Die Flutmulde ist in den letzten Wochen regelrecht zu einer Pilgerstätte geworden. Viele Kulmbacher kommen, um sich die mit eigenen Augen vom Fortgang der Arbeiten auf dieser gigantischen Baustelle zu überzeugen.
Der alte Damm, der in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts vom Reichsarbeitsdienst angelegt wurde, weicht Stück für Stück. Im unteren Bereich ist die so genannte Vorland-Aufweitung schon vollzogen. Derzeit läuft die Sicherung der Nordumgehung, zudem werden stadtauswärts Richtung Kauernburg neue Gas- und Wasserleitungen Telefonkabel verlegt. Insgesamt weichen entlang der zwei Kilometer langen Baustelle fünf kleine und ein großer Strommast, die Leitungen werden unter die Erde verlegt, erklärt Andrea Künzl vom Wasserwirtschaftsamt Hof.

Jede Woche schaut die Projektleiterin auf der Baustelle nach dem Rechten. Und Künzl ist mit dem bisherigen Fortgang mehr als zufrieden.
Ziel der Maßnahmen ist es, die Flutmulde für ein etwaiges hundertjähriges Hochwasser zu rüsten. Die Deiche von einst waren als Schutz für ein solches Extremereignis viel zu niedrig, im Laufe der Zeit waren sie zudem brüchig und durchlässig geworden. An Pfingsten 2006 wäre es beinahe zu einer Katastrophe gekommen, die Deiche drohten zu brechen, die Blaich wäre überflutet worden. In Zukunft soll es solche gefährlichen Situationen nicht mehr geben.

"Er soll sich schlängeln dürfen"

"Man muss sich auch vorstellen, wie die Deiche einst gebaut worden sind. Die konnten ja gar nicht so verdichtet werden, und die Berechnungen wie heute gab es auch nicht", so Andrea Künzl.
Im ersten Bauabschnitt werde die Flutmulde aufgeweitet. Danach habe das Wasser mehr Raum, "wenn es denn kommt". Der Deich mitsamt dem Weg werden erhöht und in die Pörbitscher Au versetzt. Wenn dies getätigt ist, soll in der Auenfläche der Main einen naturnahen Lauf bekommen. "Er soll sich schlängeln dürfen , so entsteht eine Art Naturlandschaft. Aber das passiert erst im zweiten Bauabschnitt", so die Expertin.

Gigantische Ausmaße hat das neue Pumpwerk. Die Baustellensohle reicht zehn Meter tief bis auf den Fels. Wenn das Pumpwerk fertig ist, soll eine Spundwand gestellt werden, die verhindern soll, dass Wasser von unten in die Keller drückt. Dabei geht es laut Künzl nicht um eine Senkung des Grundwasserniveaus, sondern um eine Stabilisierung.

Ausschreibungen im Sommer

Fahrradfahrer Harald Stolpe aus Danndorf, der zufällig vorbei kommt, schaut - und steigt auf der Höhe des Pumpwerkes vom Fahrrad ab. "Da muss man doch schauen. Das ist schon eine interessante Baustelle, ein Riesen-Bau", kommentiert er staunend. Die Firmen dulden den Baustellentourismus derzeit noch. Doch der Radweg wird nicht während der gesamten Bauzeit offen gehalten werden können. Im Spätsommer oder Herbst rechnet Andrea Künzl mit mit einer Sperrung und Umleitung. "Das wird nicht anders gehen", sagt sie.
Im Wasserwirtschaftsamt Hof bereitet man bereits den zweiten Bauabschnitt vor. Die Ausschreibungen sollen noch im Sommer erfolgen. Die Maßnahme soll ohne große Pausen zügig durchgezogen werden.

Voraussichtlich wird die Renaturierung der Flutmulde 2017 oder 2018 abgeschlossen sein. Vor Hochwasser braucht bis dahin aber niemand Angst haben. "Auch während der Bauzeit ist der Schutz immer gewährleistet", beruhigt Künzl.