Sie springen durchs Feuer, schleppen Ketten und Baumstämme - und füllen dort, wo sie ihren Extremsport ausüben, die Hotelbetten. Ob sich die hohe Lizenzgebühr in Höhe von 100.000 Euro auszahlen wird, die die Stadt pro Jahr für die Ausrichtung des Spartan Race berappen muss? Wir haben Gernot Riedel gefragt, als in Kulmbach gleich bei der Vorstellung des Sportevents Kritik aufgekommen war.. Es kann sich durchaus lohnen, sagte uns Riedel, der Geschäftsführer des Tourismusverbandes St. Johann in Tirol ist, der schon mehrere solcher Veranstaltungen mit über die Bühne gebracht hat. Bis zu 20.000 Besucher kämen über ein Wochenende in die Kitzbühler Alpen, Hotels und Ferienhäuser seien die Nutznießer, auch der Handel. Riedel: "Für viele im Umkreis von 15 bis 20 Kilometer fällt da was ab."

3000 Sportler kommen

Ob das auch für Kulmbach zutreffen wird? Nach den Pandemie-bedingten Absagen 2020 und 2021 findet das erste "Spartan Race Trifecta Wochenende" vom 17. bis 19. Juni statt. 3000 Sportler sind angemeldet, und mit ihnen kommen auch viele Begleiter. Die Stadt wird voll, die Geschäftsleute hoffen auf ein lukratives Wochenende. Und die Zeichen dafür, dass Umsätze gemacht werden, stehen gut. Die Hotels sind ausgebucht. "Als bekannt geworden ist, dass das Rennen heuer stattfindet, haben die, die den vergangenen Jahren reserviert hatten und wegen Corona zwei Mal absagen mussten, gleich wieder gebucht", sagt Stephan Ertl vom Hotel am Stadtpark. Alle seine 22 Zimmer sind von Donnerstag bis Sonntag belegt. "Fast nur mit Spartanern", sagt Ertl, der davon überzeugt ist, dass nicht nur die Hoteliers, sondern auch die Gastronomie und der Einzelhandel profitieren werden.

"Taste" ist ausgebucht

Ausgebucht ist auch das "Taste"-Hotel am Stadtpark mit seinen 198 Betten. Wie viele Spartaner unter den Gäste sind, kann Chefin Silke Götz nur schätzen, "weil heutzutage viele über Internet-Plattformen buchen und man da nicht erkennt, weshalb jemand nach Kulmbach kommt". Schätzungsweise seien 50 Prozent Sportler. "Bei uns übernachten an dem Wochenende aber auch viele Nicht-Spartaner", sagt Götz, die ausgemacht hat, dass seit Ende der Corona-Beschränkungen Kulmbach wieder ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen ist.

Jedes Event belebt diie Stadt

Jedes Event, das Gäste lockt, sei für die Stadt und die Geschäftsleute ein Gewinn, betont Silke Götz, und Ulrike Berger vom Hotel "Kronprinz" pflichtet ihr bei. "Je mehr Veranstaltungen, desto mehr profitieren wir alle." Auch die 25 Zimmer im "Kronprinz" werden belegt sein. Dort übernachten auch nicht nur Spartnaner ("Das sind etwa ein Drittel"), sondern beispielsweise auch eine Wandergruppe und eine Hochzeitsgesellschaft. Berger: "Bei mir hatten viele Nicht-Spartaner schon Zimmer reserviert, als noch gar nicht klar war, ob das Rennen heuer überhaupt über die Bühne geht."

Eku-Platz kein Parkplatz

Alle Hoteliers sprechen von einem Rennen, das für Kulmbach große Chancen bietet. Es ist aber auch ein Rennen, das etliche Beeinträchtigungen mit sich bringt. Da sich etwa der Start der Laufstrecke am Marktplatz befindet, kann am Samstag, 18. Juni, beispielsweise kein Wochenmarkt stattfinden. Das eigentliche Veranstaltungsareal ist der Eku-Platz. Dort ist der Zieleinlauf, am Samstagabend steigt hier eine große Party. Der Platz steht deshalb zwischen den Auf- und Abbauarbeiten vom 13. bis 20. Juni nicht als Parkplatz zur Verfügung. In zahlreichen innerstädtischen Straßen ist zudem mit Sperrungen zu rechnen.

Einzelhändler hoffen

Es sind Beeinträchtigungen, die so manchen ärgern werden und die denen Futter liefern, die das kostspielige Sportereignis von Anfang an kritisiert haben. Es sind Beeinträchtigungen, die viele aber auch gerne in Kauf nehmen. Nicht nur Sportbegeisterte, sondern auch alle die, die neben den Hoteliers hoffen, ein Geschäft zu machen. Die Gastronomie, aber auch der Einzelhandel. Dass der eine oder andere Euro hängenbleibt, darauf setzt etwa Peter-Alexander Hegedüsch, der das Modegeschäft "Berries & Cream" in der Langgasse betreibt. "Ich finde es klasse, dass die Veranstaltung bei uns über die Bühne geht, eine Veranstaltung, die Strahlkraft besitzt." Man dürfe nicht allein an das Geschäft während des Events im Blick haben. Mit dem Rennen, so Hegedüsch, werde Werbung für Kulmbach gemacht, die dem einen oder anderen Gast vielleicht auch einen weiteren Besuch der Stadt schmackhaft machen werde. "Viele kommen vielleicht später mal wieder. Es ist der Langzeiteffekt, der sich auch für uns Händler auszahlen könnte."

Von einem Werbeeffekt für die Stadt spricht auch Christoph Hofmann von der Händlervereinigung "Unser Kulmbach". Dabei kennt er Kollegen, die Bedenken haben, weil es zu Straßensperrungen kommen wird. "Manch einer befürchtet, dass Einheimische, die samstags einkaufen gehen wollen, die Innenstadt meiden." Ob das so sein wird? Hofmann mag keine Prognose abgeben. Was er sich wie Peter-Alexander Hegedüsch wünscht: "Dass Kulmbach vom Spartan Race profitiert." Und wenn nicht kurz-, dann zumindest langfristig.