Dass Saskia Scheffold einmal bei den Bayreuther Festspielen mit dabei sein würde, hat sie selbst noch nicht einmal zu träumen gewagt. Doch genau das ist jetzt passiert. Die 15-jährige Untersteinacherin spielt bei "Tannhäuser" mit - als Statistin. "Ich habe erfahren, dass vom Festspielhaus jemand gesucht wird, der bei "Tannhäuser" auf der Bühne sitzt", erzählt Saskia Scheffold.

Voraussetzung war: Dieser Jemand müsste Harfe spielen können. Und genau das kann Saskia Scheffold. "Ich spiele seit 2014 Harfe und bin dann mit meiner Harfenlehrerin zum Casting gefahren", erzählt die Schülerin. Inszeniert wird "Tannhäuser" in diesem Jahr von Tobias Kratzer. Die musikalische Leitung hat Valery Gergiev. Die Bayreuther Profis mussten nicht lange überlegen. Sie engagierten die Untersteinacherin vom Fleck weg. Sie ist jung, bildhübsch - wie geschaffen für die Rolle der Harfenistin im "Tannhäuser". "Für mich ist das ein Traum. Auch die Musik von Wagner - das ist alles einfach wunderbar", schwärmt Saskia Scheffold.

Die Schülerin besucht das musische Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium in Bayreuth. Sie spielt Querflöte, Piccoloflöte, Trompete, Klavier und Harfe. Musik ist ihr Leben. Es gibt keinen einzigen Tag, an dem sie nicht musiziert. Seit Saskia Scheffold zum ersten Mal bei den Festspiel-Proben war, läuft zu Hause nur noch eine Musik: Wagner. Meistens so laut, dass man es im ganzen Haus hört.

Keine Angst vor Patzern

Eigentlich muss die junge Musikerin nur so tun, als ob sie Harfe spielen würde. Die Harfenklänge, die die Opernkenner hören, kommen von einem Profi aus dem Orchester. "Aber es ist wichtig, dass man wirklich spielen kann, denn bei der Inszenierung werden immer wieder Nahaufnahmen von mir eingeblendet", erzählt Saskia Scheffold. Damit die Illusion perfekt ist, hat Saskia Scheffold in den letzten Wochen tatsächlich die elfseitige Partie einstudiert und auswendig gelernt. Denn alles soll perfekt aussehen. "Der Harfenpart ist sehr, sehr schwer zu spielen", sagt sie. Angst vor einem Patzer muss sie nicht haben, denn die Harfe, auf der sie "spielt", klingt nicht.

Die Untersteinacherin hat allerdings noch mehr Aufgaben: Sie wird im zweiten Akt von "Tannhäuser" vom Stuhl gezogen und auf den Boden geworfen, muss also auch schauspielern. "Tannhäuser" kriegt einen Ausraster, ich werde über die Bühne gezerrt", erzählt sie. Dass "Tannhäuser" insgesamt dreieinhalb Stunden dauert zuzüglich zwei Pausen von je einer Stunde, macht der Vollblutmusikerin nichts aus. "Toll war auch, dass ich von der Schule für sämtliche Proben freigestellt worden bin."

Die Jugendliche ist durch die Proben sehr viel mit den Leuten, die in Bayreuth spielen, in Kontakt, auch mit den Solisten. "Es ist so interessant, was man alles erfährt", findet Saskia Scheffold. Und insgeheim bereut sie, dass sie erst mit 15 Jahren zu Richard Wagner gefunden hat. " Die Solisten, die Musik, die schauspielerische Leistung, die großen Arien - das ist etwas ganz Besonderes. Man kann sich das nicht vorstellen, das muss man erleben", findet Scheffold. Ihre gleichaltrigen Freunde können ihre Begeisterung für Wagner nur schwer verstehen. "Manchmal gehe ich meinen Freunden schon ein bisschen mit meiner Schwärmerei auf den Geist, aber ich finde die Musik einfach toll."

Und dass sie ihren Vertrag von Katharina Wagner höchstpersönlich bekommen hat, macht sie natürlich auch stolz. Die "Tannhäuser"-Premiere war am 25. Juli. "Bei den letzten drei Aufführungen bin ich leider im Urlaub, das tut mir so unheimlich leid", bedauert Saskia Scheffold. Sie hofft jetzt, dass sie nicht zum letzten Mal in Bayreuth auf der Bühne stand, sondern dass sie auch in Zukunft wieder mit von der Partie sein wird - vielleicht nicht nur bei "Tannhäuser".