Antonina Haas ist stolz auf ihr kleines Häuschen, das sie sich vor fünf Jahren gekauft hat. Das sie ausgeräumt, hergerichtet, gestrichen hat. In das viele, viele Stunden Arbeit geflossen sind. Kein Wunder, das ihr Herz an dem Gebäude in der Ringstraße hängt. Sie hat es sich angeschafft als Altersruhesitz, als Sicherheit. Nun sorgt sie sich um ihr Haus. Wegen einer Baustelle, die im Frühjahr vor ihre Haustür ziehen wird. Sie hat Angst vor den Erschütterungen durch die großen Baumaschinen, vor Schäden, die entstehen können, vor Rissen in den Wänden.

Im vergangenen Jahr hat sie einen Brief von der Gemeinde erhalten, in dem stand, dass der Kanal in ihrer Straße erneuert werden soll. "Da war mir aber nicht klar, wie groß die Baustelle wird", sagt sie und geht vor ihre Haustür, wo sich schon das Baumaterial stapelt. Besonders einschüchternd wirken auf sie die großen Elemente, die das Erdreich vor dem Einstürzen in die Baugrube sichern sollen.

Dann geht ihr Blick die Straße hinunter, dorthin, wo schon gebaut wurde. An dem offenen Stück Straße kann sie den weiteren Verlauf des Kanalstrangs abschätzen. Ganz nahe an ihrem Haus wird aufgebaggert werden, befürchtet sie und liegt damit nicht verkehrt.

Nur etwa 1,50 Meter entfernt vom Gebäude verläuft der Kanal, bestätigt Bürgermeister Robert Bosch (CSU), 2,70 Meter tief wird gegraben. Deshalb kann Bosch die Bedenken der 59-Jährigen durchaus nachvollziehen, die sich auch schon mit ihren Sorgen an die Gemeinde gewandt hat.

Daher ist auch ein so genanntes Beweissicherungsverfahren erfolgt: "Ein geowissenschaftliches Büro hat den Zustand des Hauses dokumentiert und mit Fotos festgehalten", erklärt Bosch. Damit kann später nachvollzogen werden, ob Schäden erst mit der Baustelle aufgetreten sind oder schon vorhanden waren. Dass Antonina Haas zusätzlich Fotos und Videos von ihrem Gebäude angefertigt hat, befürwortet er sogar. "Alles, was zur Zustandsbeschreibung beitragen kann, ist gut."

Ziel ist es aber, dass durch die Baustelle gar keine Schäden entstehen. "Deshalb werden Geräte verwendet, die erschütterungsarm sind", so Bosch weiter.

Diese Hoffnung hat natürlich auch Antonina Haas. Wohl aber bleiben bei ihr Zweifel: "Ich habe Angst, dass Schäden später abgetan werden, weil mein Haus schon alt ist", sagt sie und erinnert sich noch gut daran, wie alles gewackelt hat, als die großen Bagger durch ihre Straße fuhren.

Die 59-Jährige, die aus der Ukraine stammt und in der Altenpflege arbeitet, ist auch aufgrund ihrer Herkunft so auf ihr Häuschen bedacht: "Ich habe in meiner Heimat gesehen, wie schnell ein Staat auseinanderfallen kann. Das Haus habe ich mir aus Angst vor Altersarmut gekauft, damit ich später von meiner kleinen Rente keine Miete zahlen muss und ein Dach über dem Kopf habe. Denn wenn der Sozialstaat nicht mehr funktioniert, dann hat man nichts", sagt sie.

Erfahrung mit der Thematik hat Harald Hübner - nicht nur in seiner Eigenschaft als Verbandsvorsitzender im Zweckverband Abwasserbeseitigung Rotmaintal, sondern auch, weil er vor seiner Wahl zum Neudrossenfelder Bürgermeister als Rechtsanwalt tätig war. Er empfiehlt, so wie das in Mainleus der Fall war, ein Beweissicherungsverfahren bei der Gemeinde (wenn sie Bauherr ist) zu beantragen und den Gebäudezustand feststellen zu lassen. Das ist sei nicht nur für den Hausbesitzer sinnvoll, sondern auch für die Kommune: "Um nicht Altschäden bezahlen zu müssen. Das gibt sonst eine Riesenstreiterei, die will man ja vermeiden." Natürlich müsse eine Beweissicherung einen reellen Hintergrund haben. Bei einer 100 Meter entfernten Baustelle mache das wenig Sinn.