Daran muss man sich erst einmal ganz langsam gewöhnen.: Zum ersten Mal gibt es gemeinsame Wahlen für Wunsiedel-Kulmbach. So heißt der neue Stimmkreis für die Landtags- und Bezirkswahlen, die im September über die Bühne gehen. Eine Woche später folgen die Bundestagswahlen, da ist es wieder anders: Der Wahlkreis, wie er da heißt, ist dann wieder getrennt in Kulmbach und Wunsiedel beziehungsweise Hof.

Federführendes Amt in Wunsiedel

Für Achim Geyer vom Landratsamt Kulmbach ist die neue Struktur zwar kein Anlass, um einen Freudentanz aufzuführen. Vor große Probleme sieht er sich jedoch nicht gestellt. "Es ist alles geregelt", sagt der zuständige Sachgebietsleiter für die Wahlen. Federführende Behörde ist bei den Landtags- und Bezirkswahlen, die am 15. September stattfinden, nicht das Landratsamt Kulmbach, sondern das Amt in Wunsiedel.


"Wir sind nur Briefträger", sagt Geyer. "Wir prüfen zwar das Wahlergebnis aus den Kommunen, liefern es aber dann weiter nach Wunsiedel." Wobei das Ergebnis inzwischen auf elektronischem Wege übermittelt wird. Lediglich die fragwürdigen Stimmzettel müssen mit dem Auto nach Wunsiedel gefahren werden. Das heißt: Kreuzt einer mit einem Smiley an, muss das überprüft werden. Ist das eine gültige Stimme oder nicht?

Ansonsten bleibt das Landratsamt Kulmbach Ansprechpartner für die Kommunen. Doch die eigentlichen Bosse sitzen in Wunsiedel, wenn man so will. "Wir haben uns mal mit den Kollegen zusammengesetzt", sagt Christine Parker, die zuständig für die Wahlen im Landratsamt Wunsiedel ist. "Die Kollegen" sind die aus Kulmbach um Achim Geyer. Man tauscht sich aus. Geyer ist auch nicht ganz undankbar, dass die Hoheit bei den Landtags- und Bezirkswahlen in den Händen der Kollegen liegt.

Mit der Bundestagswahl eine Woche später habe man ohnehin genug zu tun. Und da die Wunsiedler bei den Bundestagswahlen dann dem Hofer Landratsamt unterstellt sind, gibt es auch für sie keine wirkliche Doppelbelastung.

Insgesamt 44 Gemeinden

Was sich durch die Stimmkreisfusion an der Amtsarbeit ändert? Im neuen Stimmkreis sind nun 17 Gemeinden des Landkreises Wunsiedel vertreten, fünf aus Bayreuth sowie 22 aus dem Landkreis Kulmbach. Das sei insofern schon eine Mehr arbeit. "Wir sind im Kommunalsachgebiet zu zweit", sagt Christine Parker. Wie aufwendig die Mehrarbeit letztlich ausfällt, kann sie noch nicht sagen: "Die Erfahrung werden wir erst nach der Wahl haben." Doch Parker beruhigt: "Es ist nicht unsere erste Landtagswahl."

Seit über 30 Jahren ist sie nun schon in der kommunalen Aufsicht tätig. "Sechs Gemeinden aus dem Landkreis Hof hatten wir in der Vergangenheit bei den Wahlen dabei." Sie und ihr Kollege Winand Beyerlein sind es also gewohnt, mit Gemeinden über den Landkreis hinaus zusammenzuarbeiten. Berührungen mit den Kulmbacher Kollegen gab es ohnehin bisher kaum. Die neue Zusammenarbeit funktioniere.

Momentan wird die Anzahl der Stimmberechtigten ermittelt. "Damit wir wissen, wie viele Stimmzettel wir brauchen", sagt Christine Parker. Danach geht die Meldung an die Regierung von Oberfranken, die dann die Stimmzettel drucken lässt und ausliefert.

"Die Wahl ist für den Bürger mit einem Kreuzchen schon erledigt, für das Amt nicht", sagt Achim Geyer vom Landratsamt Kulmbach. Damit meint er die ganze Vorbereitung der Wahl, es müssen "viele Regularien und Fristen" eingehalten werden. "Die meiste Arbeit haben die Gemeinden", sagt Christine Parker. Auch der Kulmbacher Kollege Geyer weiß das. Deshalb ist es auch gut, dass sich für die Gemeinden im Landkreis Kulmbach mit dem neuen Stimmkreis nicht allzu viel ändert. Die wenden sich bei Fragen in erster Linie weiter an das Landratsamt in Kulmbach.

Achim Geyer kann aber - je näher die Wahlen kommen - eine kleine Unruhe nicht verhehlen. "Die Nervosität ist am Wahltag sicher da, dass man an alles gedacht hat." So klingt das, wenn sich einer auf seine ersten großen Wahlen vorbereitet. Die richtig heiße Phase beginnt dann drei Wochen vor der Wahl.