Am Sonntag wäre es wieder so weit: Das Stanicher Marktplatztreiben würde Tausende in die Stadt locken. Aber auch heuer macht Corona den Narren einen Strich durch die Rechnung. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der Faschingsgesellschaft Stadtsteinach, Hansi Hümmer, über ein weiteres Jahr ohne Narretei und eine besondere Aktion am kommenden Sonntag, die den Garden zugutekommen soll.

Was schätzen Sie? Wann wird es wieder einen Fasching in Stadtsteinach geben?

Hansi Hümmer: Wir bauen darauf, dass es am 11. 11. wieder losgeht. Ich hoffe auch, dass die Regierung an den Lockerungen ab März festhält. Aber die drehen sich wie der Wind. Wenn wir am 11. 11. starten wollen, müssen wir Ende März loslegen, vor allem das Nähteam für die Kostüme. Auch das Training für die Garden muss dann beginnen.

Wie wirkt sich die Faschingsflaute auf die Vereinsfinanzen aus?

Wir haben laufende Ausgaben in Höhe von 10 000 Euro im Jahr - für die Miete des ehemaligen Schlecker, für Heizung usw. In den vergangenen zwei Jahren wurden wir von den Banken und dem Rewe gut unterstützt, um die Zeit überbrücken zu können. Außerdem haben wir in den vergangenen Jahren sehr gut gewirtschaftet und hatten ein Polster.

Wie ist die Stimmung bei den Aktiven?

Die Trainerinnen wollen natürlich wissen, wie es weitergeht. Die Mädchen in den Garden verlieren langsam die Motivation und denken darüber nach, sich was anderes zu suchen, zum Beispiel ins Fitnessstudio zu gehen. Hier müssen wir gegensteuern. Andere Vereine haben die gleichen Probleme - und es wird sicher welche geben, bei denen es nach Corona nicht mehr weitergeht.

Hätten Sie eine abgespeckte Version des Marktplatztreibens am Sonntag für möglich gehalten?

Nein, das würde keinen Sinn machen. Entweder ganz oder gar nicht. Das Marktplatztreiben lebt vom spontanen Besuch, die Leute wollen hin und freuen sich drauf. Vor Corona kamen zwischen 7000 und 10 000 Besucher. Diese Zahlen lassen sich nicht einfach dritteln. Das Gleiche gilt für die Prunksitzungen: Auch die machen keinen Sinn mit 150 Besuchern und zwischen 80 und 100 Aktiven auf der Bühne. Es würde keinen Barbetrieb geben, und wenn man zum Schunkeln aufsteht, müsste man eine Maske aufsetzen.

Sind Sie als Faschingsurgestein und Musiker durch die ganzen Corona-Absagen nicht in ein Loch gefallen?

Die erste Zeit schon. Schließlich bin ich mit 100 Prozent Herzblut dabei. Eigentlich hätte ich die freie Zeit gerne genutzt, um Skifahren zu gehen oder zum Biathlon nach Oberhof. Aber das ging dann aus bekannten Gründen auch nicht. Also hat mir die freie Zeit nichts genutzt. Ich habe mich dann jeden zweiten Tag hingesetzt und mein Repertoire als Alleinunterhalter erweitert und viel geprobt. Dass die Zwangspause aber so lange dauert... Teilweise genieße ich inzwischen die Wochenenden ohne Termindruck und Stress. Im ersten Jahr fiel das nicht leicht.

Hat sich die Faschingsflaute auf den Mitgliederstand ausgewirkt?

Ich freue mich, dass uns die Mitglieder weiter unterstützen. Wenn deren Beiträge fehlen würden, sähe ich keine große Zukunft mehr. Die Faschingsgesellschaft ist wie ein kleiner Mittelstandsbetrieb, der wirtschaften muss. Zum Glück halten uns die Leute die Stange. Auch im Verein war jeder bereit, seinen Posten zu behalten, bis alles wieder normal läuft. Wahlen hätten in dieser Zeit keinen Sinn gemacht. Und auch um den Nachwuchs bräuchten wir uns keine Sorgen machen, wir hätten 26 Purzel gehabt, die mitmachen wollen. Wir haben zudem über 20 Trainerinnen, die mit Herzblut dabei sind.

Nachdem am kommenden Sonntag wieder ein Faschingssonntag ohne Marktplatztreiben ist, haben Sie sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Wir haben uns gedacht, wir starten eine Aktion, damit wir ein paar Euro in die Kasse holen können. Es gab ja weder Faschingsveranstaltungen noch ein Sommerfest. Die Mitgliedsbeiträge wollen wir auch nicht erhöhen. Deshalb sind wir auf die Idee gekommen, einen Faschings-Burger zu kreieren. Den kann man bis Donnerstag um 18 Uhr vorbestellen und am Sonntag zwischen 16 und 19 Uhr abholen (siehe Infokasten). Der Gewinn kommt komplett den Garden zugute.

Andere Faschingsgesellschaft planen, Fasching im Mai nachzuholen. Wäre das auch für Stanich eine Idee gewesen?

Überhaupt nicht. Ich glaube nicht, dass das was wird. Wer soll denn da auftreten? Die Garden haben ja nicht trainiert. Da veranstalte ich lieber ein Sommerfest oder einen Maitanz.

Wie schwer wird denn der "Neustart" nach Corona werden?

Das wird nicht leicht. Es wird viel Arbeit sein, die Aktiven wieder auf das gewohnte Niveau und das Publikum in Stimmung zu bringen. Durch Corona hat sich viel verändert. Im Moment ist uns aber nicht bange. Wir können das packen. Das habe ich schon in unserer Hymne so geschrieben: Solange die Sterne am Himmel stehen, wird es den Stanicher Fasching geben.

Den Stanicher Faschings-Burger (es gibt auch eine vegetarische Variante) kann man bis Donnerstagabend bei stellvertretendem Vorsitzenden Uwe Ehrhardt bestellen (E-Mail: uwe_ehrhardt@web.de; Handy: 0176/209 57 214). Abholung ist am Sonntag von 16 bis 19 Uhr beim Imbiss Hümmer, Ziegelhütte 17.