Der Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands, Claus Pühn, ließ sich nicht lange bitten, als die Vorbereitungen für die Protestaktion getroffen wurden. Er stellte gleich seinen Traktor zur Verfügung und fuhr zum Aldi-Markt in Mainleus. Dort warteten bereits neun weitere Landwirte aus der Region. Mit Plakaten demonstrierten sie gegen die Tiefstpreise bei Lebensmitteln. Es war kein lautstarker Protest mit Pfiffen und Getöse, sondern eher ein stummes "Aufmerksam machen". Viele Landwirte sind gar nicht erst gekommen, sie haben schon resigniert.

"Wir wollen ins Gespräch kommen. Wir möchten den Kunden, die bei Aldi und in anderen Supermärkten einkaufen, erklären, was uns eigentlich übrig bleibt. Denn das ist zu wenig", erläutert Gerhard Reif den Zweck der Aktion.

Und die Kunden schüttelten den Kopf, als Reif und seine Berufskollegen ihnen präsentierten, was die Bauern für ihre Produkte bekommen. Zum Beispiel 0,71 Cent von einer Semmel für den gelieferten Weizen, 1,87 Cent pro Seidla Bier für die Braugerste und 0,12 Cent für den Hopfen - das macht 1,025 Cent pro Maß. Von einem Kilo Mischbrot erhalten die Landwirte gerade einmal 15 Cent für das Getreide, und von einem Kotelett mit 220 Gramm bleiben 29 Cent übrig.


Milchpreis fiel um 30 Prozent

"Samstags-Kracher, Wochenend-Knüller, Tiefstpreisgarantie - Milchprodukte, Fleisch- und Wurstwaren werden vom Einzelhandel oft als Lockangebote benutzt, weil sie regelmäßig vom Verbraucher eingekauft werden", beklagt Wilfried Löwinger vom Bayerischen Bauernverband. Die Landwirte vermuten, dass die Preise für Basis-Lebensmittel künstlich niedrig gehalten werden, um die Menschen in die Läden zu locken. Aktuell treiben vor allem die Milchpreise die Bauern auf die Barrikaden. Denn pro Liter bleiben ihnen gerade einmal 30 Cent. "Der Preisverfall liegt bei dreißig Prozent innerhalb des vergangenen Jahres", prangert Matthias Stenglein aus Rothwind an. Er hat 80 Milchkühe im Stall stehen. "Wir haben jetzt einen Milchpreis, der deckt nicht einmal mehr die Entstehungskosten", so Stenglein.

Der Milchpreis ist nur ein Beispiel, wie der Preisdruck die Landwirte ruiniert. Denn auch Fleisch und Getreide ist dem Preisverfall ausgesetzt. "Die Situation, wie sie jetzt ist, ist wirklich existenzbedrohend", pflichtet Claus Pühn bei.


"Vier Konzerne herrschen"

Der Mainleuser BBV-Obmann hat 180 Milchkühe. "Die Erzeugung ist gar nicht gestiegen, aber das Problem ist, dass in Deutschland vier große Lebensmittelkonzerne den Markt beherrschen." Auch die Milchquote habe den Preisverfall nicht aufhalten können. "Man müsste kartellrechtlich verhindern, dass sich die Lebensmittelkonzerne zusammenschließen. Es darf keine weiteren Zusammenschlüsse geben", so Pühns Forderung.

Reinhard Kortschack hat den Betrieb seinem Sohn übergeben, er betreibt eine Nebenerwerbslandwirtschaft. "Aber die niedrigen Preise wirken sich auf alles aus", sagt der Fölschnitzer.

Auch Kreisbäuerin Beate Opel aus Neufang kam zur Demo. "Wir bräuchten mindestens wieder 40 Cent pro Liter Milch. Das ist der Preis, der vorher galt", sagt sie. "Es macht einfach traurig, wenn man sieht, wie Lebensmittel verschleudert werden. Wir bräuchten wieder eine Perspektive für die Landwirte", so die Kreisbäuerin.


Appell an soziale Verantwortung

"Diese Schleuderpreise zerstören unsere Betriebe. Wer sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt und auf regionale Produkte setzt, darf nicht so mit hochwertigen Lebensmitteln und uns Bauern umgehen. Der Lebensmittelhandel muss seiner sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden", fordert BBV-Kreisobmann Löwinger.

Gezielt klärten die protestierenden Landwirte gestern die Kunden auf - und ernteten Verständnis. Doch manche Verbraucher prangerten auch die immer größer werdenden Gerätschaften an, die für die Landwirtschaft nötig sind. "Früher hatte ein Landwirt mit zehn Kühen und 20 Hektar Land sein Auskommen, heute braucht man zum Überleben schon 200 Kühe und 200 Hektar. Das kann natürlich nicht mehr mit kleinen Maschinen bewirtschaftet werden", erklärte Gerhard Reif.