Zehn Maßkrüge zu stemmen, sich mit stolzen 23 Kilogramm in den Händen den Weg durch die Menschenmassen hindurch zu den Biertischen zu bahnen - das ist Schwerstarbeit. Die Kulmbacherin Lisa Lamnek, mit 47 Kilogramm Körpergewicht ein Leichtgewicht, meistert diese Herausforderung, und das nicht auf irgendeinem Volksfest, sondern auf dem größten Volksfest der Welt: dem Oktoberfest, das 2016 vom 17. September bis 3. Oktober über die Bühne geht.

2014 hat die heute 23-Jährige im Löwenbrau-Zelt als Bedienung ihre Premiere gefeiert. Wie die junge Frau, die als Krankenschwester auf der Intensivstation des Kulmbacher Klinikums arbeitet, dazu gekommen ist? Freundin Nicole Pillat, die selbst viele Jahre Bedienung auf der Wiesn war, hat ihr den Job schmackhaft gemacht. Diesen zu ergattern, war ein Glücksfall. "Auf eine Stelle als Bedienung kommen 300 Bewerberinnen", weiß Lisa Lamnek, die am Einschreibetag einfach mal ihr Glück versucht hat. Und das hatte sie dann auch: "Ich durfte für eine Bedienung, die kurzfristig abgesagt hat, einspringen."


Der Wiesn-Wirt war skeptisch

Beim Vorstellungsgespräch habe sie, das gibt sie zu, schon ein bisschen "geflunkert". "Der Zeltwirt hat mich anfangs skeptisch angeschaut. Weil ich doch zierlich bin, hat er mich gefragt, wie viele Maß ich tragen kann. Ich habe zehn gesagt, obwohl ich das noch nie gemacht habe."

Sie hat den Wirt überzeugt und durfte dann auch das Dirndl tragen. Lisa Lamnek ist seitdem im Löwenbräu-Zelt eine von über 200 Bedienungen. Gemeinsam mit einer Kollegin versorgt sie an vier Biertischen rund 40 Personen mit Speisen und Getränken. "Zweimal hintereinander stemme ich zehn Maß. Zwischendurch muss ich mit sechs bis sieben Krügen schon mal kürzer treten, um wieder Kraft zu tanken", sagt die 23-Jährige.


Ein lukrativer Job

Geht beim Bedienen eine Maß kaputt oder fällt ein Teller zu Boden, muss sie das Bier oder das Essen aus der eigenen Tasche bezahlen. "Ich habe schon mal ein halbes Hähnchen fallen lassen. Das war ärgerlich, doch das passiert eben", sagt die Kulmbacherin, die durchblicken lässt, dass die 16 Tage München ansonsten ein wirklich lukrativer Job sind. Was sie verdient, darf sie nicht sagen. "Das ist vertraglich so geregelt."

So mancher Wiesn-Gast, der einen über den Durst getrunken hat, wird aufdringlich. "Da fangen schon Einige das Grapschen an. Zum Glück ist der Security-Dienst immer gleich zur Stelle." Die allermeisten Gäste seien aber einfach nur gut drauf. Oft sei es im Stadel amüsant. So habe sie bereits manchen Heiratsantrag bekommen. "Die Leute kaufen da schon mal ein Stofftier und gehen vor mir auf die Knie."


Ein Urlaub, der fordert

Ob die Feierlaune heuer angesichts der Terrorgefahr - Wiesn-Chef Josef Schmidt hat von einer erhöhten abstrakten Gefahrenlage gesprochen - gebremst sein wird? Lisa Lamnek glaubt das nicht, hofft, dass die Aufstockung des Sicherheitspersonals und verstärkte Kontrollen für ein friedliches Oktoberfest sorgen. "Ich wünsche mir, dass es keine Zwischenfälle gibt und die Leute ihren Spaß haben."

Spaß, den hat auch die 23-Jährige, die ihrem eigentlichen Chef Ralf Dorfschäfer, dem Stationsleiter am Klinikum, dankbar ist, dass er ihr den Urlaub genehmigt. Ein Urlaub, der alles andere als erholsam ist. Schlaf bekommt sie wenig. "Ein Arbeitstag geht mit Pausen von 8.30 bis 23.30 Uhr" , sagt Lisa Lamnek, die als Krankenschwester in einer Unterkunft der Münchner Schwesternschaft übernachten darf.


Nicht auf dem Bierfest

Hauptberuflich möchte sie den kräftezehrenden Job einer Bedienung nicht machen. Das Oktoberfest soll die Ausnahme bleiben. Ob sie schon mal mit dem Gedanken gespielt hat, auf der Kulmbacher Bierwoche Krüge zu stemmen? "Nein, denn die möchte ich als Kulmbacherin selbst als Gast genießen."