen Folgen. Inzwischen kann man die Abbaustätten gefahrlos besichtigen. Und demnächst vielleicht sogar mit einem fahrbaren Untersatz erreichen.

Der 68-Jährige, der seit zehn Jahren in Kupferberg wohnt und sich seit der Eröffnung im April zusammen mit Lebensgefährtin Doris Wimmer um die "St.-Veit-Zeche" und deren Besucher kümmert, hat 40 Jahre in Freiburg gewohnt. Und dort war er aus persönlichem Interesse, aber auch aus beruflichen Gründen als Computer-Fachmann immer wieder in Bergwerkanlagen unterwegs. Geradezu prädestiniert als Bergwerkführer in Kupferberg, dachten sich die Vorstandsmitglieder des Bergbaumuseums-Vereins um Heinz Kliesch. Und engagierten Werner Großkop.

Eine gute Wahl, wie sich in den vergangenen drei Monaten herausgestellt hat. Denn Werner Großkop verwaltet das Besucher-Bergwerk nicht nur, er gestaltet es auch. Seine Führungen durch den 200 Meter langen Stollen hinab in 18 Meter Tiefe stattet er mit profundem Wissen aus und versteht es, auch die schwierigsten Sachverhalte einfach zu erklären. "Wir sind wirklich sehr zufrieden", urteilt Heinz Kliesch.

Und das gilt auch für die Ideen, die in der Runde der Bergwerkfreunde gemeinsam entwickelt wurden. Die wohl bemerkenswerteste Überlegung: "Es gibt in Deutschland kein einziges Bergwerk, das Menschen mit Bewegungseinschränkungen besuchen können. In Kupferberg mit seinem Schrägstollen geht das", sagt der 68-Jährige und legt gleichzeitig Fahrzeug-Prospekte auf den Tisch im Besucher-Café. Das Ziel: gehbehinderte Menschen mit einem Elektromobil in die St.-Veit-Zeche fahren. "Das wäre dann ein so genanntes Alleinstellungsmerkmal", ergänzt Heinz Kliesch. Was Kliesch besonders gern hört: Werner Großkop ist sich sicher, dass die rund 25 000 Euro Anschaffungskosten für ein solches Mobil aufgebracht werden können. Über Zuschüsse von Organisationen, die mit alten Menschen oder Behinderten zu tun haben, und über private Sponsoren.

Der Grubenhunt

Wie das 1,7 Meter hohe und 1,2 Meter breite Fahrzeug für insgesamt acht Personen heißen soll, steht auch schon fest: "Grubenhunt" - so wie vormals die Loren zum Erztransport...

Eine andere Zielgruppe, die Bergwerkführer Werner Großkop mit speziellen Angeboten ansprechen möchte, ist die Jugend. "Wir wollen unbedingt Kinder hier haben", sagt er und weiß auch schon genau, was den Nachwuchs locken könnte: Eisenerz selbst aus dem Stein klopfen und dann in einem kleinen Schmelzofen gewinnen.

Zum Feiern ins Bergwerk

Von alleine kommen die speziellen Zielgruppen natürlich nicht, wie Großkop betont. Aus diesem Grund wurden inzwischen alle Schulen im Landkreis angeschrieben und spezielle Programmangebote übermittelt. Das soll auch mit Seniorenheimen geschehen, sobald der "Grubenhunt" seine Arbeit aufgenommen hat. Und: Bergwerkführer Großkop wird sich an die Unternehmen im Kulmbacher Land wenden und ganz spezielle Firmenfeiern anbieten - mit oder ohne Führung und mit Grillfest, Brotzeit und Zechenbier.

Besagtes Zechenbier schenken Werner Großkop und Doris Wimmer außerdem an den Zechenabenden aus, die ab sofort jeden ersten Donnerstag im Monat ab 18.30 Uhr im Besucher-Bergwerk stattfinden. Die Premiere war mit über 50 Personen sehr gut besucht...

Während Werner Großkop noch über den großen Wunsch erzählt, den bergbau-historischen Wanderweg aufzumöbeln, sind Renate und Gerhard Herold aus Marktleugast mit Tochter Katja Faust und den beiden Enkeln Annika und Moritz in der St.-Veit-Zeche eingetrudelt. "Das muss man sich schon mal anschauen, wenn es so etwas in der Gegend gibt", sagt Gerhard Herold, während sich er und seine Familie mit blauen Besuchermänteln und Schutzhelmen ausrüsten. "Das ist echt klasse gemacht und wird alles sehr verständlich erklärt", wird Tochter Katja Faust am Ende der Führung urteilen.Und auch Mutter Renate Herold ist nach der Rückkehr ans Tageslicht beeindruckt: "Man kann das richtig nachfühlen, wie schwer die Menschen damals gearbeitet haben." Gerhard Herold ist sich sicher: "Wenn der neue Schmelzofen da ist, dann gehen wird mit unseren Enkeln sicher noch einmal nach Kupferberg."

Die St.-Veit-Zeche

Öffnungszeiten Das Bergwerk ist wie das Bergbaumuseum von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Führungen Werner Großkopf bietet jeweils zur vollen Stunde (oder nach Vereinbarung) Führungen an.

Kontakt E-Mail : info@bergbau-kupferberg.de, Telefon 09227/9727833.

Internet Mehr Infos unterwww.bergbau-kupferberg.de